Freitag, 27. Februar 2026

Bürglen. Na, dann Prost! Die Barfuss Brauerei ist für den begehrten Thurgauer Tourismuspreis nominiert worden. Die Freude beim Betreiberpaar über diese Würdigung ihres langjährigen Engagements – und speziell der überaus beliebten Bier-Zugfahrt – ist gross.

Seit der Eröffnung vor weniger als zwei Jahren ist das Lokal von Bryan und Karin Patton zu einem weithin bekannten Hotspot der Region geworden. Bierliebhaber können hier zwischen etlichen selbst gebrauten Sorten wählen. Mindestens zehn verschiedene Biere sind immer vorrätig, und es gibt immer wieder Überraschungen. So bietet die aktuelle Saisonkarte ein gezapftes Glitzer-Bier an. Es ist auf der Basis des «Spicy Schmutzlis» entstanden, eines dunklen Stouts mit Schokolade und Chilli, versetzt mit essbarem Glitzerpulver. «Denn seien wir ehrlich», informiert die Karte, «mit Glitzer ist einfach alles schöner.»

Bierkultur, die Spass macht

Man merkt: In der Barfuss Brauerei wird Bier-Kultur grossgeschrieben und mit Leidenschaft ausgelebt. Bierernst ist es hier aber nie. Im Gegenteil: Die Vielfalt des Gebrauten soll Spass machen. Und sowieso ist das ganze Projekt bekanntlich aus einer Laune heraus entstanden, wie Karin Patton bei einem Besuch am Donnerstagmorgen erzählt, während Bryan im Hintergrund Flaschen per Hand abfüllt.

«Ich habe ihm vor über 20 Jahren ein Bierbrau-Set geschenkt», erinnert sich die Wirtin schmunzelnd. Das lag nahe, denn der durstige Gatte stammt aus Grand Rapids, einer Stadt in Michigan, ungefähr so gross wie Basel und weithin bekannt unter ihrem Spitznamen «Beer City, USA». Die ersten Versuche im Brauen geschahen daheim, in Wuppenau am Barfussweg, daher der Name. Der Rest ist Geschichte. Weil hier genug Platz für ihre Ideen ist, landete das Paar in der ehemaligen Schaltzentrale hinter dem Bahnhof. «Mittlerweile können wir im Braukessel 600 Liter Sud ansetzen», erzählt Karin Patton stolz. Hinzu kommen drei 1500 Liter Tanks, die jedem Gast beim Eintritt sofort ins Auge stechen.

Ihre früheren Berufe üben die beiden weiterhin aus: Sie arbeitet Teilzeit als Pflegefachfrau, er als Software-Entwickler. Von Donnerstag bis Sonntag aber sind die Pattons voll im Einsatz für ihr Lokal. Die Kinder und ihre Eltern helfen ebenfalls mit. «Wir sind eine Familienbrauerei», betont die mittlerweile ausgebildete Biersommelière fröhlich. Und mehr als das: Der grosse Saal im historischen Gebäude am Bürgler Kanal ist Bar, Eventlokal und Verkaufsraum zugleich. Der Samstag ist meist reserviert für grosse Events sowie Vereine und andere Institutionen, die hier gerne ihre Versammlungen abhalten.

Unterhaltsam und gesellig

Zudem ist die Barfuss Brauerei ein wichtiger Teil der Bürgler Gastroszene geworden. Stichwort: Beizensterben. Hier kann man als Gast noch eine schöne Zeit haben. Das Publikum schätzt die unkomplizierte Gastgeberin, die auch mal ausserhalb der Öffnungszeiten hinter den Tresen eilt, wenn nett gefragt wird, und die sich besondere Mühe gibt mit gesel­ligen, unterhaltsamen Events. Im März stehen unter anderem ein Pub-Quiz, ein Black-Jack-Turnier, Karaoke und ein Konzert auf dem Programm. Zum ansprechenden Konzept passt die feine Auswahl an lokalen Waren: Gäste dürfen Spirituosen, Fleisch, Fisch, Käse oder Süsses degustieren. Im Gegenzug gibt es Biere der Brauerei in ausgewählten Geniesser-Läden der Region, etwa dem «Chäshüsli» in Weinfelden. Ausliefern tun die Pattons selbst. «Wir brauen Biere auch im Auftrag und bekleben sie mit den gewünschten Etiketten», erwähnt sie ein weiteres Angebot, beispielsweise für Vereine.

In den Fokus des Thurgauer Tourismuspreises ist das Duo wegen seiner Bier-Zugfahrt geraten, mutmasst Karin Patton. «Wir wurden 2022 schon einmal nominiert.» Bei der Bier-Zugfahrt bummeln bis zu 300 Personen gemütlich mit dem Thurbo durch den Kanton und geniessen bei jedem Halt feine Bierproben. Die nächste findet am 5. September statt und führt von Bürglen nach Gossau und zurück. «Schon jetzt ist die Hälfte der Tickets weg», sagt die Organisatorin zufrieden.

Dass die Jury die Barfuss Brauerei unter all den Bewerbungen als eine der fünf finalen Kandidaten aufstellte, kann jedoch nicht nur daran liegen. Es ist das Gesamtpaket, das sie überzeugte. Und dieses würde vom Gewinn des Tourismuspreises profitieren. «Wir würden das Preisgeld einsetzen, um die Beleuchtung im Aussenbereich – und damit auch die Sicherheit – zu verbessern», kündigt Karin Patton an.

Stefan Böker