Freitag, 24. April 2026

Bürglen. Wenn die Volksschulgemeinde Bürglen über ihre Jahresrechnung befindet, ist dies jeweils auch ein herzlicher Anlass. Denn dann werden traditionell Dienstjubilare geehrt und verdankt. So auch am vergangenen Dienstagabend. Am Ende der insgesamt harmonischen Versammlung kam es dennoch zu Diskussionen. Unzufriedene Eltern aus Istighofen kritisierten Personalentscheidungen und Reformen.

Insgesamt 46 Stimmberechtigte und mehrere Gäste waren zur Schulgemeindeversammlung in die Mehrzweckhalle Bürglen gekommen. Sie hörten zunächst Auszüge aus dem Jahresbericht der Schulbehörde. Schulpräsident Daniel Schiller informierte danach über den Finanzplan. Aufwand und Ertrag werden in den kommenden Jahren parallel ansteigen, kündigte er an. Das Eigenkapital bleibe jedoch auf solidem Niveau, was der Schule Reserve und Handlungsspielraum ermögliche.

Vor der Abstimmung erläuterte Finanzchef Fabio Wenger die Jahresrechnung 2025, welche mit einem Aufwandüberschuss von rund 126 000 Franken abschliesst. Budgetiert wurde eine schwarze Null von 6200 Franken (der Neue Anzeiger berichtete). Hauptgrund für diese Abweichung seien die Lohnkosten, so Wenger. «Wir haben rund 8 Millionen Franken budgetiert», sagte er. «Die effektiven Kosten belaufen sich aber auf rund 8,35 Millionen Franken.» Eine verhältnismässig hohe Anzahl an krankheitsbedingten Ausfällen habe dazu geführt, dass Stellvertretungen oder gar neue Personen eingestellt werden mussten, was für unerwartete Kosten sorgte. Nach Wengers Ausführungen wurde die Jahresrechnung einstimmig angenommen. Keine Fragen übrig liessen die Ausführungen von Nikola Filipovic zu den getätigten Investitionen des vergangenen Jahres, zu denen unter anderem die Sanierung der Ostfassade am Sekundarschulhaus Süd zählt. Alle Investitionen schlossen unter Budget ab.

Erweiterungsbau auf Kurs

Nikola Filipovic informierte ausserdem über den Erweiterungsbau. Zurzeit vergibt die Schule die Aufträge an Handwerker. 60 Prozent der Aufträge seien bereits vergeben, so Filipovic. Dem Baustart nach den Sommerferien Anfang August stehe also nichts im Wege; das Bauende ist im Frühjahr 2028 geplant. Eine weitere wichtige Information betraf den im Mai startenden Bau von sechs Parkplätzen auf der Wiese vor der evangelischen Kirche. Die Kirchgemeinde erstellt und finanziert das neue Parkfeld. Die Schule beteiligt sich mit einer Einmalvergütung an den Kosten und darf die Parkplätze während der Schulbetriebszeiten nutzen.

Im Anschluss an den offiziellen Teil durfte Schulpräsident Daniel Schiller sechs Personen zum 10-Jahre-Dienstjubiläum gratulieren, von denen fünf anwesend waren: Tabea Bruggmann, Andrea Hinder, Nora Schüepp, Kerstin Steuble und Patricia Stoller. Lukas Jäger war entschuldigt. Ebenfalls entschuldigt war Gabi Sonego, die seit 15 Jahren an der Schule unterrichtet. 15 Jahre in Bürglen ist auch Primarschulleiter Fabian Traber, der für sein 30-Jahre-Dienstjubiläum im Thurgau geehrt wurde. Die beiden höchsten Dienstjubiläen feierten Erika Balle, die seit 25 Jahren Logopädin in Bürglen ist, und Andreas Condamin, der seit 35 Jahren an der Schule Bürglen unterrichtet.

Bewusst «Danke» sagen

Den Anwesenden überreichte der Schulpräsident Präsente und fand warme Worte für ihre geleistete Arbeit. «Ihr alle arbeitet tagtäglich mit dem Ziel, unseren Kindern und Jugendlichen einen guten, unterstützenden Schulalltag zu bieten.» Ein grosser Teil dieser engagierten Arbeit geschehe still und unauffällig, so Daniel Schiller. Genau darum sei es umso wichtiger, einmal ganz bewusst «Danke» zu sagen. «Für eure Treue, für euer Mitdenken und fürs Mittragen, fürs Dranbleiben und für all die Momente, die unsere Schule menschlich und lebendig machen.» Eine gute Schule lebt vom täglichen Einsatz aller Beteiligten und wird dadurch geprägt.

Eltern wollen mitentscheiden

Anschliessend gab es unter dem Traktandum «Umfrage» scharfe Worte. Eltern aus Istighofen kritisierten die hohe Personalfluktuation und die in ihren Augen intransparente Kommunikation an der örtlichen Primarschule. «Mein Sohn kommt in die 2. Klasse und hat schon fünf verschiedene Klassenlehrpersonen gehabt», bemängelte etwa ein Vater. «Warum hält man engagierte, motivierte Lehrpersonen nicht?» Er fühle sich «verarscht». Schulpräsident Schiller versprach, auf die Eltern zuzugehen. Öffentlich könne er sich zu Personalentscheidungen aber nicht äussern. Weitere Kritik der Istighofer Eltern betrifft den Ersatz der klassischen Hausaufgaben an der Primarschule Bürglen durch Trainingsaufgaben. Dieses neue System scheint für schwächere Schüler ungeeignet, finden die Eltern. Auf Antrag eines Vaters wurde mit 20 Ja-Stimmen beschlossen, das Thema bei der Versammlung im Herbst zu traktandieren. Ob es jedoch rechtlich möglich ist, dass Eltern in pädagogischen Fragen mitbestimmen, sei nicht sicher, so die Ankündigung der Schulbehörde. Feedback sei erwünscht, aber Entscheidungen müssten Fachleute treffen. Zu klassischen Hausaufgaben wolle man nicht zurückkehren.

Stefan Böker