Donnerstag, 30. April 2026

Sulgen. An der kommenden Gemeindeversammlung steht die Jahresrechnung 2025 mit einem deutlich besseren Abschluss als erwartet im Zentrum. Entscheiden dürfen die Stimmberechtigten des Weiteren über die Verwendung von über 1,36 Millionen Franken aus der Neubewertungsreserve, welche infolge der Einführung des neuen Rechnungslegungsmodells HRM2 entstanden ist.

Die Rechnung 2025 der Poli­tischen Gemeinde Sulgen schliesst mit einem Gewinn von knapp 613 000 Franken rund 900 000 Franken besser ab als budgetiert. Wie Gemeindepräsident Andreas Opprecht vergangene Woche an einer Medienkonferenz erläuterte, bilden die Gemeindesteuern die grösste der Positionen, welche dazu geführt haben, dass die Rechnung viel besser dasteht als prognostiziert.

Wachsende Gemeinde

Wie aus den Unterlagen für die Gemeindeversammlung hervorgeht, hat die Politische Gemeinde Sulgen noch nie so viel Steuern eingenommen wie im Jahr 2025. Dies obwohl der Steuerfuss in früheren Jahren höher war. Bei Gründung der Gemeinde im Jahre 2001 lag dieser bei 75 Prozent. Erst 2011 wurde der Steuerfuss auf 50 Prozent gesenkt und verharrte seitdem dort. Dafür lebten noch nie so viele Personen in der Gemeinde wie im Jahr 2025. Erst vor einigen Jahren kletterte die Zahl auf über 4000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Steuereinnahmen spiegeln zudem den Wachstum des lokalen Gewerbes: Seit 2011 haben sich etliche grössere Unternehmen in Sulgen angesiedelt.

Wer im vergangenen Herbst die Steuersenkung auf 47 Prozent genehmigte – für das laufende Jahr gilt also dieses Rekordtief – mag sich vor diesem Hintergrund gerechtfertigt sehen. Auch wenn Gemeindepräsident Opprecht an der Versammlung warnte, dass die Steuern auf keinen Fall weiter reduziert werden dürfen, da unter anderem ab 2028/2029 mit dem Wegfall der Liegenschaftensteuer und dem Eigenmietwert höhere Einnahmen wegfallen. Ein Steuerprozent im Jahr 2025 entsprach fast 85 000 Franken.

Die rekordhohe Sulger Steuerkraft müsse des Weiteren in Relation gesehen werden, erklärte Opprecht, der zugleich ­Finanzchef ist, vor den Medien. Der ­budgetierte Finanzausgleichsbeitrag von 265000 Franken ist nämlich aufgrund der gestiegenen Steuereinnahmen vollumfänglich weggefallen.

Als zweiten Grund für die Besserstellung der Rechnung neben den Gemeindesteuern nannte er deutlich tiefere Kosten im Bereich Soziale Sicherheit. Grösster Posten in diesem Bereich ist die gesetzliche wirtschaftliche Hilfe, welche 330 000 Franken besser ausfiel als angenommen. Das Sozialamt habe mehr Rückerstattungen bekommen als erwartet, so Opprecht. Im Asylwesen fielen die Unterstützungsbeiträge durch den Bund für Asylsuchende inklusive Schutzstatus S deutlich höher aus. Parallel sanken die Ausgaben, was einem gegenüber dem Budget besseren Ergebnis von rund 280 000 Franken entspricht. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass vergleichsweise viele Flüchtlinge eine Beschäftigung gefunden hätten, so Opprecht.

Der Gemeinderat beantragt, eine halbe Million Franken zu nutzen, um eine neue Personenunterführung beim Bahnhof vorzufinanzieren. Der restliche Betrag von über 112 000 Franken soll in den Bilanzüberschuss überführt werden. Dadurch steigt das Gemeindevermögen.

Während die Stimmberechtigten mit der Rechnung 2025 hauptsächlich die getätigten Ausgaben des vergangenen Jahres genehmigen, dürfen sie unter Traktandum 3 auch über zukünftige Ausgaben beziehungsweise die Verwendung der Gelder bestimmen. Durch die Umstellung auf das Rechnungslegungsmodell HRM2 wurde das Finanzvermögen der Gemeinde neu bewertet. Dadurch entstand eine Neubewertungsreserve in Höhe von mehr als 1,36 Millionen Franken. Gemäss kantonaler Verordnung muss die Gemeinde diese Reserve bis spätestens 2027 auflösen. Der Betrag darf entweder in den Bilanzüberschuss überführt oder für Vorfinanzierungen genutzt werden.

Der Gemeinderat beantragt, drei Beträge für Vorfinanzierungen zu nutzen: 300 000 Franken für die Sanierung der Auwiesenstrasse, 200 000 Franken, um die alte Deponie in Hessenreuti zu sanieren, und 700 000 Franken für die zusammen mit der SBB finanzierte Personenunterführung. Der restliche Betrag von 164 477 Franken soll ebenfalls in den Bilanzüberschuss überführt werden.

Der Bilanzüberschuss, sprich: das Gemeindevermögen, würde nach Genehmigung der entsprechenden Anträge rund 5,18 Millionen Franken betragen.

Nicht traktandiert ist die Abstimmung über den Sulger Aussichtsturm. Es findet vorgängig am Montag, 11. Mai, eine Infoveranstaltung für alle Bürgerinnen und Bürger statt, an welcher der Gemeinderat auch über das Projekt «Personenunterführung» informieren will.

Stefan Böker