Donnerstag, 2. April 2026

Bürglen. Kantonsrat und Geschäftsmann Oliver Martin half schon als Knirps beim Verkauf auf der Chilbi mit. Heute beschäftigt er 15 Angestellte. Sein Glaube spielt eine grosse Rolle in seinem Leben.

Viele Kinder sammeln Steine – doch nur selten wird daraus eine erfolgreiche Karriere. Oliver Martin hat schon mit sechs Jahren neben dem Marktstand der Eltern eigene Fundstücke angeboten. «Aus Langeweile», wie der Kantonsrat und Geschäftsmann aus Mattwil am gut besuchten ­Seniorennachmittag im evangelischen Kirchgemeindehaus erzählte. Wenig später half der Junge richtig mit: Ein Foto zeigte ihn als Elfjährigen, der am Markt in Grüningen hinter der Zuckerwatte-Maschine Kundschaft bediente. Dafür musste der Kleine auf einem Podest stehen.

Nostalgische Rückblicke wie dieser kamen am Donnerstagnachmittag besonders gut an und brachten die Anwesenden zum Schmunzeln. Mit seiner bodenständigen Art traf der Referent sowieso von Anfang an den Nerv seines Publikums. Einigen war der Name Martin bereits ein Begriff. Oliver Martins Vater handelte mit Textilien. 1983 gründeten Fritz und Ursula Martin die Softeismarke und wurden nebenberuflich Marktfahrer. Heute kennt man den ständigen Marktstand an der Hauptstrasse in Leimbach vor der 2006 erbauten Lager- und Produktionshalle und das auffällige Logo der Firma mit dem Porträt ihres Inhabers. Schon der Titel «Mit Glaube, Freude, Fleiss und Hoffnung zum Erfolg» stiess auf positive Resonanz. Er habe diesen mit viel Überlegung gewählt, so der erfolgreiche Firmengründer: «Ohne das eine funktioniert das andere nicht.»

Oliver Martin ist 48 Jahre alt und verheiratet mit Erika Martin. Zusammen hat das Paar drei Kinder, das vierte ist unterwegs. Seit 2020 ist er Mitglied des Grossen Rats. Er ist Präsident der SVP-Ortspartei Bürglen. Als junger Mann führte er das Projekt der Eltern fort; er war Mitte Zwanzig, als er seine eigene Confiserie gründete. Im Laufe der Jahre baute er das Geschäft kontinuierlich aus und investierte in neue Produktionsanlagen. Heute wird vieles in Leimbach produziert. Etwa das Softeispulver – mit einer Mischmaschine der Firma Hochdorf – und alle Nussmischungen. Die Grundzutaten für das Softeis – Milchpulver, Zucker oder Erdbeeren – bezieht er ausschliesslich in der Schweiz. Über 35 Tonnen Softeispulver wurden im vergangenen Jahr in Leimbach produziert. Die Stände mit vielen weiteren Süsswaren sind an etlichen Märkten, Festen, Messen und Sportanlässen zu finden. Dort erzielt das Unternehmen rund 60 Prozent des Umsatzes. Der restliche Umsatz verteilt sich zu gleichen Teilen auf den Direktverkauf, beispielsweise in der Migros, oder das Catering für Hochzeiten und Firmenanlässe. Nur das berühmte Magenbrot wird seit vergangenem Jahr nicht mehr in Leimbach gebacken. «Es ist ungemein schwierig, einen Beck für diese Aufgabe zu finden», meinte Oli-
ver Martin. «Magenbrot backen ist eine Kunst.»

Sein bebilderter Vortrag wurde durch zwei Kurzfilme ergänzt, sodass die Anwesenden einen spannenden Blick in die Herstellung werfen konnten. «Mein Ziel ist es, Lebensfreude zu verschenken», erläuterte der Marktfahrer an einer Stelle. «Nicht nur durch Produkte, sondern auch durch Austausch.»

Er glaube an Gott, weil ein hartnäckiger Hautausschlag im Jahr 2008 nicht durch Medikamente, sondern erst durch Gebete abgeklungen sei. «Für mich war das wie ein Wunder», sagte Oliver Martin. In der Folge habe ihm sein Glaube mehrfach durch schwierige Zeiten geholfen, die sowohl im privaten wie auch im geschäftlichen Bereich auftraten. «Heute gibt mir mein Glaube Zuversicht und Halt in einer verrückten Welt.»

An mehreren Stellen zitierte Oliver Martin aus der Bibel. «Die Bibel ist für mich mehr als nur ein Geschichtsbuch», sagte er, bevor er seinen Vortrag beendete. «Die Bibel ist eine Gebrauchsanleitung für ein erfolgreiches und hoffnungsvolles Leben.»

Weitere Vorträge

«Eigentlich sollte ich heute Ihnen zuhören. Sie haben schon so viel erlebt und sicher noch mehr zu erzählen als ich», hatte sich Oliver Martin gleich zu Beginn an die Seniorinnen und Senioren gewandt. Nun: Die Möglichkeit, etwas aus dem spannenden Leben von Gemeindemitgliedern zu erfahren, ergibt sich bald, denn am 27. Mai berichtet Werner Schönholzer im Kirchgemeindehaus von der Besteigung des Kilimandscharo. Bereits am Donnerstag, 9. April, findet der nächste Vortrag unter dem Titel «Bürglen auf Reisen» statt. Beide Vorträge starten um 19 Uhr und sind offen für alle.

Stefan Böker