Dienstag, 27. Juli 2010 | Nr. 55
Sulgen. Martin Rüegger ist vor acht Jahren auf den Jeep gekommen. Heute ist er Leiter der Sektion Ostschweiz des Jeep-Club Switzerland und unternimmt mit seinem Oldtimer regelmässig Ausfahrten.
Arne Goebel

Freut sich auf die nächste Ausfahrt: Martin Rüegger vor seinem Willys CJ.
Der dunkelblaue Willys CJ 2A ist Baujahr 1947. Wäre er ein Jahr älter, hätte er denselben Jahrgang wie sein Besitzer. «Es wäre schön, ist aber nur ein kleines Detail», sagt Martin Rüegger. Die Leidenschaft für die amerikanischen Geländefahrzeuge erwachte vor etwa zehn Jahren, auf einer Ausfahrt mit seinem Freund, den Rüegger vom Militär her kennt. «Der hatte einen Jeep und ich war auf einer Trial-Fahrt Beifahrer», erinnert sich der ehemalige Sulger Finanzverwalter. Auf der Geschicklichkeitsfahrt durch die Kiesgrube mit dem Urvater aller Geländefahrzeuge wurde sein Interesse geweckt.
Jeep aus dem Kemmental
«Dann stellte ich mir die Frage, wie man zu so einem Fahrzeug kommt.» Als ihm sein Nachbar den Tipp gab, dass sich ein Jeepler im Kemmental von seinem zivilen Willys-Jeep trennen wollte, griff Rüegger zu. Nun steht er bei ihm in der Garage, dunkelblau mit roten Felgen – die Originalausführung. Auch wenn sich das Fahrzeug beim Kauf in einem guten Zustand befand, musste Rüegger doch noch einiges an Zeit und «ein paar Franken» investieren. «Der Motor wurde zum Teil erneuert, da er mehr Öl als Benzin verbrauchte», schmunzelt Rüegger.
Erst kürzlich holte er sich wieder den Segen des Strassenverkehrsamtes – mit der für Oldtimer alle sechs Jahre obiligatorischen Kontrolle. Bis auf die hinteren Bremszylinder gab es keine Beanstandungen. Rüeggers CJ 2A – das Kürzel steht für zivilen Jeep – befindet sich bis auf wenige Details im Originalzustand. Für die Verkehrssicherheit wurden jedoch die Winker mit Blinkern ergänzt und bei langen Fahrten kann man die Seiteneinstiege mit einer nachgefertigten Blache verschliessen.
Tank unter dem Fahrersitz
Dass man mit einem Jeep, der maximal ca. 90 Stundenkilometer fährt und dessen ca. 38 Liter fassender Tank regelmässig nachgefüllt werden muss, auch lange Strecken zurücklegen kann, haben Martin Rüegger und seine Frau Silvia an verschiedenen Ausfahrten des Jeep-Clubs bewiesen. Neben einer Sternfahrt des Jeep-Club Switzerland über den Gotthard fuhren sie auch bis ins Lechtal und nach Innsbruck. Dass dabei zuweilen der Komfort fehlt, gehört für Rüegger dazu und ausserdem hat die einfache Bauweise ihre Vorteile. Auf einer nächtlichen Heimfahrt fiel bei Arbon plötzlich das Licht aus. «Doch mit Hilfe des Sackmessers und einem guten Freund konnte der Fehler schnell behoben werden.»
Der Jeep-Club Switzerland ist Dachverband der drei weitgehend unabhängigen Sektionen Ostschweiz, Nordostschweiz und Zentralschweiz. Die mit Abstand grösste Sektion ist die Ostschweizer mit 52 Mitgliedern zwischen 25 und 80 Jahren. Neben Ersatzteilen und Reparaturtipps vom Fachmann finden regelmässige Ausfahrten und Aktivitäten statt. Informationen unter www.jeepclub.ch.
Der Willys MB wurde ab 1940 im Auftrag der US Army als kleines geländegängiges Fahrzeug entwickelt, das günstig und in grosser Stückzahl hergestellt werden konnte. Nach dem Krieg wurde die zivile Version populär, weil sie vielseitig in der Landwirtschaft eingesetzt werden konnte. Der Jeep aus Ohio galt als unverwüstlich, einfach konzipiert und konnte leicht repariert werden.
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