Dienstag, 27. Juli 2010 | Nr. 55
Sulgen. Zu Jahresbeginn hat die Peregrina-Stiftung von der Caritas die Begleitung anerkannter Flüchtlinge übernommen. Bis anhin wurde diese Aufgabe von Frauenfeld aus wahr-
genommen. Nun ist das Büro nach Sulgen verlegt worden.
Georg Stelzner

Das Büro für Flüchtlingsbegleitung ist jetzt in diesem Wohn- und Gewerbebau an der Kirchstrasse untergebracht.
Frauenfeld war von Anfang an nur als Provisorium gedacht», erklärt Susanne Höllwarth, in der Peregrina-Stiftung zuständig für die Gesamtleitung. Die räumlichen Verhältnisse in der Kantonshauptstadt seien nicht gut gewesen, weshalb man sich nach einer Alternative umgesehen habe. Fündig geworden sei man in Sulgen, wo an der Kirchstrasse 3 ein Raum gemietet werden könne. «Der neue Standort eignet sich für unsere Zwecke insofern sehr gut, als Sulgen im Kanton relativ zentral liegt und unser Büro vom Bahnhof aus zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar ist», sagt Susanne Höllwarth. Nachdem der Umzug am vergangenen Freitag über die Bühne gegangen ist, konnte das Büro gestern seine Arbeit in Sulgen aufnehmen.
Zwei Mitarbeiterinnen
Die Peregrina-Stiftung übernahm von der Caritas im Januar 30 Dossiers. In der Zwischenzeit ist die Zahl auf rund 80 Dossiers mit über 100 Frauen und Männern angewachsen. Auf diese Entwicklung musste die Peregrina-Stiftung reagieren. Es sei beschlossen worden, die Stellenprozente auf 130 zu erhöhen und eine zweite Mitarbeiterin einzustellen, erklärt Susanne Höllwarth. «Seit Juni wird Monika Schenk Keller, die Bereichsleiterin, bei ihrer Arbeit von Ruth Maurer unterstützt.» 80 bis 90 Prozent der in diesem Jahr vom Bundesamt für Flüchtlingswesen neu anerkannten Flüchtlinge stammen laut Susanne Höllwarth aus Eritrea, der Rest grossteils aus Sri Lanka und Tibet. Die Anerkennungsquote liege derzeit bei rund 17 Prozent. Für Männer und Frauen, die den Sprung von der asylsuchenden Person zum anerkannten Flüchtling geschafft haben, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Ein wesentlicher Punkt dabei ist, dass der Aufenthalt im Durchgangsheim endet. Das heisst, wer anerkannter Flüchtling ist, hat das Recht auf freie Wahl der Unterkunft. Weitere Herausforderungen, mit denen sich anerkannte Flüchtlinge konfrontiert sehen, stellen das Erlernen der deutschen Sprache und die Suche nach einem Arbeitsplatz dar. «Unsere Aufgabe besteht darin, diese Leute bei ihrer Integration ins hiesige Leben zu begleiten», erläutert Susanne Höllwarth. Die Palette reiche von der Vermittlung von Sprachkursen über die Arbeitsplatz- und Wohnungssuche bis hin zur Kontaktnahme mit Versicherungen und Krankenkassen. Die Unterstützung erfolge entweder im persönlichen Gespräch oder telefonisch.
Regierung und Landeskirchen
Gegründet wurde die Peregrina-Stiftung 1985 mit dem Ziel, Asylsuchenden einen sinnvollen Aufenthalt in der Schweiz zu ermöglichen und ihnen etwas für die Zukunft mitzugeben – unabhängig davon, ob sie bleiben können oder das Land wieder verlassen müssen. Aufgaben der Stiftung sind die Betreuung der Asylsuchenden in den Durchgangsheimen, die Bereitstellung von Nothilfeunterkünften und neuerdings die Flüchtlingsbegleitung. Als Trägerschaft fungieren der Thurgauer Regierungsrat und die beiden Landeskirchen.
Laut Bereichsleiterin Monika Schenk Keller haben anerkannte Flüchtlinge in den ersten fünf bis sieben Jahren Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch den Staat. Damit verbunden sei allerdings die Verpflichtung, sich zu integrieren, wozu das Erlernen der deutschen Sprache gehöre. «Ein Hauptaugenmerk legen wir daher darauf, dass entsprechende Kurse besucht werden, ist das Beherrschen der Landessprache doch die Basis für eine erfolgreiche Integration.» Im allgemeinen, so Monika Schenk Keller, seien die Leute sehr motiviert. Eine hohe Hürde stelle die Suche nach einer Wohnung dar. «Ich stelle immer wieder fest, dass Hausbesitzer Vorbehalte haben, wenn es darum geht, ihre Wohnung einem Ausländer zu vermieten, was vor allem dann der Fall ist, wenn dieser eine andere Hautfarbe hat.» Diesbezüglich negative Erfahrungen seien nicht leicht zu verkraften; die Betroffenen machten auch oft einen deprimierten Eindruck. (st)
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