Dienstag, 20. Juli 2010 | Nr. 53
Neukirch a.d. Thur. Hansruedi Schweizer setzt sich für den Erhalt von 247 alten Apfelsorten ein. Bei ihm sind nicht nur alte Apfelsorten zu kaufen. Er beteiligt sich auch an Forschungsprojekten.
Rudolf Käser

Wirkstoff einer Anti-Aging-Hautcreme steckt im «Uttwiler Spätlauber».
Der 63-jährige Neukircher setzt sich Zeit seines Lebens für den Erhalt und die Weiterveredlung alter Apfelsorten ein. Er beteiligt sich zudem an Projekten für die Forschung – unter anderen in enger Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Obst, Wein- und Gartenbau, Wädenswil, sowie der Stiftung ProSpecieRara.
Basis «Uttwiler Spätlauber»
Kürzlich hat sich eine Delegation französischer Journalisten beim Neukircher Fachmann für den Erhalt alter Apfelsorten zu einem Besuch angemeldet. Der Besuch musste jedoch kurzfristig abgesagt werden und noch weiss Schweizer nicht, ob er nachgeholt wird. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass für die Obstsorten von Hansruedi Schweizer – und insbesondere die Nebenprodukte daraus sowie das umfangreiche Fachinteresse von ihm – breites Interesse besteht. Gegenstand des Interesses der Franzosen war der Apfel «Uttwiler Spätlauber». «Aus diesem, von mir gelieferten Apfel sind Stammzellen gezüchtet worden. Daraus wurde ein Serum erstellt, welches in einer bestimmten Hautcreme eine Substanz gegen die Hautalterung enthält», erzählt der Neukircher.
Creme für Michelle Obama
Der Anfang dieser Hautcreme seien seine Äpfel gewesen. «Es brauchte zuerst aus meinem Apfelbestand drei bis fünf Kilogramm. Daraus wurden die Stammzellen entnommen», erzählt Schweizer mit berechtigtem Stolz. Die Hautcreme wurde mittlerweile zu einem Erfolg. Selbst die amerikanische Präsidenten-Gattin Michelle Obama soll die Creme nutzen, weiss Hansruedi Schweizer. Und zu Beginn des Jahres war eine Delegation des südkoreanischen Fernsehens bei Schweizer zu Besuch. Sie haben über ihn und den wundersamen «Uttwiler Spätlauber» einen kurzen, aber beeindruckenden Film gedreht. Dieser wurde mittlerweile in Südkorea ausgestrahlt. Bereits haben sich weitere Interessenten bei Schweizer angemeldet. Auf den 22. September hat sich das Ländliche Fortbildungsinstitut Vorarlberg mit Sitz in Bregenz für einen Besuch angekündigt.
Weite Zukunftsfelder
Mit der intensiven Beschäftigung des Erhalts alter Apfelsorten und den bisherigen Forschungen und Beteiligungen für eine Hautcreme ist die Mitarbeit von Hansruedi Schweizer noch längst nicht ausgeschöpft. Er weiss, dass verschiedene Forschungsprojekte bestehen. So laufen derzeit Spritzversuche gegen den Feuerbrand mit Hanfextrakten. An diesen Versuchen ist Hansruedi Schweizer ebenfalls beteiligt.
Forschung unter Hochdruck
Im Weiteren stellt er seine Apfelsorten der Forschungsanstalt Wädenswil zur Verfügung. «Da wird Forschung mit alten Apfelsorten über sekundäre Pflanzenstoffe betrieben, welche noch bis vor wenigen Jahren unbekannt waren.» Diese Stoffe könnten in der Krebsforschung oder bereits erwiesenermassen gegen Herzkreislauf-Erkrankungen wirken. Grundlage für alle diese laufenden und zukünftigen Projekte seien jedoch die althergebrachten Äpfel. «Es ist deshalb wichtig, dass die alten Apfelsorten erhalten bleiben.» Denn es gebe in der Regel in alten Apfelsorten mehr dieser nützlichen Stoffe als in Neuzüchtungen. «Aber derzeit wird auf der ganzen Welt mit Hochdruck unter Beizug alter und neuer Apfelsorten geforscht.»
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