Freitag, 31. Juli 2026

Sulgen. Vom Ostschweizer Grand Prix bis zur Formel 2, vom selbst gebauten Rennwagen bis zur erfolgreichen Familienfirma HORAG: Markus Hotz hat den Schweizer Motorsport über Jahrzehnte geprägt.

Wer Markus Hotz in Sulgen in seinem kanadischen Blockhaus besucht, merkt schnell: Hier sitzt keiner, der vergangenen Erfolgen nachtrauert. Auf dem Tisch steht sein legendärer, selbst gekochter Risotto, den Freunde scherzhaft als den «besten überhaupt» bezeichnen. Der Jubilar erzählt lieber von Menschen als von Pokalen, lieber von Freundschaften als von Titeln. Und dennoch gäbe es über seine sportlichen Erfolge mehr als genug zu berichten. Am 21. Juli durfte Markus Hotz seinen 85. Geburtstag feiern. Rennfahrer, Konstrukteur, Teamchef, Unternehmer und Familienmensch – kaum jemand hat den Schweizer Motorsport über so viele Jahrzehnte hinweg so nachhaltig geprägt wie der Sulger.

Ein Kindheitstraum

Alles begann in Sulgen. Sein Vater Jules führte eine Schmiede, seine Mutter kümmerte sich um die Familie. Nur wenige Kilometer entfernt fand zwischen 1948 und 1951 der legendäre Grand Prix der Ostschweiz in Erlen statt. Dort wurde der Grundstein für eine aussergewöhnliche Karriere gelegt. Zusammen mit seinem Vater fuhr der kleine Markus jeweils mit dem Velo nach Erlen. Hinter den einfachen Holzabsperrungen verfolgte er die Rennen von Grössen wie Stirling Moss, Hans Stuck, Emmanuel de Graffenried oder Luigi Villoresi. «Ich wollte damals einfach auch Rennfahrer werden», erinnert er sich. Sicherheitszäune oder Auslaufzonen gab es kaum. Die Zuschauer standen direkt an der Strecke – heute kaum mehr vorstellbar. Für Markus Hotz sind diese Bilder bis heute unvergesslich.

Rennwagen im Holzschuppen

Nach der Lehre als Maschinenschlosser bei Saurer in Arbon schien der Traum vom Rennsport zunächst unerreichbar. Ein Formelrennwagen war für einen jungen Mechaniker schlicht unbezahlbar. Die entscheidende Wende brachte ein Besuch auf dem Nürburgring. Dort entdeckte Markus Hotz die ersten Formel-V-Rennwagen aus Amerika. Die Konstruktionen überzeugten ihn wenig – gleichzeitig entstand die Idee, selbst einen Rennwagen zu bauen. Gemeinsam mit Freunden entstand in einem ungeheizten Holzschuppen sein erstes Rennauto. Das Budget war knapp. Eine ausrangierte VW-Vorderachse vom Autoabbruch Brülhart in Donzhausen bildete die Grundlage der Konstruktion. Mit diesem selbst gebauten Rennwagen bestritt Markus Hotz zwischen 1966 und 1968 seine ersten Rennen. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Bereits 1967 gewann er das internationale Steinbock-Bergrennen in Gargellen und machte erstmals überregional auf sich aufmerksam.

Das LISTA Racing Team

Die Nachricht vom talentierten Rennwagenbauer aus Sulgen sprach sich rasch herum. Eines Tages meldeten sich Fredy Lienhard und Bruno Wettstein. Sie wollten ebenfalls einen Formel-V-Rennwagen kaufen. Da Markus Hotz weder genügend Platz noch finanzielle Mittel besass, stellte ­Alfred Lienhard den jungen Konstrukteuren Räumlichkeiten im Keller der LISTA-Fabrik in Erlen zur Verfügung. Daraus entstand das legendäre LISTA Racing Team. Zusammen mit Fredy Lienhard, Bruno Wettstein und Oscar Pfister baute Markus Hotz die ersten Formel-V-Rennwagen «made in Thurgau». Gleichzeitig entwickelte sich eine Freundschaft zwischen Hotz und Lienhard, die bis heute anhält. Als Anfang der 1970er-Jahre die neue Formel Super V eingeführt wurde, konstruierte Markus Hotz bereits das nächste Fahrzeug. Insgesamt entstanden 33 Rennwagen unter dem Namen HAS – Hotz Automobile Sulgen.

Zweimal Schweizer Meister

1974 wagte Markus Hotz den Schritt in die Formel 2. Einen eigenen Rennwagen konnte er sich nicht leisten. Das LISTA Racing Team stellte ihm deshalb einen March-Formel-2-Boliden zur Verfügung. Der Sulger zahlte das Vertrauen eindrücklich zurück. Gleich in seiner ersten Saison gewann er mit neun Siegen die Schweizer Formel-2-Meisterschaft. Dazu kamen der Schweizer Bergmeistertitel sowie der Gewinn des NSK-Cups. Auch international sorgte Markus Hotz für Aufsehen. Beim Europameisterschaftslauf am Schauinsland fuhr er der Konkurrenz davon und stellte einen neuen Streckenrekord auf. 1977 wiederholte er den Gewinn der Schweizer Formel-2-Meisterschaft. Seine damaligen Rennwagen sind heute in der autobau Erlebniswelt in Romanshorn ausgestellt.

HORAG und Sulgen

Neben dem Rennsport entwickelte sich auch das Familienunternehmen HORAG stetig weiter. Markus Hotz erwies sich nicht nur als erfolgreicher Rennfahrer, sondern ebenso als innovativer Unternehmer. Legendär wurden vor allem die HORAG-Turbo-Umbauten der VW-Golf-GTI-Modelle. Für viele junge Autofans der Ostschweiz galten sie in den 1980er-Jahren als das Mass aller Dinge. Später folgten Umbauten weiterer Modelle, unter anderem von Seat. Auch im internationalen Motorsport blieb HORAG erfolgreich. Gemeinsam mit Fredy Lienhard feierte das Team zahlreiche Siege. 2008 gewann HORAG Racing mit einem Porsche RS Spyder die Michelin Green X Challenge für besondere Energieeffizienz.

Die nächste Generation

2011 übergaben Markus und Ursula Hotz die operative Leitung des Unternehmens an ihre Söhne Benjamin, David und Lukas. Gleichzeitig entstand in Sulgen ein moderner Erweiterungsbau aus Holz mit einem damals wegweisenden Energiekonzept. Selbst bei diesem Projekt blieb der Motorsport präsent: Die Berechnungen zur Energieeffizienz stammten vom bekannten Formel-1-Motorenbauer Mario Illien. Auch die Rennsportleidenschaft lebt in der Familie weiter. Sohn Benjamin gewann zwischen 2018 und 2021 viermal in Folge die Internationale SCC Sports Car Challenge.

Mit Markus Hotz feierte einer der be­deutendsten Schweizer Rennfahrer und Rennwagenkonstrukteure seinen 85. Geburtstag. Sein Name ist untrennbar mit Sulgen, dem Schweizer Motorsport und einer Familiengeschichte verbunden, die bis heute weitergeschrieben wird.

Elio Crestani