Freitag, 15. Mai 2026
Erlen. Die Rechnung 2025 der Politischen Gemeinde Erlen und die Jahresrechnungen der Technischen Betriebe stehen im Zentrum der kommenden Gemeindeversammlung. Zusätzlich informiert Gemeindepräsident Thomas Bosshard über den Stand der Dinge beim Gemeindehaus.
Die Politische Gemeinde Erlen hat den höchsten Rechnungsabschluss aller Zeiten erzielt. Statt des erwarteten Defizits von rund 307 000 Franken resultiert ein Ertragsüberschuss von knapp zwei Millionen Franken. Besonders stark ins Gewicht fallen dabei Mehreinnahmen bei Finanzen und Steuern. Allein in diesem Bereich liegt das Ergebnis rund 1,5 Millionen Franken über den Erwartungen.
Höchst unerwartet
Dieser Rekordabschluss kam selbst für die Verantwortlichen höchst unerwartet. «Ich dachte, es handelt sich um einen Rechnungsfehler», erinnert sich Gemeindepräsident Thomas Bosshard an seine erste Reaktion. Doch die Zahlen stimmten und seien unter anderem auf höhere Steuereinnahmen aus früheren Jahren zurückzuführen. Diese seien rund 600 000 Franken höher ausgefallen als geplant.
Als Grund nennt Bosshard die intensive Nachbearbeitung der Steuerveranlagungen: «Im vergangenen Jahr sind von uns selber rund 1800 Veranlagungen bearbeitet worden.» Ebenfalls über den Erwartungen lagen die Ertrags- und Kapitalsteuern juristischer Personen und die Quellensteuern sowie die Beiträge aus dem Finanzausgleich. Zudem fielen die Aufwendungen im Bereich Soziales tiefer aus als budgetiert, insbesondere bei Fremdplatzierungen und wirtschaftlicher Hilfe. Ausgabendisziplin spielte eine weitere Rolle: Die Gemeindeverwaltung blieb gesamthaft unter ihrem Budget.
Viele Faktoren spielen hinein
«Wir sind natürlich froh über das positive Ergebnis», sagt der Gemeindepräsident. Der unerwartet hohe Abschluss beweise auf der anderen Seite, wie schwierig die Kalkulation der Steuereinnahmen mittlerweile geworden sei. «Die Anteile, die wir selbst in der Hand haben, zum Beispiel Steuereinnahmen durch natürliche Personen, sind mehr oder weniger auf Kurs. Wie unsere lokalen Unternehmen abschliessen, ist hingegen schwierig vorauszusagen, vor allen wenn die Veranlagungen in Verzug sind.»
Ausserdem sei man auf die Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Steueramt angewiesen, welches «massiv hintendran» sei, wie Bosshard feststellt. Der frühe Budgetprozess erschwere die Prognose zusätzlich. Dabei muss die Finanzabteilung mit den Zahlen der Vor-Vorjahresrechnung operieren. «Unabhängig davon fehlen uns die Indikatoren, um eine solche Erhöhung von 4,5 auf 6 Millionen Franken im Voraus im entsprechenden Einnahmekonto zu planen», sagt er.
Diagramme auf Seite 6 der Kompakt-Botschaft zeigen diese Kausalitäten eindrücklich (Hinweis: Die Botschaft gibt es als kurze, kompakte und detaillierte Version zum Download auf der Gemeindehomepage).
Stark zu Buche schlug zusätzlich der Finanzausgleich. «Dieser wird in der laufenden Rechnung kleiner ausfallen», vermutet Bosshard. Wie dem auch sei: Der Gewinn ist willkommen. Der Gemeinderat beantragt, den Ertragsüberschuss von rund 1,99 Millionen Franken aufzuteilen. 1,21 Millionen Franken sollen in die Vorfinanzierung für das Gemeindehaus fliessen, welche damit auf rund 3,9 Millionen anwächst. Weitere Mittel sind für den Werterhaltungsfonds sowie den Fonds für Denkmalpflege vorgesehen. Rund 307 000 Franken sollen dem Bilanzüberschuss zugewiesen werden.
Auch die Technischen Betriebe präsentieren mehrheitlich positive Ergebnisse. Die Wasserversorgung schliesst mit einem Überschuss von rund 69 000 Franken ab, die Abwasserrechnung mit gut 10 000 Franken und der Bereich Abfall mit rund 33 000 Franken. Defizitär fällt dagegen die Rechnung des Elektrizitätswerks aus. Dort resultiert ein Aufwandüberschuss von rund 206 000 Franken. Dieser soll mit dem Bilanzüberschuss verrechnet werden. Wie auch in anderen Gemeinden stehe dies in Zusammenhang mit dem Photovoltaikboom, so Bosshard. Ab März habe der Stromlieferant der Gemeinde die überschüssige Energie nicht mehr vergütet – die Gemeinde hingegen ist gesetzlich verpflichtet, diese Abgabe an die Besitzer von Photovoltaikanlagen zu leisten. Das habe zu den rund 400 000 Franken Abweichungen gegenüber Budget geführt, so Bosshard. Bei einem Gesamtverbrauch von über 22 Gigawattstunden seien in Erlen 2,9 Gigawattstunden überschüssiger Strom produziert worden.
Neben der Rechnung informiert der Gemeinderat über den Stand des Projekts Gemeindehaus. Ursprünglich war vorgesehen, den Baukredit bereits an dieser Gemeindeversammlung vorzulegen. Weil das Projekt laut Gemeinderat noch nicht ausreichend ausgereift ist, wird der Antrag verschoben. Ein Grund seien die Kosten, präzisiert der Gemeindepräsident. «Da wollen wir weiter optimieren.»
Ausserordentliche Versammlung angekündigt
Der Baukredit wird deshalb erst an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung im August traktandiert. «Voraussichtlich», wie Bosshard betont. Er hofft, bis zur Gemeindeversammlung verbindliche Informationen zu besitzen.
Auch Gemeinderat Tobias Ottiger verweist in seinem Jahresbericht auf die intensive Projektarbeit und spricht von einem engen Zeitplan. Der Planungskredit für die Sanierung und den Umbau des Gemeindehauses war bereits im November 2024 von der Bevölkerung genehmigt worden. Danach startete Anfang 2025 das Planerwahlverfahren. Anschliessend wurden die Fachplaner ausgeschrieben. Seit Sommer 2025 arbeiten die beteiligten Fachbüros an den Detailplanungen und an den Kostenschätzungen.
Geplant ist eine umfassende Sanierung des bestehenden Gemeindehauses an der Aachstrasse. Gleichzeitig soll der ehemalige Posttrakt umgebaut werden. In der Kurzbotschaft zur Gemeindeversammlung zeigt die Gemeinde Visualisierungen und Grundrisse des künftigen Empfangsbereichs sowie der Büroflächen im Erd- und Obergeschoss.
Während der Bauphase soll die Gemeindeverwaltung provisorisch Büroräumlichkeiten der Firma Lista beziehen. Mit dem Projekt will die Gemeinde die Verwaltungsräume modernisieren und an heutige Anforderungen anpassen. Gleichzeitig dürfte das Vorhaben zu einem der grössten Investitionsprojekte der kommenden Jahre werden.
Weiter steht noch auf der Traktandenliste eine Ersatzwahl in die Rechnungsprüfungskommission. Vorgeschlagen wird Marc Jacobs aus Erlen. Die Vakanz besteht seit dem Wegzug eines bisherigen Mitglieds.
Stefan Böker
Die Gemeindeversammlung findet am Donnerstag, 28. Mai, im Mehrzwecksaal der Schule Erlen statt. Die Versammlung beginnt im Anschluss an die Schulgemeindeversammlung voraussichtlich um 20.15 Uhr. Im Anschluss an die Versammlung lädt die Gemeinde zum Beisammensein im «Beizli» ein.
