Donnerstag, 30. April 2026

Kradolf. Die Behörde der Volksschulgemeinde Region Sulgen lud am vergangenen Freitag zur öffentlichen Präsentation jener Projekte ein, die für den geplanten Schulhausneubau in Kradolf infrage kamen. Im Zentrum des Interesses stand der zur Realisierung bestimmte Entwurf mit der Bezeichnung «Floss».

Mit dem geplanten Neubau reagiert die Behörde der Volksschulgemeinde Region Sulgen auf die evidente Raumnot am Standort Kradolf. Im Zeitraum von nur sieben Jahren hat sich dort die Anzahl der Klassen von vier auf acht verdoppelt. Mit Provisorien in Gestalt von «mobilen Schulbauten», sprich Containern, wird der Engpass derzeit überbrückt.

Die Schulbehörde hatte elf Architekturbüros aus der Region eingeladen, einen Vorschlag für einen Neubau und die gleichzeitige Sanierung der Mehrzweckhalle einzureichen. Nach einer ersten Selektion verblieb ein Quintett, aus dem sich ein Büro noch zurückzog, sodass am Ende vier Beiträge vom Bewertungsgremium unter die Lupe genommen wurden. Als Siegerin ging die in Weinfelden ansässige Firma Bürge Wendel Architekten GmbH mit dem Projekt «Floss» hervor. Die Bezeichnung bezieht sich nicht auf das äussere Erscheinungsbild des Gebäudes, sondern auf das jährlich stattfindende Mammut-Flossrennen, dessen Ziel jeweils Kradolf ist. Die Architekten haben bewusst einen Namen gewählt, der mit Kradolf in Verbindung gebracht wird.

«Brauchen flexible Räume»

Schulpräsidentin Andrea Müller-Richner betonte an der öffentlichen Präsentation der vier Projekte am Freitag in der Kradolfer Mehrzweckhalle nicht nur die Notwendigkeit einer Schulraumerweiterung, sondern erklärte unter Hinweis auf die verschiedenen Anspruchsgruppen und die veränderten Unterrichtsformen auch, dass die Multifunktionalität ein zentraler Punkt sei. «Wir brauchen flexible Räume, die Begegnungen ermöglichen und gut erreichbar sind. Der soziale Austausch ist wichtig», sagte die Schulpräsidentin.

In seiner Funktion als Bauherrenvertreter legte Michael Bühler dar, weshalb das «Floss» den Anforderungen am besten gerecht wird. Einige Pluspunkte, welche diesem Beitrag zum Sieg verholfen haben, seien hier erwähnt: Die räumliche Aufwertung des bestehenden Campus als Hof-/Sportsituation gelingt mit einer äusserst qualifizierten Volumensetzung; er ist ortsbaulich konsequent, arealübergreifend gedacht und setzt ein Statement, das sich jedoch gut in die neue Entwicklung von Kradolf einzufügen vermag; der bestehende historische Schulbau wird dank des gekonnten Duktus nicht abgewertet, sondern bleibt «Chef sur place». Bühler bescheinigte dem siegreichen Entwurf «riesiges Potenzial», da die räumlichen Bedürfnisse zeitgemäss umgesetzt werden. Ebenfalls wichtig: Das vorliegende Erweiterungskonzept ermöglicht eine Etappierung, die für den Schulbetrieb während der Bautätigkeit optimal ist.

Der dreigeschossige Neubau, für den im Vorjahr ein Projektierungskredit von 1,08 Millionen Franken genehmigt wurde, soll – in geringem Abstand zur Mehrzweckhalle – entlang der Austrasse errichtet werden. Der Baukredit gelangt Ende November an der Gemeindeversammlung der VSG Region Sulgen zur Abstimmung. Um welchen Betrag es sich dabei handeln wird, steht noch nicht fest. Vor einem Jahr wurden die Kosten für die Errichtung eines neuen Schulhauses und die Sanierung der Mehrzweckhalle auf rund 13 Millionen Franken geschätzt. Mit dem Bezug des Neubaus und der Nutzung der modernisierten Halle ist im Idealfall ab Sommer 2028 zu rechnen.

Georg Stelzner