Freitag, 22 Mai 2026
Sulgen. Dem geplanten Aussichtsturm im Gebiet Pfaffenholz bei Bleiken erwächst Opposition. Dies wurde an einer Informationsveranstaltung deutlich. Die Verlängerung der SBB-Personenunterführung am Bahnhof ist ein weiteres Thema, das die Gemeinde in nächster Zeit beschäftigen wird.
Am Info-Anlass von vergangener Woche wurden der Sulger Bevölkerung im Auholzsaal zwei Projekte vorgestellt, deren Realisierung für die Gemeinde weitreichende Folgen hätte: die Errichtung eines Aussichtsturms bei Bleiken und die Verlängerung der SBB-Personenunterführung am Bahnhof. In beiden Fällen hätte Sulgen einen finanziellen Beitrag in beträchtlicher Höhe zu leisten.
Gemeinderätin Maja Brühlmann Zwahlen stellte das Projekt für den Sulger Turm vor. Es ist mit Baukosten von rund einer Million Franken zu rechnen, wobei 600 000 Franken aus dem Topf der «TKB-Millionen» zur Verfügung stünden, während 400 000 Franken von der Gemeinde und von Sponsoren beigesteuert werden müssten. Der Turm im Gebiet Pfaffenholz soll nach den Worten der Gemeinderätin «Ausstrahlung über die Gemeindegrenzen hinaus» haben, die Öffentlichkeit auf Sulgen aufmerksam machen und dereinst Bestandteil des Thurgauer Turmweges sein.
Rundumschlag gegen Turm
Mit dieser Argumentation konnte ein Versammlungsteilnehmer gar nichts anfangen: Sepp Meyer aus Bleiken holte zum Rundumschlag gegen das Projekt aus und führte eine ganze Reihe von Gründen auf, die seiner Meinung nach gegen den 33 Meter hohen Aussichtsturm sprechen würden. Er nannte das Problem parkierender Fahrzeuge im Wohnquartier, beklagte den zu erwartenden Wertverlust der Liegenschaften im Umkreis des Turms und kritisierte die vorgesehene ökologische Toilette als wenig sinnvolle Lösung. Viele praktische Fragen seien nicht geklärt, sagte Meyer und warnte nicht zuletzt vor den wiederkehrenden Kosten. Er kenne vier Orte auf dem «Sulger Weg», wo man eine schönere und bessere Aussicht geniessen könne als auf dem geplanten Turm.
Einige, aber nicht alle Anwesenden, pflichteten Meyer bei. Auch in Bleiken selbst seien die Meinungen geteilt, stellte ein Bürger, der sich vom Turm eine Attraktivitätssteigerung Sulgens verspricht, fest. Im Bestreben, die Gemüter der skeptischen Votanten zu beruhigen, versicherte der Gemeindepräsident, dass nicht beabsichtigt sei, den Turm gegen den Willen einer Mehrheit der Sulger Bevölkerung zu errichten.
Gemeindepräsident Andreas Opprecht erläuterte die Ausgangslage für das Projekt Personenunterführung: «Südlich des Bahnhofs werden in den nächsten 20 Jahren 150 bis 250 neue Wohneinheiten entstehen.» Mit einem direkten Bahnhofausgang in Richtung Süden könnten das gesamte Unterdorf, Bleiken, der künftige Berufsbildungscampus und insbesondere auch die neuen Wohneinheiten für Fussgänger und Velofahrer besser an den Bahnhof angebunden werden. «Die SBB ist bereit, die bestehende Personenunterführung zu verlängern», wies Opprecht auf einen entscheidenden Punkt hin.
Der Gemeindepräsident stellte drei Varianten vor, wie die Personenunterführung verlängert werden könnte. Alle sind behindertengerecht. Variante 1 sähe einen Neubau mit Rampe vor und wäre mit Kosten von grob geschätzt 9,1 Millionen Franken sehr teuer; zudem müssten Bauten aus dem Jahr 2023 wieder abgebrochen werden.
Drei Varianten
Bei Variante 2 würde ein Neubau mit Lift erstellt, was ebenfalls einen Abbruch der Bauten von 2023 zur Folge hätte und Kosten in Höhe von 6,9 Millionen Franken verursachen würde. Die dritte infrage kommende Variante wäre mit 4,7 Millionen Franken die günstigste, sie könnte nach Einschätzung des Gemeindepräsidenten aber als «minimalistisch» empfunden werden. Bei Variante 3 bliebe die heutige Rampe bestehen, es wäre aber ebenfalls ein Lift nötig.
Offene Fragen betreffen laut Opprecht die Finanzierung. An den Kosten – vorerst liegen nur Grobschätzungen vor – müsste sich nicht nur die SBB beteiligen. Zur Kasse gebeten würden auch die Politische Gemeinde Sulgen, die involvierten Grundeigentümer und allenfalls auch der Kanton. «Im Gemeinderat sind wir erschrocken, als wir die Zahlen gesehen haben», räumte der Gemeindepräsident ein. Im Moment gehe es der Gemeinde finanziell gut, was sich aber ab 2028 ändern könnte. Der Gemeinderat erachte es deshalb als sinnvoll, für das Projekt am Bahnhof eine Reserve in Form von Vorfinanzierungen anzulegen.
Zukunftsweisendes Projekt
Opprecht erklärte, dass der Gemeinderat an der Gemeindeversammlung vom 26. Mai beantragen werde, insgesamt 1,2 Millionen Franken für die geplante Verlängerung der Personenunterführung bereitzustellen: 500 000 Franken vom Ertragsüberschuss in der Rechnung 2025 (total: 612 512 Franken) und 700 000 Franken von der Auflösung der Neubewertungsreserve (total: 1,364 Millionen Franken). Das Projekt am Bahnhof sei ein Werk, das auf viele Jahrzehnte hin Bestand haben werde, betonte der Gemeindepräsident angesichts der hohen Kosten.
Georg Stelzner
