Freitag, 9. Januar 2026
Erlen. Beim traditionellen Bächtelisapéro der Gemeinde Erlen traf sich die Bevölkerung am 2. Januar in der Aachtalhalle, um gemeinsam ins neue Jahr zu starten. Gemeindepräsident Thomas Bosshard blickte zurück auf ein bewegtes 2025 und zeigte auf, welche Projekte und Herausforderungen 2026 prägen werden.
Der Morgen war neblig, die Wolken hingen tief über Erlen. Doch in der Aachtalhalle herrschte bereits reger Betrieb. Gläser klirrten, Hände wurden geschüttelt, man wünschte sich ein gutes neues Jahr. Wein, Bier, Most und Wasser standen bereit, dazu belegte Brote, Gebäck und Würste. Die Stimmung war ausgelassen, als Erlen seinen traditionellen Bächtelisapéro feierte. Der Anlass erfreute sich grosser Beliebtheit. Immer mehr Besucherinnen und Besucher strömten in die Halle, suchten das Gespräch, stiessen miteinander an. Kurzerhand mussten zusätzliche Sitzgelegenheiten organisiert werden. Gemeindepräsident Thomas Bosshard begrüsste die Anwesenden im Namen des Gemeinderates herzlich. «Schön, dass Sie so zahlreich erschienen sind, um gemeinsam auf das neue Jahr anzustossen», sagte er und wünschte allen ein gutes neues Jahr 2026, Gesundheit, Glück, Erfolg und Zufriedenheit.
Innehalten und zurückblicken
Ein weiteres Jahr sei zu Ende gegangen, ein neues liege vor der Gemeinde. Es sei ein Moment des Innehaltens – für einen Rückblick und einen Ausblick. Wie gewohnt begann Bosshard mit einer Einordnung der weltweiten Ereignisse. «Ich will nicht ins Detail gehen, vieles wäre eine Wiederholung zum letzten Jahr», hielt er fest. Geopolitische Konflikte, neue Machtblöcke, die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz, Klima- und Energiethemen, wirtschaftliche Unsicherheiten, Wahlen und gesellschaftliche Polarisierung hätten auch 2025 geprägt. Herausforderungen, die weit über die Gemeindegrenzen hinausgehen und dennoch spürbar sind.
Und wie lief es in Erlen selbst? «Nach 2024 ist wieder Ruhe im Team der Verwaltung eingekehrt», sagt Bosshard. Herausfordernd geblieben seien insbesondere die Stromthemen. Trotzdem – oder gerade deswegen – blickte der Gemeindepräsident auf ein intensives Jahr zurück. Mehrere grosse Baustellen prägten den Alltag der Bevölkerung, etwa die Sanierungen an der Nussbaumacker- und der Götighoferstrasse. Neue Dienstleistungen im Rahmen der Stromgesetzgebung für Eigenverbrauchslösungen wurden vorbereitet, der Gewässerraumlinienplan bis auf drei offene Punkte in Kraft gesetzt.
Auch planerisch tat sich einiges: Der Gestaltungsplan «Südhalde, Ennetaach» wurde genehmigt, die Detailplanung für das neue Gemeindehaus läuft. Ein Provisorium wurde in der «LISTA» gefunden, das Planerwahlverfahren durchgeführt. Besonders erfreulich sei die Entwicklung des Ärztezentrums AachThurLand AG, das Anfang 2025 eröffnet wurde. «Es läuft wie geplant, sogar besser als erwartet», so Bosshard. Weitere Meilensteine waren die abgeschlossene Machbarkeitsanalyse für «Wohnen im Alter», das erfolgreiche 30-Jahr-Jubiläum der Gemeinde sowie der laufende Um- und Neubau der Schule. Die Einweihungsfeier ist für den 5. September geplant.
Neben all diesen Projekten dürften die täglichen Aufgaben nicht vergessen werden. Bosshard richtete deshalb einen Dank an die Bevölkerung: «Wir danken Ihnen für das Vertrauen, die positive Grundhaltung und die Offenheit für Neues.»
2026 und darüber hinaus
Auch das neue Jahr wird Erlen fordern. Neben der laufenden Pflege und Verbesserung der Infrastruktur stehen zahlreiche Themen an. Aufgrund des Klima- und Innovationsgesetzes ist die Gemeinde verpflichtet, bei den Klimazielen mitzuwirken. Ein Gesamtversorgungskonzept soll erarbeitet werden. «Dazu werden wir Interessierte aus der Bevölkerung brauchen, um dies zusammen in Gang zu bringen», betonte Bosshard.
Im Bereich Elektrizität liegt der Fokus auf der Umsetzung neuer Eigenverbrauchslösungen. Zudem wird das Thema «Grossspeicher» weiterverfolgt – abhängig vom Jahresabschluss des Elektrizitätswerks. In der Wasserversorgung steht das Reservoir Buchenberg im Fokus. Die Variantenstudie liegt vor, die drei Gemeinderäte wollen sie im Januar beurteilen. Ein Voranschlag ist fürs Budget 2027 vorgesehen.
Sorgen bereitet weiterhin die Entwicklung im Industriegebiet Ennetaach, dessen Erschliessung nach wie vor blockiert ist. Auch die Bautätigkeit in der Gemeinde gibt Anlass zur Kritik. «Ich rede von den überreizten Renditeobjekten von auswärtigen oder fragwürdigen Firmen im Namen der inneren Verdichtung», sagte Bosshard offen. Der Aufwand für diese Verfahren sei hoch, der Prozess mühsam. «Heute bitte ich darum, dem Rechnung zu tragen.»
Erfreulich sei hingegen der Fortschritt beim Projekt Gemeindehaus, das im Mai 2026 – mit vorgängiger Informationsveranstaltung – der Gemeindeversammlung vorgeschlagen werden soll. Auch das Projekt «Wohnen im Alter» komme gut voran. Wichtig sei dabei: Die Gemeinde unterstütze das Altersheim, trete aber nicht als Investor auf. Ein weiteres Thema: Das kantonale Projekt «Digitales Baugesuch» verzögert sich, soll aber 2026 umgesetzt werden. Und politisch steht ebenfalls ein wichtiges Datum an: Ende 2026 finden die Neuwahlen der Gemeindebehörde statt. «Per heute offiziell: Der komplette Gemeinderat wird sich dieser Neuwahl stellen», erklärte Bosshard und bedankte sich bei seinen Kolleginnen und Kollegen.
Zusammenhalt als Fundament
Die weltpolitische Lage mache vielen Sorgen, sagte Bosshard abschliessend. Diese könne man als Einzelne nicht beeinflussen. «Jedoch unser Zusammenleben in der Gemeinde können wir beeinflussen.» Es brauche Toleranz und Respekt. Man müsse vermehrt den eigenen Massstab hinterfragen. «Ich bin überzeugt, dass uns dies im Rahmen des Gemeindezusammenhalts gelingen wird und wir uns aufeinander, wie bis anhin, verlassen können.» Sein Wunsch zum neuen Jahr: mehr Zufriedenheit und Dankbarkeit. «Den meisten Menschen in der Schweiz geht es gut.» Sicherheit, Stabilität, gute Versorgung und Wohlstand gelte es zu bewahren und zu geniessen. «Möge das neue Jahr möglichst viel Erfreuliches bringen», schloss Bosshard und hob sein Glas: «Herzlichen Dank und Prost.»
Benjamin Schmid
