Freitag, 23. Januar 2026
Region. Nach vier Jahren intensiver Planung, Programmierung und Tests ist das Portal eBau in Amlikon-Bissegg online gegangen. Im Einzugsgebiet des Neuen Anzeigers wollen fast alle Politischen Gemeinden mitziehen – doch nicht überall trifft das digitale Baugesuchssystem auf Zustimmung.
Kürzlich gab der Kanton bekannt, dass eBau online geht. Die Erfahrungen in der Pilotgemeinde Amlikon-Bissegg, wo das erste rein digitale Baugesuch eingereicht wurde und eBau nun läuft, seien bislang durchwegs positiv. Die Rede ist von ei-ner Erfolgsgeschichte, von völlig neuen Möglichkeiten. «Die Abläufe werden einfacher, schneller und transparenter und die Begeisterung bei allen Beteiligten ist gross», heisst es in der kantonalen Medienmitteilung. Noch dieses Jahr folgen mit Frauenfeld und Amriswil die nächsten Pilotgemeinden.
Im Einzugsgebiet des Neuen Anzeigers ist die Vorfreude gross. Bürglen hat sich ebenfalls bereit erklärt, eBau im vierten Quartal dieses Jahres einzuführen. Der Bürgler Bauverwalter Walter Minder hatte bereits beim Testlauf und in einer Schulung Kontakt mit dem digitalen Baugesuchssystem. Es seien noch ein paar Fragen zu klären, ansonsten stehe er dem Projekt ebenfalls positiv gegenüber. «Ich war überrascht, was schon möglich ist», bekräftigt Minder.
Auch in Erlen soll das neue System bis Ende des Jahres kommen; in Kradolf-Schönenberg bis spätestens Anfang 2027. Im Sulger Gemeindehaus ist man ebenfalls mit von der Partie, nur das «wann» steht noch nicht fest. Sobald vergleichbare Pilotgemeinden den Schritt getan haben, werde der Gemeinderat den Zeitpunkt bestimmen, teilt Gemeindepräsident Andreas Opprecht auf Anfrage mit. Am schnellsten könnte es in Birwinken gehen. Gemeindepräsident Peter Stern hofft auf eine Aufschaltung im Verlauf des Sommers.
Grosser Zuspruch
Mit diesem Zuspruch hat man beim Kanton gerechnet. «Wir gehen davon aus, dass die Gemeinden aus eigenem Interesse und auf Wunsch der Bauherrschaften rasch das neue Angebot nutzen werden», teilt Martin Barrucci, Chef des Amts für Geoinformation, auf Anfrage mit. Eine Frist müssen die Gemeinden für die Einführung nicht einhalten. Grossen Aufwand oder Kosten verursacht das neue System nicht. Es ist laut Barrucci beispielsweise nicht nötig, eine extra IT-Stelle auf der Gemeinde zu schaffen. Eine Gemeinde in der Grösse von Bürglen muss einmalig einen Betrag von unter 10 000 Franken investieren. Dazu kommen eventuell noch einmalige Kosten von Seiten der Systemlieferanten der Gemeinden für die Integration in die Bausoftware der Gemeindeverwaltung. «Wie hoch diese Kosten sind, kann ich nicht sagen», erklärt Barrucci.
Die Medienmitteilung des Kantons betont, dass die Portale eBau und ePlan in enger Zusammenarbeit mit den Politischen Gemeinden und privaten Systemlieferanten entwickelt wurden. Die einmaligen Entwicklungskosten von laut Barrucci rund 1,2 Millionen Franken teilen sich Kanton und Gemeinden; die weiteren wiederkehrenden Betriebskosten ebenso. Die Medienmitteilung hebt ausserdem die Vorteile des neuen Systems für Verwaltung, Bauwirtschaft sowie Bürgerinnen und Bürger gleichermassen hervor. Unter anderem erkenne es fehlende oder widersprüchliche Informationen frühzeitig, was Rückfragen reduziere und die Verfahren beschleunige.» Und weiter: «Relevante Geodaten werden automatisch am jeweiligen Standort berücksichtigt, was zu präziseren Angaben und höherer Planungssicherheit führt. Zudem ermittelt das System die Anstösserinnen und Anstösser (Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer) automatisch, wodurch Fehler vermieden und Prozesse weiter vereinfacht werden.»
Skepsis in Hohentannen
Diese Vorteile sieht man auch auf den Gemeinden im Einzugsgebiet des Neuen Anzeigers. Nur in Hohentannen sind die Verantwortlichen skeptisch. eBau werde tendenziell einen grösseren Mehrwert für die Verwaltung bringen – den direkten Kontakt der Bürger zu den Behörden jedoch einschränken, befürchtet Gemeindepräsident Lukas Hoffmann. «Wir sehen uns als Dienstleister und das direkte Gespräch – speziell bei komplexen Vorhaben ein persönliches Erstgespräch – noch immer als verständnisfördernd an.» Wo für die Bürger sinnvoll, werde man die Digitalisierung in Hohentannen mitgehen, wenn sie den «bereits übermächtigen Verwaltungsapparat verschlanken» und Kosten senken kann beispielsweise. «Eine Verlegung von Dienstleistung weg vom Einwohner unterstützen wir nicht aktiv», betont der Gemeindepräsident. Die kantonale Strategie ist jedoch klar. «Mittelfristig sollen Baugesuche nur noch digital eingereicht werden», kündigt Martin Barrucci an. Ob das realistisch ist und ob dafür Gesetzesänderungen notwendig sind, wird sich zeigen. Die Publikation der Baugesuche sowie der Baubewilligungen auf der anderen Seite bleibt in den Händen der Gemeinden. Hier ist keine Änderung geplant; diese erschienen weiterhin auf Papier – unter anderem im Neuen Anzeiger.
Stefan Böker
