Freitag, 23. Oktober 2026
Kradolf. Auf dem Rohrenberg in Kradolf gibt es nun eine Plakette der Kantonalen Offiziersgesellschaft. Mit einem QR-Code können die Geschichte der Friedenslinde und des Bombenabwurfs von Buhwil im Kriegsjahr 1941 nachvollzogen werden. Dazu kommt ein Bericht über die aktuelle Ausrüstung der Schweizer Armee.
Die Gruppe von Interessierten, die sich an diesem kalten Herbstabend auf dem Rohrenberg einfand, wurde von Christof Richard aus Altnau begrüsst. Er ist der Präsident der Offiziersgesellschaft Bodensee, welche zusammen mit der Gemeinde Kradolf-Schönenberg zu diesem Anlass eingeladen hatte. Zum 200-Jahr-Jubiläum der Offiziersgesellschaft sollen an Orten, die für die Militärgeschichte wichtig sind, Plaketten platziert werden.
Bomben forderten Todesopfer
Die Friedenslinde auf dem Rohrenberg ist bereits der dritte ausgewählte Standort. Sie steht seit 1918 dort als Erinnerung an die Schrecken des Ersten Weltkrieges und als Zeichen der Dankbarkeit, dass die Schweiz von den Kriegsgräueln weitgehend verschont geblieben war. Mit der nun daneben aufgestellten Plakette erhält der Ort auch einen Bezug zum Zweiten Weltkrieg. Sie erinnert daran, dass in Sichtdistanz dazu am 12. Oktober 1941 spätabends drei 250-Kilo-Sprengbomben und mehrere Brandbomben auf das Dorf Buhwil abgeworfen wurden. Die Sprengbomben zerstörten ein Wohnhaus, in dem drei Personen das Leben verloren, und rissen vor dem Schulhaus einen Bombentrichter auf.
Die Brandbomben fielen auf die umliegenden Äcker und setzten ein Waldstück in Brand. Ein englischer Bomber, vermutlich von der deutschen Fliegerabwehr getroffen, hatte offenbar die Orientierung verloren und hier seine Bombenlast abgeworfen. Über den QR-Code auf der Plakette erhält man eine ausführliche Beschreibung, die der Lokal-Historiker Guido Stutz verfasst hat.
«Wir haben 80 Gemeinden angefragt, über 20 Projekte sind in Planung, und bis jetzt haben wir drei Plaketten installiert. Die Vielfalt der militärhistorischen Themen ist gross. Wir treffen immer wieder auf Überraschendes. Die Offiziersgesellschaft ernennt für jeden Standort einen verantwortlichen Plaketten-Götti.»
Projektleiter Christof Richard
Irrtum oder Absicht?
Christof Richard, der Projektleiter der Offiziersgesellschaft für diese Plakettenaktion, erinnerte in seiner Ansprache daran, dass von 1940 bis 1944 ein Verdunkelungs-Gebot galt, welches den Flugzeugen der Alliierten die Navigation erschwerte. Deshalb sei dieser Bombenabwurf wohl ein Irrtum gewesen. Dennoch hielt sich in der Region hartnäckig das Gerücht, es habe sich vielleicht um eine beabsichtigte Aktion gegen die Seidenweberei in Schönenberg gehandelt, wo Fallschirme für die deutsche Wehrmacht produziert wurden. Die britische Regierung reagierte auf den Protest der schweizerischen Gesandtschaft mit einer Entschuldigung und später mit der Entschädigung der Opfer.
Mahnmal für den Frieden
Der zuständige Kradolfer Gemeinderat Ralph Altwegg bedankte sich bei der Offiziersgesellschaft für die Anfrage wegen der Plakette. Von der Friedenslinde, die auf seinem Land steht, reiche der Blick bis zur Parzelle mit dem Bötschi-Haus, das beim tragischen Bombenabwurf zerstört worden war. Der Baum sei für ihn ein Mahnmal, das der Frieden bedroht sei. Alle Menschen müssen sich in ihrem eigenen Umfeld um Frieden bemühen. Die Armee sei das Rückgrat der Schweiz und wir alle müssten unseren Beitrag zur Sicherung des Friedens leisten.
Anschliessend waren alle Anwesenden zu Tee, Militärbisquits und Militärschoggi eingeladen.
Guido Bruggmann

