Freitag, 30. Januar 2026

Istighofen. In der neu eröffneten Kita Fuchsbau in Istighofen steht das Kind im Mittelpunkt. Leiterin Ramona Fust legt Wert auf Naturverbundenheit, familiäre Nähe und individuelle Betreuung – und schafft so einen Ort, an dem kleine Entdecker Grosses erleben.

Wer im Wertbühl oberhalb von Istighofen spazieren geht, hört seit letztem Sommer oft fröhliches Kinderlachen. Es stammt aus der Kita Fuchsbau, die Mitte Juli ihre Türen geöffnet hat. Bereits wenige Monate nach der Eröffnung ist die Einrichtung fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft geworden. «Kinder und Mitarbeitende fühlen sich bei uns wohl. Wir wurden im Dorf herzlich aufgenommen – und es ist schön zu sehen, wie schnell sich die Kinder hier neue Freundschaften aufbauen», sagt Ramona Fust, die 32-jährige Leiterin und Gründerin der Kita. Fust ist ausgebildete Fachfrau Betreuung und Fachfrau Gesundheit, Berufsbildnerin und hat zusätzlich Gebärdensprache erlernt. Aufgewachsen und wohnhaft in Rothenhausen, bringt sie viel Erfahrung und Herzblut mit. Mit der Gründung ihrer eigenen Kita hat sie sich einen lang gehegten Traum erfüllt: «Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Kinder frei spielen, forschen und sich in ihrem eigenen Tempo entfalten können – in einer Umgebung, die Geborgenheit und Natur vereint.»

Kleine Gruppen, grosse Nähe

In der Kita Fuchsbau steht Qualität über Quantität. Maximal acht Kinder bilden eine Gruppe – so bleibt Zeit für jedes einzelne Kind. «Wir möchten, dass sich jedes Kind rundum wohlfühlt», erklärt Fust. «Darum passen wir unsere Betreuung flexibel an die individuellen Bedürfnisse an. Wenn ein Kind besondere Unterstützung braucht, sind wir da – mit Herz, Geduld und fachlicher Kompetenz.» Diese persönliche Begleitung spürt man schon beim Eintreten: Helle Räume, warme Farben, ein offener Blick auf grüne Wiesen. Eltern bringen hier Kinder ab dem dritten Lebensmonat – die Eingewöhnung erfolgt behutsam und individuell. «Wir nehmen uns die Zeit, die es braucht», betont Fust, «auch für die Eltern.» Das Team, bestehend aus pädagogisch ausgebildeten Fachpersonen, verfügt über Weiterbildungen in Bereichen wie frühe Sprachförderung, Aggressionsmanagement und Waldpädagogik. «So können wir die Kinder ganzheitlich begleiten und optimal fördern.»

Lernen mit allen Sinnen

Ein besonderes Herzstück der Kita Fuchsbau sind die Waldtage. Einmal pro Woche ziehen die Kinder, ausgestattet mit wetterfester Kleidung und viel Neugier, in den nahe gelegenen Wald. Dort wird geforscht, geklettert, gesammelt und gekocht. «Wir entzünden gemeinsam ein Feuer, kochen unser Mittagessen draussen und verbringen den ganzen Tag in der Natur», erzählt Fust begeistert. Der strukturierte Tagesablauf sorgt für Orientierung: vom Morgenkreis über das Entdecken der Umgebung bis zur Rückkehr am Nachmittag. Der pädagogische Mehrwert liegt für Fust auf der Hand: «Im Wald lernen die Kinder, sich vieles selbst zuzutrauen, im Team zu handeln und aufeinander zu achten. Gleichzeitig werden Motorik, Wahrnehmung und Konzentration gestärkt und das ganz ohne Druck.» Auch Besuche bei Bauernhöfen gehören zum Alltag. Die Kinder dürfen Schweine, Kühe, Schafe, Hühner und Ponys beobachten oder beim lokalen Gemüsebauern selbst einkaufen. So lernen sie, woher ihr Essen kommt. «Uns ist wichtig, dass die Kinder den Wert von Lebensmitteln verstehen und erleben, wie viel Arbeit und Natur in einem Apfel oder einer Karotte steckt», so Fust.

Sprache als Schlüssel

Neben der Naturpädagogik spielt die Sprachförderung eine zentrale Rolle. In der Kita Fuchsbau geschieht sie im Alltag, beim Spielen, Erzählen, Singen oder Zuhören. «Wir begleiten die Kinder sprachlich durch den Tag, benennen Dinge, stellen Fragen und hören aktiv zu. Sprache ist der Schlüssel zur Welt – und den möchten wir früh öffnen», erklärt Fust. Auch das Thema Nachhaltigkeit ist fest im Konzept verankert. Die Kinder erleben den Jahreskreislauf bewusst: Sie beobachten Pflanzen und Tiere, basteln mit Recyclingmaterial und pflegen im Sommer eigene Hochbeete. «Ein Teil unseres Essens entsteht direkt vor der Kita – vom Korn bis zum Brot», erzählt Fust stolz. Die Zusammenarbeit mit den Eltern liegt ihr besonders am Herzen: «Wir wollen partnerschaftlich arbeiten – offen, ehrlich und auf Augenhöhe. Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen ihrer Kinder, und wir sehen uns als Ergänzung, nicht als Ersatz.»

Mehr als Betreuungsstätte

Die Kita Fuchsbau versteht sich nicht nur als Betreuungsstätte, sondern als Lebensraum. Offen von Montag bis Freitag, 6.30 bis 18.30 Uhr, bietet sie flexible Modelle – vom halben bis zum ganzen Tag, inklusive Ferienbetreuung. Die Preise liegen – je nach Alter – zwischen 80 und 117 Franken pro Tag, Mahlzeiten und Hygieneartikel inbegriffen. Noch sind Plätze frei, doch das Interesse wächst stetig. Für 2026 plant die Kita mit der Randzeitenbetreuung für Schulkinder aus der Umgebung ein zusätzliches Angebot für berufstätige Eltern. Wenn Ramona Fust auf die ersten Monate zurückblickt, leuchten ihre Augen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr der Eröffnungstag: «Als die ersten Kinder kamen, war das ein unvergesslicher Moment. Ihr Strahlen hat gezeigt, dass sich all die Arbeit gelohnt hat.» Die Kita Fuchsbau ist nicht nur ein neuer Betreuungsort, sondern auch ein Ort, an dem kleine Füsse Wurzeln schlagen dürfen. «Die Natur liegt hier buchstäblich vor der Haustür und genau dort beginnt das grösste Abenteuer: das Leben selbst.»

Benjamin Schmid