Freitag, 17. Juli 2026

Schönenberg. Nach fast zehn Jahren schliesst die Kita BiberBau in Schönenberg im Oktober ihre Tore. Ein drastischer Geburtenrückgang und fehlende Perspektiven zwangen die Verantwortlichen zu diesem einschneidenden Schritt.

Wo jahrelang fröhliches Kinderlachen durch die Räume hallte, herrscht bald Stille. Die Kita BiberBau in Schönenberg schliesst per 1. Oktober 2026 ihre Tore. Diese Nachricht traf die Gemeinde unvorbereitet und löste tiefe Betroffenheit aus. Fast zehn Jahre lang war die Institution eine feste Säule für berufstätige Familien, ein Ort des Vertrauens und der frühen Gemeinschaft. Sowohl die erste Betreiberin als auch die Gemeinde hatten viel Energie und Herzblut investiert, um einen funktionierenden Betrieb aufzubauen. Entsprechend gross ist nun die Ernüchterung im Dorf.

Gemeinderätin Karin Brühlmann, zuständig für Bildung, Integration, Gesellschaft und Marketing, fand klare Worte für die Situation. Die Nachricht der Schliessung habe die Gemeinde nur wenige Tage vor dem Elternabend erreicht. «Wir sind uns der herausfordernden Situation stets bewusst gewesen, waren aber aufgrund der Kurzfristigkeit sehr erstaunt und auch nachdenklich, enttäuscht und traurig», schildert Brühlmann die Gemütslage. Man bedauere die Folgen für Eltern und Mitarbeitende ausserordentlich, aber man wisse, dass eine gute Auslastung, welche für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendig gewesen wäre, über die gesamte Zeit eine grosse Herausforderung darstellte. Die Gemeinde habe regelmässig Werbeflächen und finanzierte Schnuppermonate zur Verfügung gestellt.

Kampf gegen schwindende Zahlen

Die Ursachen liegen primär in der Demografie. Geschäftsleiter Daniel Costa blickt auf eine dramatische Entwicklung zurück. Innerhalb von nur 13 Monaten musste die Kita 21 Austritte verzeichnen, da Kinder die Einrichtung altersbedingt verliessen. Demgegenüber stand eine verschwindend geringe Nachfrage nach neuen Plätzen. «Statistisch gesehen sind die Geburtenzahlen in den letzten Jahren drastisch gesunken», erklärt Costa enttäuscht und ergänzt: «Daraus ergab sich ein unüberbrückbares finanzielles Defizit.» Zudem bestehe in Kradolf-Schönenberg ein grosszügiges alternatives Betreuungsangebot, weshalb Eltern nicht zwingend auf eine Kita angewiesen seien.

Die Probleme begannen nicht erst gestern. Im September 2024 übernahm der BiberBau die Trägerschaft von «Hello Kita» und investierte ebenso viel Energie und Herzblut in die Kita Schönenberg, um dem gefährdeten Standort eine Chance zu geben. Schon im Sommer 2025 folgten zehn Austritte in den Kindergarten. Erste Personalreduktionen wurden nötig, und nur dank einer Finanzspritze der Gemeinde lief der Betrieb weiter. «Heuer verlassen weitere elf Kinder die Kita», sagt Costa. «Neue Anfragen fehlen.» Weitere Personalreduktionen waren aus regulatorischen und moralischen Gründen unzumutbar, musste die Geschäftsleitung des BiberBaus am Ende mit grossem Bedauern einsehen.

Keine Hoffnung auf schnelle Besserung

Aus eigener Kraft liess sich das Defizit nicht mehr stemmen. Ein erneuter Antrag auf Unterstützung wurde vom Gemeinderat abgelehnt. Das zu stopfende Loch sei ohne Perspektive auf Besserung schlicht zu gross gewesen, so Costa. Genaue Zahlen zu betroffenen Familien nennt die Kita nicht. Für die Angestellten gibt es immerhin eine Perspektive. Zwei Mitarbeitende wechseln im Oktober in den BiberBau nach Bürglen beziehungsweise Weinfelden. Costa betont seine grosse Dankbarkeit für die Loyalität des Teams, das alle Erhaltungsmassnahmen mitgetragen habe.

Die Gemeinde Kradolf-Schönenberg blickt trotz der Hiobsbotschaft nach vorne. Ein Angebot zur Verfügung zu stellen, bleibe laut Karin Brühlmann eine Herzensangelegenheit. Für die Betreuung bis zum Kindergarteneintritt befinde man sich aktuell im Aufbau einer Nachfolgelösung mit einer neuen Betreiberin. Für ältere Kinder ab dem Kin­dergartenalter bietet der Verein FAME während der Schulzeit bereits ein vollumfängliches Betreuungsangebot in Kradolf an. Was mit den alten Räumen geschieht, ist derweil noch völlig unklar – dies liegt ganz in der Entscheidungsgewalt des Eigentümers.

Benjamin Schmid