Freitag, 31. Juli 2026
Sulgen. Mirjam Huber aus Sulgen wagt eines der wohl grössten Abenteuer ihres Lebens: Sie wandert mit ihren Tieren nach Costa Rica aus. Doch bis es so weit ist, muss noch einiges organisiert und geregelt werden – eine aufregende und zugleich elektrisierende Zeit für die einheimische Kinesiologin und Künstlerin.
Es ist niemals zu spät, neu anzufangen; jeder Augenblick birgt die Möglichkeit dazu. Diese Lebensweisheit hat Mirjam Huber ihr Leben lang beherzigt. Und in ihrer Rolle als Kinesiologin hat sie diesen Rat auch anderen Menschen mitgegeben und sie dabei unterstützt, neue Wege zu finden und zu innerer Ruhe zu gelangen.
Über 20 Jahre in Sulgen
Mirjam Huber hat ein bewegtes Leben mit vielen Stationen hinter sich gehabt, als sie zu Beginn des neuen Jahrtausends ein neues Sulger Kapitel aufschlug. An der Kirchstrasse 35 kaufte sie ein historisches Haus und verwandelte es eigenhändig in ein buntes Zuhause für sich und ihre Tochter, lebte sich kreativ als Malerin aus und eröffnete ihre «Praxis Mira».
Wer Mirjam Huber heute besucht, erlebt sie voller Tatendrang und in einer wohl ähnlichen Aufbruchstimmung wie damals. Noch immer bewahrt sie Zeitungsartikel über die Renovation, ihre Ausstellungen, Vorträge und ihre Praxis auf. Jetzt zeigt sie jedoch lieber Fotos von ihren Reisen nach Costa Rica. Wenn alles klappt, dann wird sie Anfang nächsten Jahres komplett nach Zentralamerika übergesiedelt sein. In Cahuita, einem 3000-Seelen-Dorf an der Karibikküste, umgeben von einem Nationalpark und üppiger Natur, will sie weiterführen, was in Sulgen begann.
«Ich habe mein Haus zum Verkauf ausgeschrieben», berichtet die 62-Jährige. «Schweren Herzens», wie sie sagt. Aber in Costa Rica sei es eben noch schöner. Wenn alles klappt, dann wird sie für ihre «Villa Kunterbunt» einen guten Preis erzielen, denn mit dieser hat sie eine bemerkenswerte Wohn- und Arbeitswelt geschaffen. Besonders ins Auge fallen die freigelegten Holzbalken, welche die alte Bausubstanz erahnen lassen. Heute wirken die Wohnräume offen, hell und grosszügig. Wanddurchbrüche ermöglichten lichtdurchflutete Räume. Unter dem Dach befinden sich die Schlafräume und ihr beeindruckendes Atelier. Im Keller baute sie mit Sauna, Whirlpool und Eisbad eine komplette Wellnessoase.
Ihren Handyvertrag habe sie bereits gekündigt, erzählt die lebenslustige Frau. Mit dem Packen hat sie auch schon angefangen. Im Parterre stapeln sich Gegenstände, auf die sie nicht verzichten will. Ein ganzer Container soll mit nach Costa Rica reisen. «Da kann ich sogar mein Fitnessgerät und meine Lieblingsmöbel mitnehmen», meint sie. Etwas aufwändiger wird der Transport ihrer geliebten Tiere. Hündin Shila ist bereits 19 Jahre alt. Für sie ist die Reise zu beschwerlich; eine Freundin wird sie aufnehmen. Der aufgeweckte, dreijährige Labrador Maloy kommt aber mit, ebenso die beiden Katzen Chiara und Simba sowie ihr schöner, 19-jähriger Araber Wallach. Mirjam Huber will in Cahuita ihr umfangreiches Beratungsangebot weiterführen, am besten in Kombination mit Pferdetherapie und Ausflügen in die schöne Natur. Langfristig kann sie sich auch Komplettangebote mit Unterkunft und Anreise vorstellen.
Mit Töffli oder Ross
Damit sie in Costa Rica mobil ist, hat sie das ausgemusterte Töffli ihrer Tochter wieder fit gemacht – wie man die patente Frau kennt, mit viel Eigenarbeit plus zusätzlicher Unterstützung des Teams von Cycle World in Sulgen, welches die Kupplung des Kult-Mofas wieder einstellte. Mit Töffli plus Anhänger will sie fortan die wenigen Kilometer von ihrem Stück Land bis zum Dorf zurücklegen. Oder zu Ross natürlich.
Im Oktober fliegt sie das nächste Mal an die Karibikküste. Vor der Auswanderung stehen noch zahlreiche Formalitäten an – von Rentenansprüchen bis zur Krankenkasse. Darum kommt sie im Winter nochmals zurück, um sich dann Anfang 2027 endgültig zu verabschieden. «Davor möchte ich allerdings nochmals zu einem ‹Open Weekend› einladen», kündigt sie an und lächelt. «So wie 2003 bei meiner ersten Ausstellung in meinem wunderschönen, langjährigen Zuhause.»
Stefan Böker
