Freitag, 20. Februar 2026

Erlen. Die Dorfmetzgerei in Erlen steht vor einem Neuanfang: Die Gemeinde sucht eine neue Pächterin oder einen neuen Pächter für das Ladenlokal. Ziel ist es, die Nahversorgung und ein Stück Dorfkultur zu erhalten. Doch der Betrieb ist kein Selbstläufer – gefragt sind Mut, Fachwissen und Unternehmergeist.

In der Dorfmitte von Erlen steht ein Ladenlokal leer, das für viele mehr ist als nur ein Verkaufsraum: die Dorfmetzgerei. Nachdem der bisherige Pächter den Ladenbetrieb eingestellt hat, sucht die Gemeinde aktiv nach einer Nachfolgelösung. Der Cateringbetrieb läuft zwar weiter, doch die Verkaufstheke bleibt geschlossen. Für die Bevölkerung ist das spürbar. Gemeindepräsident Thomas Bosshard ordnet den Schritt sachlich ein: «Der aktuelle Pächter hat aus wirtschaftlichen und wie ich vermute auch familiären Gründen das Ladenlokal geschlossen. Die Räume hat er immer noch gemietet und bietet nach wie vor Catering an.»

Nahversorgung ermöglichen

Für die Gemeinde ist klar: Die Metzgerei ist kein Prestigeprojekt, sondern Teil der Grundversorgung. Neben Volg und Bäckerei gebe es im Dorf kaum noch Einkaufsmöglichkeiten. Entsprechend will man die Chance nutzen, den Standort nochmals gezielt als Metzgerei auszuschreiben. «Wir haben bei uns ausser dem Volg, der Metzgerei und der Bäckerei keinen Laden mehr für die Grundversorgung im Dorf», sagt Bosshard. «Wir können das nicht selbst machen, aber wir können zumindest versuchen, jemanden zu finden, um dies aufrechtzuerhalten.» Auf die Frage, ob es sich dabei eher um Wirtschaftsförderung oder Traditionspflege handle, antwortet er klar: «Reine Dorfkultur und Nahversorgung.»

Gleichzeitig bleibt die Gemeinde realistisch. Sollte sich keine geeignete Lösung finden, ist auch eine Umnutzung vorgesehen. «Beim aktuellen Plan B werden die Lokalitäten einer anderen Nutzung zugeführt.»

Gesucht: Mutige Fachperson

Die Anforderungen an künftige Betreiber sind bewusst klar formuliert. Gesucht wird laut Bosshard «ein versierter und geschäftstüchtiger Metzger, der sich auf das Abenteuer einlässt». Und er ergänzt offen: «Jemand, der weiss, dass ein solcher Job Arbeit bedeutet und kein Selbstläufer ist.» Unterstützung gibt es seitens Gemeinde vor allem über faire Rahmenbedingungen bei der Miete. «Wir müssen mit der Miete nichts verdienen», sagt Bosshard. Weitergehende Sonderbehandlungen seien jedoch kein Thema: «Der Rest ist wie bei jedem anderen Unternehmen auch. Weiter gehen wir deshalb auch nicht, das wäre dem restlichen Gewerbe gegenüber unfair.» Ob ein eigenständiger Metzgereibetrieb heute noch wirtschaftlich tragfähig ist, beantwortet er nüchtern, aber nicht pessimistisch: «Möglich ist es sicher, den Beweis gibt es schon im Nachbardorf.»

Rückmeldungen aus der Bevölkerung zeigen laut Bosshard vor allem Bedauern über die Schliessung. Konkrete Betriebs­ideen seien bislang aber keine an ihn herangetragen worden. Beim Thema regionale Produkte würde die Gemeinde zwar einen lokalen Fokus begrüssen, Vorgaben machen will sie jedoch nicht. Der künftige Pächter solle sich nach den Kundenbedürfnissen richten.

Auch persönlich liegt Bosshard viel an funktionierenden Dorfbetrieben, allerdings nicht um jeden Preis: «Es ist schön, wenn wir traditionelle Betriebe aufrechterhalten können. Wenn sich jedoch die Gesellschaft unaufhaltsam wandelt, muss man meiner Ansicht nach Platz für neue Traditionen schaffen.»

Sein Signal an mögliche Interessenten ist dennoch klar und einladend formuliert: Wer einsteigt, werde gut aufgenommen. Man arbeite in überschaubarem Rahmen, aber eigenständig. Oder wie er es ausdrückt: «Das eigene Reich ist klein, aber fein.»

Benjamin Schmid