Dienstag, 29. Juni 2010 | Nr. 47
Bürglen. 42 Meter über den Bahngleisen nistet auf dem Hochkamin im Sun-Areal ein Storchenpaar. Mitte Mai sind im luftigen Horst drei Jungstörche geschlüpft.
Rudolf Steiner

Frisch beringt: Die Jungstörche in ihrem Horst auf dem Hochkamin.
Vor etwa zwölf Jahren wurde auf dem Kamin der ehemaligen Wollfärberei im Sun-Areal eine Plattform errichtet, um Störchen eine Möglichkeit zum Brüten zu geben. In den ersten Jahren blieb der Standort aber unbesetzt, wie Gemeindeammann Armin Eugster am Donnerstagvormittag auf dem Sun-Areal am Fusse des 42 Meter hohen Kamins erzählte.
Blick auf den Horst
Ebenfalls anwesend war auf dem Areal Antonia Loher, die sich um die Störche kümmert, seit sie vor zwölf Jahren nach Bürglen kam. «Ich war von Anfang an an diesen faszinierenden Vögeln interessiert», erzählt die ursprünglich aus Bulgarien stammende Storchenliebhaberin, die vom Wohnzimmer aus die Störche mit einem Fernrohr beobachten kann. «Wenn ich aufstehe, schaue ich immer zuerst durchs Fernrohr, was die Störche machen und natürlich auch vor dem Schlafengehen, wenn es noch hell ist», erzählt sie.
Am Donnerstag war für die Störche ein spezieller Tag, denn die drei Jungstörche, die etwa Mitte Mai ausgeschlüpft sind, wurden beringt. Darum war auch Daniel Schedler aus Basadingen, der Beringer der Organisation Storch Schweiz, auf dem Platz. Und um überhaupt in diese schwindelerregende Höhe hinaufzukommen, stand ein Bronto Skylifter S46 der Firma Maltech aus Rümlang ZH mit Chauffeur Peter Götsch bereit, um Beringer Daniel Schedler und «Storchenmutter» Antonia Loher 42 Meter hoch bis zum Horst hinaufzuhieven. Die Beringung ist, um die jungen als auch die alten Störche nicht allzu fest zu stören und zu beunruhigen, eine Angelegenheit von höchstens zwei Minuten.
14 Jungstörche beringt
Von einem Altstorch argwöhnisch beob-achtet, befestigte Schedler den schwarzen Kunststoffring mit Kennbuchstaben und -nummer oben am Bein der drei Jungstörche, während der Altstorch aufgeregt einige Runden um den mittlerweile fast einen Meter hohen Horst drehte. Aufgrund dieses Markierungsringes können nun die Bewegungen und Flugrouten der Störche verfolgt werden.Dank der Betreuung durch Storchenmutter Loher, der Unterstützung der Gemeinde Bürglen und von Storch Schweiz konnten in den letzten acht Jahren 14 Jungstörche beringt werden, im gleichen Zeitraum starben aber vor allem wegen Nässe und Kälte etwa zehn der ausgeschlüpften Jungvögel.
Der Storch war in der Schweiz Mitte des letzten Jahrhunderts total ausge-rottet. Ab 1948 wurden durch Storchenvater Max Bloesch in der Storchensiedlung Altreu Jungstörche aufgezogen und in der ganzen Schweiz erfolgreich ausgesiedelt. Im Jahr 2009 wurden total 231 Horstpaare gezählt und in 181 Horsten zogen Storchenpaare 445 Jungstörche gross. In der Region «Blau» (umfasst die Kantone Thurgau und St. Gallen) wurden letztes Jahr 17 Storchenpaare mit 46 Jungstörchen gezählt. Ein Standort ist auf dem Kamin in Schönenberg, wo dieses Jahr ebenfalls drei Jungstörche geschlüpft sind. Ein weiterer sogenannter Stangenhorst wird in den nächsten Tagen zwischen Mauren und Bürglen aufgestellt. (rst)
Neuer Anzeiger Sulgen - Steinackerstrasse 8 - 8583 Sulgen - redaktion@neueranzeiger.ch