Freitag, 11. September
Erlen. Es hat lange gedauert, das Resultat kann sich aber sehen lassen. Mit dem neu errichteten Kreativhuus und dem Erlehuus, entstanden durch die Sanierung und den Umbau der alten Turnhalle, verfügt die Schule Erlen jetzt über einen Campus, der höchsten Ansprüchen genügt.
Man wähnt sich fast auf einem Universitätsgelände, so weiträumig, vielgestaltig und multifunktional präsentiert sich das Erler Schulareal heute. Mit einem Kostenaufwand von 14 Millionen Franken ist in zwei Jahren ein neues Gebäude, das Kreativhuus, entstanden, und ein schon existierendes, die frühere Turnhalle, saniert und umgebaut worden. Zusammen mit den bestehenden Bauten, dem Unterstufen-, Mittelstufen- und Sekundarschulhaus sowie dem Bachsteihuus, dem Mehrzwecksaal, der Sporthalle und der Aachtalhalle bilden sie einen Campus, der im Ruf steht, einer der schönsten in der Schweiz zu sein.
Die Fertigstellung des Campus stellt einen Meilenstein in der Geschichte Erlens dar und wurde am vergangenen Samstag entsprechend gross gefeiert. Zunächst im Erlehuus, wo Behördenmitglieder, Vertreter der an den Bauarbeiten beteiligten Firmen sowie Gäste aus der Region zu einem Apéro geladen waren; dann mit dem von der Brass Band Erlen und Märwil musikalisch umrahmten einstündigen Festakt im Mehrzwecksaal und am Schluss mit einem von der Volksschulgemeinde offerierten Imbiss für die Bevölkerung.

Das neu errichtete Kreativhuus auf dem Campus. (Bilder: Georg Stelzner)
Freude über «Kreativhuus» und «Erlehuus»
Schulpräsident Pablo Hirsbrunner eröffnete die Feierstunde mit dem legendären Ausspruch «Freude herrscht!» des ehemaligen Bundesrats Adolf Ogi. Diese Freude kam auch in der Rede von Heinz Leuenberger zum Ausdruck. Der Präsident der Baukommission und langjährige Erler Schulpräsident erinnerte an die lange Zeit der Planung und Realisierung. Seinen Anfang nahm das Projekt mit einem Workshop im Jahr 2013. Es folgten der Architekturwettbewerb 2021, die Abstimmungen über den Projektierungskredit 2022 und über den Baukredit 2023. Umgesetzt werden konnten die Pläne in den vergangenen zwei Jahren.
Der Weg sei lang, aber jeder Schritt notwendig gewesen, sagte Leuenberger, um auf einen besonders wichtigen Aspekt hinzuweisen: «Wir haben nicht nur Bauwerke geschaffen, sondern eine Lernlandschaft, die das Lernen selbst neu denken lässt.» Der Umbau der alten Turnhalle zum Erlehuus und der Neubau namens Kreativhuus markierten in architektonischer, didaktischer und organisatorischer Hinsicht einen Meilenstein. Das Erlehuus behalte den Charakter eines Orts mit historischer Substanz, modernisiere sich aber durch eine zeitgemässe Infrastruktur. Das Kreativhuus liefere Impulse, welche die Kreativität, die technische Kompetenz und die Teamarbeit förderten. Für den Präsidenten der Baukommission ist der Erlen-Campus jedoch mehr als eine Sammlung einzelner Räume und Gebäude. Leuenberger sprach in seiner Rede von einer Gesamtkomposition, die unterschiedliche Architekturepochen sichtbar werden lasse und zugleich eine zeitgenössische Lern- und Lebenswelt biete.

Der Präsident der Baukommission und alt Schulpräsident Heinz Leuenberger.
Ort für Weiterentwicklung
Leuenberger beendete seine Rede mit der Feststellung, dass «wir heute an der Schwelle zu einem neuen Kapitel der schulischen Bildung in unserer Geschichte stehen». Der Erlen-Campus, ein Ort, an dem Lernende nicht nur Fakten lernen, sondern Gestaltungskompetenz entwickeln, Verantwortung übernehmen und sich als Teil einer Gemeinschaft verstehen, solle Ansporn, Inspiration und Sicherheit zugleich bieten.
Die Grundlagen seien geschaffen, die notwendige Infrastruktur stehe bereit und die pädagogische Perspektive sei verankert. Der frühere Schulpräsident rief dazu auf, die sich bietenden Chancen zu nutzen, umzusetzen und weiterzuentwickeln.
Das Wort ergriff auch Thomas Bosshard. Der Erler Gemeindepräsident ging in seiner Rede auf die unterschiedlichen Funktionen der beiden neu in Betrieb genommenen Gebäude ein. Während das Kreativhuus eine Lernlandschaft sei, ein Ort, an dem Schülerinnen und Schüler ausprobieren, gestalten, entdecken und gemeinsam lernen könnten, sei das Erlehuus «unsere neue Trefflandschaft», in der es vor allem um Begegnung, Gemeinschaft und Zusammensein gehe.

Der Erler Gemeindepräsident Thomas Bosshard.
Das Erlehuus ist die Heimstätte der familienergänzenden Tagesstrukturen Colori, einer Kindertagesstätte und des Jugendtreffs. Die Politische Gemeinde Erlen hatte ein Interesse am Fortbestand der 90 Jahre alten Turnhalle und beteiligte sich an der Sanierung und am Umbau mit einem Betrag von 1,8 Millionen Franken. «Wir investieren als Gemeinde nicht nur in Strassen und Werkleitungen, sondern auch in die soziale Infrastruktur», betonte Bosshard. Eine attraktive Wohngemeinde brauche nicht nur gute Schulzimmer, sie benötige auch gute Rahmenbedingungen rund um die Schule. Das Erlehuus wird nach den Worten Bosshards in den Abendstunden und an Wochenenden auch Vereinen und weiteren Nutzern aus der Gemeinde zur Verfügung stehen.

Anlässlich der Einweihung offerierte die Volksschulgemeinde einen Imbiss.
Vorbildhaftes Miteinander
Pablo Hirsbrunner, der seit einem Jahr amtierende Schulpräsident, lobte am Schluss des Festakts die beispielhafte Kooperation zwischen der politischen Gemeinde und der Schulgemeinde. Man arbeite in Erlen nicht gegeneinander, sondern miteinander, erklärte Hirsbrunner und lud alle Anwesenden zur Besichtigung der alten und neuen Schulräume ein. Mit dem Thurgauerlied klang der Festakt würdevoll aus. Für den Rundgang über den Campus konnten sich die vielen Besucherinnen und Besucher auf dem zur Festwirtschaft umfunktionierten Pausenplatz kostenlos stärken.
Georg Stelzner
