Neuer Anzeiger Sulgen

Sonntag, 5. September 2010

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Freitag, 9. Juli 2010 | Nr. 50

Projekt Jump auf dem Sprung

Neukirch. Am 1. September startet die Evangelische Kirchgemeinde Neukirch an der Thur ihre «Jugendarbeit mit Perspektive», kurz Jump genannt. Selbstverständlich ist das nicht, wird das Projekt doch ausschliesslich mit Spenden finanziert.

Georg Stelzner

Beat Müller und Flavia Christen

Beat Müller und Flavia Christen

Die Idee, professionelle Jugendarbeit ausnahmslos mit freiwilligen Zuwendungen zu finanzieren, wurde aus der Not heraus geboren. Im Budget der Evangelischen Kirchgemeinde Neukirch an der Thur steht dafür kein Geld zur Verfügung; zudem bezieht man Mittel aus dem Finanzausgleich, was den Handlungsspielraum weiter einengt. «Angesichts dieser Ausgangslage haben wir beschlossen, es auf dem Spendenweg zu versuchen», erklärte im März Kirchenpräsident Urs Baumgartner, der von einem jährlichen Bedarf von 60 000 Franken ausgeht.

Zeitplan eingehalten

Ein Vierteljahr nach dem ersten Aufruf steht nun fest: Das Projekt Jump kann wie vorgesehen am 1. September gestartet werden. «Derzeit sind etwas über 50 000 Franken zugesichert oder bereits auf das entsprechende Konto einbezahlt worden», berichtet Gabriela Arn, im Leitungsteam der Kirchgemeinde für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die ersten 15 000 Franken habe man relativ schnell beisammen gehabt, dann sei der Geldfluss aber etwas ins Stocken geraten. Ein von Jugendlichen eigens gestalteter Sammeltag am 6. Juni habe der Kampagne jedoch neuen Schwung verliehen und wesentlich dazu beigetragen, dass jetzt schon so viel Geld vorhanden sei.

Bereits über 60 Spendende

Laut Auskunft von Gabriela Arn beteiligen sich im Moment 62 Spenderinnen und Spender an der Finanzierung von «Jump». Bezüglich Alter und Summe sei die Bandbreite gross: «Ein Kind, das jede Woche einen Franken zur Verfügung stellen möchte, ist ebenso darunter wie Erwachsene, die sich mit einem vierstelligen Betrag pro Jahr beteiligen.»

Glücksfall für Kirchgemeinde

Nicht lange befassen mussten sich die Verantwortlichen mit der Frage, wer die Jugendarbeit leisten sollte. In der Person Flavia Christens hat sich eine Fachfrau angeboten, die mit den Verhältnissen in der Kirchgemeinde nach einem Praktikum bestens vertraut ist und die aufgrund ihrer früheren Tätigkeit beim Cevi Ostschweiz auch die nötige Qualifikation mitbringt. «Ich freue mich auf meine Aufgabe und bin zuversichtlich, hier etwas bewirken zu können», sagt die 1983 geborene, in Entetschwil aufgewachsene Absolventin des Theologisch-Diakonischen Seminars in Aarau.
Im Rahmen eines 60-Prozent-Pensums wird sich Flavia Christen um Jugendliche ab Sekundarschulalter, aber auch um junge Erwachsene bis etwa 25, 30 Jahre kümmern. Ideen sind bereits vorhanden: So soll in der Kirchgemeindestube alle drei Wochen ein Jugendtreff stattfinden, zwischen Weihnachten und Neujahr könnte ein Jugendlager durchgeführt werden, und die Jugendgottesdienste sollen ebenfalls neue Impulse erhalten. «Selbstverständlich stehe ich auch zur Verfügung, wenn jemand ein Problem hat und über dieses mit einer Vertrauensperson sprechen möchte», ergänzt Flavia Christen.

Perspektive und Sinn geben

Pfarrer Beat Müller beurteilt das Engagement der Jugendarbeiterin positiv, zumal es ihm aus zeitlichen Gründen kaum möglich wäre, deren Aufgaben auch noch zu übernehmen. «Ich sehe grosse Chancen, weil wir eine Kirchgemeinde mit vielen Jungen sind», sagt der Seelsorger und betont, dass die Kirche in die Jugend investieren müsse, wenn sie überleben wolle.
Ziel müsse es sein, dem Leben junger Menschen eine Perspektive und einen Sinn zu geben. Beat Müller möchte mit der Jugendarbeiterin einen regelmässigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch pflegen.

Auf drei Jahre ausgelegt

In Anbetracht der Tatsache, dass auch für die nächsten beiden Jahre schon 32 082 Franken (von 29 Spendern) beziehungsweise 30 450 Franken (von 24 Spendern) zugesagt wurden, sind die Kirchenvorsteherschaft, Pfarrer Müller und Jugendarbeiterin Christen zuversichtlich, dass die «Jugendarbeit mit Perspektive» ihrem Namen gerecht werden kann. «Unser Ziel ist es, das Angebot zumindest einmal drei Jahre aufrechtzuerhalten, denn wir gehen davon aus, dass das Bedürfnis eher zu- als abnehmen wird», erklärt Gabriela Arn. Bei aller Euphorie sei aber klar, dass das Projekt letztlich mit der Finanzierung stehe und falle.

Förderverein

Im Hinblick auf die Lancierung des Projekts Jump wurde am 29. März 2010 ein Förderverein aus der Taufe gehoben. Dessen einziger Zweck ist es, jene Mittel zu generieren, die erforderlich sind, um in der Kirchgemeinde eine professionelle Jugendarbeit anbieten zu können. Vereinspräsident ist Urs Baumgartner, als Kassier fungiert Thomas Kleger. Mitglieder im herkömmlichen Sinn hat der Verein nicht, dafür aber Gönner. (st)

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