Freitag, 21. November 2025

Sulgen. Für sein aktuelles Winter­theater inszeniert Florian Rexer «Die drei Musketiere». Das Stück verspricht ordentlich Action und viele Kampfszenen mit dem Degen. Damit das Gerangel hieb- und stichfest wird, unterrichtete der weltbekannte Kampfchoreograf Jean-Loup Fou­rure das Ensemble.

Am vergangenen Wochenende hat das Ensemble von Florian Rexers Wintertheater an zwei Tagen im Sulger Seniorenzentrum geprobt. Für die jungen Laienschauspielerinnen und -schauspieler war das eine intensive Erfahrung, ist die Mitwirkung am Theater doch ein Engagement, das sie neben Schule, Lehre und ihren Hobbys eingehen. Die Proben sind zeitintensiv: Am Samstag war die Theatertruppe von 10 bis 21 Uhr vor Ort. Ein langer Tag, auch wenn selbstverständlich nicht durchgehender Einsatz gefragt ist.

Das Wintertheater bietet ihnen indes die Möglichkeit, mit Profis auf der Bühne zu stehen – und mit Profis zu proben. Am vergangenen Wochenende standen Kampfszenen auf dem Programm, die, so will es der Stoff, beim Mantel- und Degenklassiker «Die drei Musketiere» natürlich zuhauf vorhanden sind. Wenn der weltbekannte Kampfchoreograf Jean-Loup Fourure mit lauter Stimme und leichtem französischem Akzent Anweisungen gab, waren alle Schauspielerinnen und Schauspieler konzentriert bei der Sache.

Die Schergen des Kardinals

«Jetzt Block! Jetzt würgen! Dann der Ausfallschritt!» Sofia Müller, welche den D’Artagnan gibt, kämpft mit Sara Fischer alias Claire unter den kritischen Blicken des Experten. Die Degen rasseln und beide Schauspielerinnen geben vollen Einsatz. An einer Stelle holt der ­Choreograf das Handy hervor und de­mons­triert seine Anweisungen mit einem Trainingsvideo. «Hier eine Finte, dann der Stoss!» Weiter geht es mit dem Duell. Sofia Müller ist danach gleich noch einmal an der Reihe, denn die Nebenrollen sind alle doppelt besetzt.

Letztendlich ist Jean-Loup Fourure zufrieden und bittet weitere Schauspielerinnen und Schauspieler nach vorne. Sie proben eine Massenszene, in der Claire von den Schergen des Kardinals überrascht wird und es zum Kampf zwischen ihnen und den Musketieren kommt.

Jean-Loup Fourures Anleitungen zielen indes nicht nur auf korrekte Degentechniken und explosive Kampfbewegungen ab. Er gibt auch dramaturgische Kommandos, feilt am richtigen Auftritt und der besten Betonung des Dialogs. «Ihr müsst den Raum langsamer betreten. Und leise: Spooky, spooky», rät er den Musketieren. Schauspieler Nevio Siragusa hat eine Frage: «Soll ich Claire die Waffe direkt an den Kopf halten?» Der Choreograf schüttelt den Kopf. Fynn Lanter ist derweil in die Rolle des Kardinals geschlüpft, weil der eigentliche Darsteller verhindert ist, und liest dessen Dialoge vom Blatt. Auf der Bühne reden die Mitglieder des Ensembles Hochdeutsch. Doch im Austausch untereinander und mit Jean-Loup Fourure wechseln sie wieder in die gewohnte Mundart.

Lob vom Fachmann

Zwischen zwei Szenen lobt der französische Theatermann sein Team. «Es ist ganz toll, wie schnell sie lernen.» Bereits im Herbst war er schon einmal zu Besuch. Am Anfang vermittelte er grundlegendes Wissen. Wie hält man den Degen? Wie macht man einen Schritt? Wie einen Stoss? Danach folgten kleinere Paraden, dann wurden die Kämpfe blockweise geübt. Jeder Kampf besteht aus mehreren Blöcken, die wiederum aus verschiedenen Aktionen bestehen. «Alle Kämpfe erzählen eine Geschichte und haben als solche einen bestimmten Inhalt», sagt der Kampfexperte. «Sie sind enorm wichtig für die Handlung und werden vor jedem Auftritt nochmals durchgegangen und nach dem Auftritt analysiert.»

Höhepunkt des fordernden Samstags waren öffentliche Szenenproben im Café Dorfplatz. Die Gäste erlebten das Gewimmel auf den Pariser Strassen, den Gruss der königlichen Garde, deren Soldaten bis auf den Tod zu kämpfen gewillt waren, und etliche Fechtszenen. Regisseur Florian Rexer informierte zum historischen Hintergrund, machte Werbung für die bevorstehenden Aufführungen und berichtete von seinen eigenen Erfahrungen mit Kampfszenen. Diese seien für jeden Schauspieler eine zusätzliche Herausforderung, stellte er fest. «Es sieht immer so leicht aus. Nicht nur unsere Jugendlichen kommen da wirklich an ihre Grenzen.»

Die 3 Musketiere: Der Mantel- und Degenklassiker von Regisseur Florian Rexer aufpoliert

Die Welt ist in Aufruhr. Der Krieg wütet und D’Artagnan begibt sich wagemutig in die Hände der Armee. Dort warten jedoch nicht nur Freunde und Abenteuer, auch Intrigen und Verwerfungen aller Art stehen an der Tagesordnung. Welche Rollen spielen König Ludwig und Kardinal Richelieu?

Wilde Zeiten waren es jedoch nicht nur um 1625. In Aufruhr ist auch das Theaterensemble. Die 3 Musketiere sind nicht mit allem einverstanden, was von ihnen verlangt wird. Welche Rolle spielt die junge Regisseurin Lisa Winter? Was geschieht mit den Musketieren und wird D’Artagnan dem exklusiven Club beitreten? Nach «Oli Twist», «Peter Pan» und «Der Glöckner von Notre Dame» kommt Florian Rexers Ensemble diesen Winter mit «3 Musketiere» zurück und tourt durch den ganzen Thurgau.

Die Musketiere on Tour: Premiere ist im Kulturforum Amriswil am Donnerstag, 11. Dezember, um 20 Uhr. Danach gibt es drei weitere Vorstellungen in Amriswil. Im nächsten Jahr zieht das Ensemble weiter ins Eisenwerk Frauenfeld, im Februar in den Traubensaal Weinfelden und im März in den Dreitannensaal Sirnach. (pd)

www.3musketiere-wintertheater.com

Stefan Böker