Freitag, 29 Mai 2026
Sulgen. Die Gemeindeversammlung traf am Dienstag zukunftsweisende Entscheidungen. Das «Kässeli» für die mit der SBB zusammen geplante Bahnunterführung füllt sich. An der Versammlung gab es zudem mehrere Neuigkeiten zu erfahren.
Die Sulger Gemeindeversammlung hat alle Anträge des Gemeinderats ohne oder nur mit vereinzelten Gegenstimmen angenommen. 125 Anwesende, darunter 12 Gäste ohne Stimmberechtigung, kamen in den Auholzsaal. Das entspricht bei aktuell 2413 Stimmberechtigten einer Beteiligung von 4,7 Prozent. Gemeindepräsident Andreas Opprecht führte zügig durch die Rechnung 2025. Aus der Versammlung gab es dazu keine Wortmeldungen.
Unter anderem erläuterte er die Gewinnverwendung. Der Gemeinderat beantragte, 500 000 Franken vom Brutto-Ertragsüberschuss in die Vorfinanzierung für die Verlängerung der SBB-Personenunterführung zu stecken.
Ein wichtiges Projekt
Vorgängig der Versammlung wurde im Rahmen einer Info-Veranstaltung zum Sulger Turm auch über die SBB-Personenunterführung informiert (der Neue Anzeiger berichtete). Gemeindepräsident Opprecht betonte nochmals die Bedeutung der Unterführung vor dem Hintergrund der grossen Bautätigkeit im Dorf. Doch nicht nur die zukünftigen Wohnungen auf dem Sulvag-Areal sowie die Lernenden des geplanten Berufsbildungscampus würden davon profitieren, sondern das gesamte Unterdorf und Bleiken ebenso. «Es ist vernünftig, wenn wir jetzt schon dafür Geld zurücklegen», sagte er und verglich das Vorhaben mit der wegweisenden Entscheidung, die Unterführung im Industriegebiet auszubauen. Diese Strassenverbesserung wurde 2001 umgesetzt und habe die wirtschaftliche und bauliche Entwicklung enorm gefördert. «Auch damals gab es Gegner, denen die Kosten zu hoch erschienen. Doch heute wissen wir: Es hat sich gelohnt», sagte er.
Die Versammlung genehmigte den Antrag, zusätzlich zu den 500 000 Franken weitere 700 000 Franken aus der Neubewertungsreserve für die Vorfinanzierung der Bahnunterführung zu verwenden. Damit ist das entsprechende «Kässeli» bereits mit 1,2 Millionen Franken gefüllt. Ob dieses Geld wirklich eingesetzt wird, entscheidet die Gemeindeversammlung, wenn das Projekt spruchreif wird. Weitere sechsstellige Beträge wurden gesprochen, um die Sanierung der Auwiesen-strasse und die Sanierung der Mülldeponie Hessenreuti/Riedt vorzufinanzieren. Der verbleibende Gewinn der Rechnung sowie Mittel aus der Neubewertungsreserve fliessen in den Bilanzüberschuss.
Im Weiteren informierte Gemeinderätin Maja Brühlmann Zwahlen zum Sulger Turmprojekt. Sollte die Baubewilligung erteilt werden, will der Gemeinderat einen Baukredit an einer der kommenden Gemeindeversammlungen beantragen. «Wenn nicht, müssen wir über die Bücher.» Aktuell sind Einsprachen gegen das Baugesuch hängig. Der Bau des Aussichtsturms ist im Pfaffenholz über Bleiken vorgesehen.
Ärzte bald wieder komplett
Neuigkeiten vom Ärztezentrum Aach-ThurLand überbrachte Gemeinderat Werner Herrmann. Ab Herbst soll das Team mit einer jungen Ärztin und einem jungen Arzt wieder fünfköpfig sein. Ab August werde das Ärztezentrum zudem einen zweiten Lehrling ausbilden. Ein Ausbildungsprogramm für Hausärzte sei in Vorbereitung. Auf Nachfrage informierte Gemeindepräsident Andreas Opprecht noch zur Überprüfung des Verkehrskonzepts für alle Sulger Ortsteile, beginnend mit Donzhausen. Diese Überprüfung wurde vor einem Jahr angekündigt. Es sei bisher nicht gelungen, eine mehrheitsfähige Lösung zu finden, so Opprecht.
Am 29. November finden die Gesamterneuerungswahlen des Sulger Gemeinderats statt. Wie an der Gemeindeversammlung am Dienstagabend bekannt wurde, tritt Gemeinderat Michael Mannale nicht mehr zu Wiederwahl an. Im Gespräch mit dieser Zeitung begründete Michael Mannale seine Entscheidung damit, seine Prioritäten neu ordnen zu wollen. «Ich habe im Winter einen schweren Arbeitsunfall erlitten», sagte der Landwirt und selbstständige Unternehmensberater aus Hessenreuti. «Das hat mich zum Nachdenken gebracht, wie und wofür ich meine Zeit künftig einsetzen möchte.»
Michael Mannale wurde 2023 gewählt. Wenn er 2027 aus dem Amt scheidet, wird er eine volle Legislatur im Sulger Gemeinderat absolviert haben. Er habe das Amt immer gerne ausgeführt und vieles werde ihm fehlen, sagte er. «Aber über die neu gewonnene Zeit werde ich mich sicherlich freuen.» Der Vater von zwei Kindern will mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Gleichzeitig ist er aktuell mit dem Aufbau seines eigenen Unternehmens beschäftigt und engagiert sich zudem bereits in mehreren Gremien. Für den 40-Jährigen bedeutet der Rückzug jedoch keinen endgültigen Abschied aus der Politik. Er könne sich gut vorstellen, wieder in die Lokalpolitik einzusteigen, wenn es seine Lebenssituation besser zulässt.
Gemeinderat Mannale ist SVP-Mitglied und steht dem Ressort Umwelt und Entsorgung vor. Dabei ist er unter anderem Delegierter mehrere Verbände. Aktuell beschäftigt ihn die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe zur Überprüfung des KVA Neubaus am meisten. Die übrigen Gemeinderatsmitglieder sowie Gemeindepräsident Andreas Opprecht stellen sich erneut zur Wahl.
Stefan Böker
