Freitag, 12. Juni 2026

Sulgen. Der Tag der offenen Tür zur Einweihung der neuen EKT-Betriebszentrale in Sulgen stiess auf grosses Interesse. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher überzeugten sich an der Unteraustrasse von der ganzen Bandbreite der EKT-Dienstleistungen.

Es sei eine «grosse Ehre für die ganze Region», freute sich der Sulger Gemeindepräsident Andreas Opprecht, dass die EKT AG sich mit einem 23-Millionen-Bau entschieden hat, die technischen Dienste und die damit verbundene Verwaltung «in Sulgen in der Mitte des Kantons» zu zentralisieren. Im neuen Betriebszentrum des Elektrizitätswerks des Kantons Thurgau EKT im Befang, unmittelbar an der Gemeindegrenze zur Nachbargemeinde Kradolf-Schönenberg, werden in Zukunft rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sein.

Grenze kein Hindernis

Die Beziehung der Gemeinde Sulgen zum EKT hat eine lange Geschichte. An die Eröffnungsfeier für die 130 geladenen Gäste aus Wirtschaft, Gemeinden, Verwaltung und Politik hatte der Sulger Gemeindepräsident zwei Dinge mitgebracht: Das Gästebuch der Gemeinde Sulgen mit dem Eintrag aus dem Jahr 1975, als das Unterwerk des EKT in Sulgen eröffnet wurde und ein Muster für die Sulger Fahne – sie soll auf Mass noch angefertigt werden –, die dereinst neben der Firmenfahne vor dem neuen Betriebszentrum ihren Platz finden soll. Opprecht bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit den Nachbarn: «Möglich geworden ist der Neubau planungstechnisch auch dank der gemeinsamen Raumplanung der Gemeinden Sulgen und Kradolf-Schönenberg, bei der so geplant wurde, dass für die EKT AG eine Erweiterung und Schwerpunktbildung an der Unteraustrasse möglich wurde.» Den «letzten Schliff» erhält die Umgebung, wenn die Unteraustrasse nach der Erneuerung der Werkleitungen auch noch ihren Feinbelag erhält.

70 Arbeitsplätze

Ivo Zillig, CEO der EKT-Gruppe, zeigte sich in seiner Begrüssung überzeugt, dass die neuen Büro- und Werkräume in Sulgen dazu beitragen, dass die EKT AG ein attraktiver Arbeitgeber bleibt: «Wir haben tolle neue Arbeitsplätze geschaffen.» Mit der Fertigstellung des weitgehend als Holzbau entstandenen neuen Betriebsgebäudes sind 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Arbon nach Sulgen gezogen. Insgesamt beschäftigt die EKT AG 193 Personen, davon werden nun rund 100 in Sulgen arbeiten.

«Meilenstein» für die EKT AG

Als «Meilenstein in der Geschichte des EKT» bezeichnete Verwaltungsratspräsident Peter Schütz die Eröffnung des neuen Betriebszentrums. 1912 sei das EKT gegründet worden, um die Wirtschaft und die Bevölkerung des Kantons mit elektrischer Energie zu versorgen. Das sei zwar immer noch der Kernauftrag, doch habe sich das Unternehmen in den letzten Jahren zu einem breit aufgestellten Energie- und Netzdienstleister entwickelt. Aufbauend auf der digitalen Steuerung des Stromnetzes seit mit «TGnet» ein flächendeckendes Glasfasernetz entstanden, das von der Verwaltung, von Gewerbe und Industrie und von den Blaulichtorganisationen des Kantons genutzt werde.

CEO Ivo Zillig konnte in seiner Begrüssung vermelden, dass die EKT AG im Besitz der grössten Aufdach-Solaranlage der Schweiz in Domdidier im Kanton Fribourg auf dem Dach der Aldi-Verteilzentrale sei.

Letzter Auftritt Peter Schütz

Stolz zeigte sich Schütz auch, dass die EKT AG zum grössten Fernwärmenetzbetreiber im Kanton avanciert ist: «In Gottlieben ist ein Fernwärmenetz in Planung, bei dem die Wärme aus dem Wasser des Seerheins gewonnen wird.» Für Peter Schütz war es einer seiner letzten Auftritte als Verwaltungspräsident der EKT. Nach 25 Jahren im Verwaltungsrat – davon die letzten zehn Jahre als Präsident – nimmt er an der Generalversammlung demnächst Abschied vom EKT. Er zeigte sich glücklich über das neu geschaffene Betriebszentrum und bedankte sich bei den Mitarbeitenden, die «tagtäglich einen guten Job machen und ihre Verantwortung wahrnehmen» würden.

Holzbau mit guter Akustik

«In einem Holzbau lässt es sich sehr gut arbeiten», lobte Regierungsrat Walter Schönholzer den Neubau als Vertreter des Kantons – des Eigentümers der EKT AG. Mit den grossen Eingangstoren der Werkhalle, der Photovoltaik-Anlage, Minergie-Standard, Ladestationen für E-Fahrzeuge und dem Konzept mit flexiblen Büroarbeitsplätzen würden Bau und Betrieb höchste und modernste Anforderungen erfüllen. Fast schon etwas neidisch zeigte sich Schönholzer über die hervorragende Akustik in den neuen Büros: «Das ist beim Kanton im Holzbau für die Erweiterung des Regierungsgebäudes in Frauenfeld nicht so gut gelungen.»

Sulgen ist nun Hauptstandort

Mit dem Neubau des Betriebsgebäudes ist Sulgen zum Hauptstandort der EKT AG geworden. Schönholzer bedankte sich für die politische Unterstützung der Zentralisierungsstrategie durch Regierung und Grossen Rat und bemerkte dazu: «Es ist kein Weltuntergang, wenn man 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Arbon nach Sulgen verlegt hat.» Der «Strom» halte sich eben nur an die Physik und aus logistischen Gründen habe eine Zentralisierung des Betriebs in Sulgen nahegelegen.

Als ehemaliger Gemeindepräsident der Nachbargemeinde Kradolf-Schönenberg hatte Walter Schönholzer mit der gemeinsamen Raumplanung mit der Standortgemeinde Sulgen dazu beigetragen, dass sich für das EKT in Sulgen eine Erweiterungsmöglichkeit bot.

Ernst Ritzi