Freitag, 12. Juni 2026

Buhwil. In der Region Kradolf-Schönenberg-Sulgen nimmt ein zukunftsweisendes Energieprojekt Gestalt an: Mit dem HolzKraftWerk soll regional anfallendes Restholz genutzt werden, um daraus CO2-neutral Fernwärme, Strom und Holzpellets zu produzieren. Das innovative Projekt leistet einen wichtigen Beitrag an die regionale Versorgungssicherheit.

Das HolzKraftWerk basiert auf einer einfachen und zugleich auch überzeugenden Grundidee: Energie dort produzieren, wo der Rohstoff anfällt, und dort nutzen, wo sie gebraucht wird. Beim Holzverarbeiter ThurHOLZ GmbH in Buhwil fallen jährlich mehr als 5600 Tonnen an Holz- und Rindenschnitzel sowie Sägemehl an. Dieses Restholz ist kein Abfall, sondern ein wertvoller Energieträger. Das Projekt verfolgt das Ziel, die darin enthaltene Energie vollständig vor Ort zu nutzen – für Wärme, Strom und Pellets – und so einen geschlossenen regionalen Wertschöpfungskreislauf zu schaffen.

Hocheffizientes System

Im Zentrum des Projekts steht eine sogenannte Wärme‑Kraft‑Kopplung. Wärme ist dabei das Hauptprodukt und bildet die Basis für betriebliche Prozesse sowie für den Ausbau und die Ergänzung von Fernwärmenetzen in Kradolf-Schönenberg und Sulgen. Der gleichzeitig erzeugte Strom liefert CO2-neutrale, erneuerbare Band‑ und Winterenergie, während überschüssige Energie sinnvoll in Form von Holzpellets gespeichert wird. Alles zusammen bildet ein hocheffizientes Energiesystem mit sehr hohem Gesamtwirkungsgrad.

Einheimisches Holz

Initiantin des Projekts ist die ThurHOLZ GmbH, ein seit Jahrzehnten in Buhwil (Gemeinde Kradolf-Schönenberg) verankertes Holzverarbeitungsunternehmen. Mit dem HolzKraftWerk will ThurHOLZ die bestehende Wertschöpfungskette rund um den Werkstoff Holz konsequent weiterentwickeln und die im Holz enthaltene Energie ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und langfristig in der Region nutzbar machen. «Das HolzKraftWerk ist für uns weit mehr als eine technische Anlage», sagt Toni Horat, Inhaber der ThurHOLZ GmbH. «Es ist eine Investition in die Energiezukunft unserer Region. Wir nutzen vorhandene Ressourcen intelligenter, stärken die regionale Unabhängigkeit und schaffen eine Lösung mit Bestand, auch für kommende Generationen.»

Parzelle im Baurecht

Dem Projekt liegt eine umfassende Machbarkeitsstudie eines spezialisierten Ingenieurbüros zugrunde. Die Studie bestätigt die technische, wirtschaftliche und betriebliche Umsetzbarkeit des HolzKraftWerks. Die Studie zeigt auf, dass die geplante Anlage mit erprobten Technologien realisiert werden kann.

Für die Realisierung des HolzKraftWerks sind zentrale Rahmenbedingungen bereits geklärt oder in Bearbeitung. So hat die Bürgergemeinde Kradolf-Schönenberg als Landbesitzerin beschlossen, die benötigte Parzelle am Standort Buhwil im Baurecht zur Verfügung zu stellen. Damit ist der Projektstandort langfristig gesichert. Parallel dazu läuft das raumplanerische Umzonungsverfahren, da sich das Grundstück heute in einer Landschaftsschutzzone befindet. Diese Umzonung ist Voraussetzung für die Realisierung der Energieanlage und Teil der planerischen Schritte für ein Infrastrukturprojekt dieser Grössenordnung.

Auch die Finanzierung des Projekts wird gezielt vorbereitet. Das HolzKraftWerk ist als langfristiges Infrastrukturprojekt mit entsprechendem Investitionsvolumen konzipiert. Vorgesehen ist eine breit abgestützte Finanzierung, an der verschiedene Anspruchsgruppen beteiligt werden sollen. Dazu zählen nebst der ThurHOLZ GmbH private Investoren, potenzielle Energieabnehmer sowie – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – auch die öffentliche Hand, beispielsweise mit einer Beteiligung in Form verzinslicher Darlehen. Ziel ist eine tragfähige Struktur, die wirtschaftliche Stabilität und langfristige Planungssicherheit gewährleistet.

Gespräche laufen

Parallel zu den planerischen Arbeiten laufen die Verhandlungen mit potenziellen Wärmebezügern auf Hochtouren. Betriebe, Institutionen und weitere mögliche Abnehmer zeigen ein wachsendes Interesse an einer langfristigen, erneuerbaren Wärmeversorgung aus der Region, denn die Alternative zu Öl und Gas bedeutet Versorgungssicherheit zu einem stabilen Preis. Gleichzeitig finden vertiefte Abklärungen mit den Gemeinden statt, wie bestehende Fernwärmeinfrastrukturen weiterentwickelt oder neue Netze erschlossen werden können. Insbesondere in Gebieten mit hohem Verdichtungspotenzial (z.B. zwischen Quartier Befang und Bahnhof Sulgen) wird geprüft, ob und wie sich der Anschluss an ein Fernwärmenetz technisch und wirtschaftlich sinnvoll umsetzen lässt.

Kommunale Energieplanung

Auch auf kommunaler Ebene wird das Projekt aufmerksam begleitet. Heinz Keller, Gemeindepräsident von Kradolf‑Schönenberg, sagt: «Wir unterstützen dieses innovative Projekt und hoffen, dass es zur Umsetzung gelangt. Das Projekt knüpft direkt an die kommunale Energieplanung und an gesetzliche Vorgaben zur Förderung erneuerbarer Wärme an.» Andreas Opprecht, Gemeindepräsident von Sulgen, ergänzt: «Wir begrüssen die Initiative der ThurHOLZ GmbH und werden prüfen, ob und wie sich in den angrenzenden Quartieren ein Fernwärmenetz umsetzen liesse – im Bewusstsein, dass es dafür politische Mehrheiten braucht.»

Regierungsrat Walter Schönholzer, Vorsteher des Departements für Inneres und Volkswirtschaft, betont die überregionale Bedeutung: «Das HolzKraftWerk zeigt exemplarisch, wie regionale Ressourcen intelligent genutzt werden können, um die Energieversorgung nachhaltiger und unabhängiger zu gestalten. Solche Projekte leisten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der kantonalen Energieziele und haben Vorbildcharakter über die Region hinaus.»

Ressourcen nutzen

Monika Berger, Präsidentin der Bürgergemeinde Kradolf‑Schönenberg, sagt: «Als Bürgergemeinde stellen wir nicht nur den Standort im Baurecht zur Verfügung, sondern bringen auch Restholz aus unseren eigenen Waldbeständen ein. Das HolzKraftWerk ermöglicht es, diese regionalen Ressourcen sinnvoll zu nutzen und die Wertschöpfung in der Region zu halten.» (pd)