Freitag, 5. Juni 2026

Erlen. Grosse Einigkeit herrschte an den Rechnungsversammlungen von Schule und Politischer Gemeinde in Erlen: Die Stimmberechtigten genehmigten sämtliche Traktanden deutlich. Nur die Gewinnverwendung der Politischen Gemeinde gab kurz zu reden. Ein Änderungsantrag blieb jedoch erfolglos.

Zügig und geprägt von grossem Vertrauen in die Arbeit der Behörden sind am Donnerstag vergangener Woche die beiden Gemeindeversammlungen im Mehrzwecksaal der Schule über die Bühne gegangen. 52 Stimmberechtigte erschienen bei der Schule, 54 Stimmberechtigte waren es eine Dreiviertelstunde später bei der Politischen Gemeinde (bei letzterer entspricht dies 2,44 Prozent). Bei beiden Versammlungen standen die Jahresrechnungen 2025 im Zentrum, die weitaus besser abschlossen als erwartet (der Neue Anzeiger berichtete).

«Absoluter Rekord»

Bei der Politischen Gemeinde handelt es sich sogar um einen «absoluten Rekord», wie Gemeindepräsident Thomas Bosshard am Abend sagte. Angesichts der unerwarteten Einnahmen unter der Funktion «Finanzen und Steuern» von über 30 Prozent habe auch er zunächst seinen Augen nicht getraut. «Doch das Ergebnis war korrekt und lässt sich auch erklären.»

Einen grossen Posten bildeten beispielsweise die Steuern früherer Jahre. Diese konnten dank der hohen Zahl an Veranlagungen durch das Erler Steueramt aufgeholt werden. «Eine sensationelle Leistung», lobte er und, wie Statistiken belegen, im Kantonsvergleich erstens nicht die Regel und zweitens ziemlich weit vorne, was die Produktivität angeht. Daraufhin spendete die Versammlung dem dafür verantwortlichen Power-Duo – der Leiterin des Steueramts, Anna Oertig, und ihrer Sachbearbeiterin Carolina Staub – einen begeisterten Applaus.

Als weiteren Faktor nannte Bosshard die Wirtschaftslage. Schliesslich verdoppelte sich der Steuerertrag bei den juristischen Personen, also bei Industrie und Gewerbe. Solche Entwicklungen liessen sich kaum zuverlässig budgetieren. Auch der Zuzug einer pauschalbesteuerten Person trug zum Ergebnis bei, ebenso wie die Tatsache, dass sich immer mehr Menschen ihre Pension auf einmal auszahlen lassen, was punktuell zu mehr Steuereinnahmen führt. Letztendlich sei der Gemeinderat sehr froh über das Ergebnis, vor allem angesichts anstehender Investitionen, so Bosshard.

Änderungsantrag erfolglos

Einen Gegenantrag gab es bei der Gewinnverwendung. Ein Stimmbürger aus Engishofen argumentierte gegen die beantragten Einlagen in die Vorfinanzierung des Gemeindehauses sowie den Fonds für Denkmalpflege und den «W+E Fonds». Der komplette Überschuss von fast zwei Millionen Franken sei dem Eigenkapital zuzuweisen. Dies würde für mehr Transparenz sorgen als Vorfinanzierungen. Mit neun Befürwortern blieb sein Antrag jedoch chancenlos. Im Anschluss wurde die Rechnung klar angenommen und danach auch die einzelnen Rechnungen der Werke. Zu reden gab das Elektrizitätswerk. Auch in Erlen sorgt der Solarboom für finanzielle Probleme.

Gemeindehaus vorfinanziert

Die Vorfinanzierung für das Gemeindehaus ist inzwischen auf 3,9 Millionen Franken angewachsen. Zur Abstimmung über den Baukredit kam es an diesem Abend aber, wie angekündigt, nicht. «Wir sind noch nicht so weit, dass wir einen ­seriösen Antrag stellen können», gestand Gemeindepräsident Bosshard. Grundsätzlich sei man auf Kurs gewesen. Der letzte Kostenvoranschlag habe jedoch eine gesamte Bausumme von 4,5 Millionen Franken ergeben, also deutlich über den anvisierten 3,9 Millionen Franken. Diesen Kostenanstieg habe der Gemeinderat nicht mehr vertreten können. «Deshalb haben wir entschieden, den Antrag zu vertagen und das Projekt nochmals vertieft auf Notwendigkeiten und Ausführungsstandards zu prüfen.» Dies habe sich bereits gelohnt. «Stand heute konnten wir die Kosten bereits um 300 000 Franken senken.»

Der neue Fahrplan sieht vor, am 27. August eine ausserordentliche Gemeindeversammlung einzuberufen, um über die Sanierung und Erweiterung des Gemeindehauses zu informieren und den Baukredit zu beantragen. Wahlen waren ebenso Thema an der Versammlung. Am 29. November wird auch in Erlen der Gemeinderat neu gewählt. Alle Mitglieder stellen sich zur Wiederwahl, informierte Gemeindepräsident Bosshard. «Darüber bin ich froh, vielen Dank!»

Gleich zu Beginn wurde der freie Sitz in der Rechnungsprüfungskommission besetzt. Marc Jakobs, wohnhaft in Erlen, stellte sich den Anwesenden kurz vor und wurde einstimmig gewählt. Wie auch in Sulgen gab es im Anschluss Informationen über das Ärztezentrum (der Neue Anzeiger berichtete). Thomas Bosshard: «Ärzte zu finden, ist generell eine Herausforderung. Es war die richtige Entscheidung von uns, laufend an der Rekrutierung dranzubleiben.»

Erfreuliches Geschäftsjahr

Auch die Schule Erlen hat ein sehr erfreuliches Geschäftsjahr hinter sich, wie Schulpräsident Pablo Hirsbrunner anmerkte. Seine Ausführungen zur deutlich positiv abschliessenden Rechnung 2025 (der Neue Anzeiger berichtete) liessen keine Fragen offen. Die Rechnung wurde einstimmig genehmigt, ebenso wie die vorgeschlagene Gewinnverwendung, 480 000 Franken der Vorfinanzierung für Erneuerungsmassnahmen am Sekundarschulhaus und 226 000 Franken dem Erneuerungsfonds zuzuweisen. Ebenso einstimmig genehmigten die Stimmberechtigten die Bauabrechnung vom Schulhaus Andwil, wo der Brandschutz auf Vordermann gebracht sowie die Schliessanlagen und die Beleuchtung erneuert wurden. Mit ­einer Abweichung von lediglich 542.90 Franken gegenüber dem Budget gelang praktisch eine Punktlandung. Die Rechnung der Alfred-Lienhard-Gedenkstiftung wurde diskussionslos genehmigt. Die Stiftung hat im Jahr 2025 keine Förderbeiträge gesprochen.

Kita startet plangemäss

Unter dem Traktandum «Mitteilungen» informierte Schulpräsident Pablo Hirsbrunner über Änderungen bei der familienergänzenden Betreuung Colori. In der letzten Woche der Sommerferien zügelt das Angebot zurück in die Alte Turnhalle. Neu wird es mehr Mittagstischplätze geben. Allerdings musste die Tarifstruktur angepasst werden. Die Anmeldung für Plätze in der neuen Kita sei ab sofort möglich. «Wir informieren die Eltern brieflich», sagte er. Zum Schluss wies er auf die Einweihung des Neubaus und der sanierten alten Turnhalle am 5. September hin. Dann wird auch der neue Name für die Turnhalle bekannt gegeben. «Wir freuen uns schon riesig, diesen Anlass mit Ihnen gemeinsam zu feiern.»

Stefan Böker