Freitag, 3. Juli 2026
Amriswil. Am 30. Juni wurde im APZ Amriswil der Ausbildungsverbund Pflege Oberthurgau ins Leben gerufen. Zu den Gründungsmitgliedern gehören auch drei Institutionen aus dem AachThurLand: das Seniorenzentrum Region Sulgen, das Alters- und Pflegeheim Schloss Eppishausen in Erlen und das Seniorenzentrum Weitenau in Schönenberg.
Nach einer Vorbereitungsphase, die etwas mehr als ein Jahr gedauert hatte, konnte am Dienstag zur Tat geschritten und der Ausbildungsverbund Pflege Oberthurgau (AV-OTG) gegründet werden. Ausser den drei genannten Einrichtungen aus dem AachThurLand gehören dem Verbund neun weitere Institutionen an: das Alters- und Pflegeheim National in Arbon, das Alters- und Pflegezentrum Amriswil, die Genossenschaft Alters- und Pflegeheim Haus Holzenstein in Romanshorn, das Pflegeheim «Bellevue» in Arbon, das Regionale Pflegeheim in Romanshorn, der «Sattelbogen» in Bischofszell, das «Seevida» in Arbon, das Seniorenzentrum Horn und das «Sonnhalden» in Arbon.
Gute Ausbildung fördern
Die Statuten fanden an der Gründungsversammlung einhellige Zustimmung. Der AV-OTG ist demnach ein politisch und konfessionell neutraler Verein und bezweckt, die Zusammenarbeit der Institutionen und Organisationen des Gesundheitswesens im Oberthurgau auf dem Gebiet der Ausbildung zu fördern und zu koordinieren. Im Zentrum stehen der Aufbau, der Betrieb und die Weiterentwicklung eines Ausbildungsverbundes im Bereich Pflege. Primäres Ziel ist die Förderung und Sicherstellung von Studienplätzen der Ausbildung zur Dipl. Pflegefachperson HF/FH. Explizit erwähnt werden in der Zweckbestimmung des Vereins die Sicherung des Nachwuchses an Pflegefachpersonen HF/FH, die Schaffung von qualifizierten und attraktiven Studienplätzen und – last but not least – die Bündelung der Kräfte der einzelnen Ausbildungsbetriebe und die Nutzung von Synergien.
Für die Verantwortlichen der drei Institutionen aus dem AachThurLand stand der Beitritt zum Verbund ausser Frage. «Weitenau»-Geschäftsleiter Siegfried Miesler hat im Kanton St. Gallen gute Erfahrungen mit einem derartigen Konstrukt gemacht und ist überzeugt, dass insbesondere kleinere Einrichtungen davon profitieren. Hans Peter Rüttener, Institutionsleiter im Seniorenzentrum Region Sulgen, sieht vor allem in den Bereichen Werbung und Public Relations entscheidende Vorteile, wenn die zwölf Einrichtungen künftig gemeinsam auftreten und Synergien nutzen können. Er verweist darauf, dass die im Pflegebereich tätigen Institutionen eine Ausbildungsverpflichtung hätten und im Falle einer Nichterfüllung vom Kanton zur Kasse gebeten würden.
Einheitliche Qualität
Martha Zunder, Institutionsleiterin im Erler Alters- und Pflegeheim Schloss Eppishausen, pflichtet ihren Kollegen bei. Im Verbund könne man auf dem Markt stärker und überzeugender auftreten, argumentiert sie. Als weiteren Pluspunkt erachtet sie die einheitliche Qualität bei der Ausbildung, die alle zwölf Mitglieder des Verbunds in die Waagschale werfen könnten. Miesler, Rüttener und Zunder erhoffen sich von der Gründung des AV-OTG eine Erleichterung bei der Rekrutierung von Frauen und Männern, die sich als Pflegefachkräfte ausbilden lassen wollen.
Wie schon die Genehmigung der Statuten warf auch die Wahl der Vorstands-mitglieder, des Präsidiums und des Kontrollgremiums keine hohen Wellen. In den fünfköpfigen Vereinsvorstand wurden Leo Bär (Pflegefachmann HF und Institutionsleiter im «Sattelbogen» Bischofszell), Karoline Iseli (Pflegefachfrau HF und Bildungsverantwortliche, APZ Amriswil), Mirjam Jäggi (Pflegefachfrau HF und Bildungsverantwortliche, Seniorenzentrum Region Sulgen), Franziska Keller (Pflegefachfrau HF und Pflegedienstleiterin, «Seevida» Arbon) und Marlene Schadegg (Betriebsökonomin und Institutionsleiterin, «Sonnhalden» Arbon) gewählt.
Mit dem Einverständnis der Gründungsversammlung wurde ein Co-Präsidium gewählt. Mit dieser Funktion wurden Leo Bär und Marlene Schadegg betraut. Die Aufgaben als Kontroller werden Siegfried Miesler und Hans Peter Rüttener übernehmen. In allen Fällen beträgt die Funktionsdauer zwei Jahre; eine Wiederwahl ist möglich.
«Ein wichtiger Schritt»
Direkt von einer Sitzung in Frauenfeld kommend, hatte Regierungsrat Urs Martin (Eigendefinition: «Oberthurgauer durch und durch») kurz vor dem Ende der Gründungsversammlung Gelegenheit, seiner Freude über das Zustandekommen des Ausbildungsverbunds Pflege Oberthurgau Ausdruck zu verleihen. «Unter Druck entstehen Diamanten», sagte der Vorsteher des Departements für Finanzen und Soziales und nahm damit Bezug auf die Begleitumstände im Vorfeld. Martin bezeichnete die Gründung des AV-OTG als wichtigen Schritt, der aber nicht den Endpunkt markieren solle. Er kann sich ähnliche Lösungen auch bei der Spitex und im Spitalwesen vorstellen.
Leo Bär räumte ein, dass in der Tat ein gewisser Druck zum Handeln vorhanden gewesen sei. Nun wolle man etwas Neues wagen, um die zwölf Oberthurgauer Pflegeinstitutionen zu erhalten und eine gute, sichere Pflege zu gewährleisten.
Georg Stelzner
