Freitag, 27. März 2026

Schönenberg. Erst vergangene Woche berichtete der Neue Anzeiger über Querelen im Zusammenhang mit dem vor der Eröffnung stehenden Gesundheitszentrum neben der Thurbrücke. Jetzt melden sich ein aktueller und ein ehemaliger Geschäftspartner von Benno Andermatt zu Wort und fordern öffentlich dessen Rücktritt.

Hauptgrund für den Streit unter den Finanziers ist die medizinische Ausrichtung des Projekts. Benno Andermatts Vision sieht ein «Holistisches Kompetenz-Zentrum» vor. Im Neubau zwischen Kraftzentrale und Thur soll es keine Berührungsängste geben zwischen «therapeutischen oder homöopathischen Angeboten». So steht es auf der Homepage der Vermieterin, der Q-Med an der Thur. Ähnlich hat sich Benno Andermatt bereits mehrfach in den Medien geäussert.

Unnötige Verzögerung

Nun gehört die Q-Med an der Thur AG aber nicht ihm allein. Benno Andermatt fungiert zwar als Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident. Doch der zweite Verwaltungsrat heisst Walter Arnold – und dieser ist mit der aktuellen Situation sehr unzufrieden. Aus seiner Sicht ist der Aufbau eines solchen Zentrums schon komplex genug. Die besonderen Ansprüche von Andermatt würden das Projekt nur unnötig verzögern.

In einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz am Montag sprach Walter Arnold Klartext. Die Idee eines ganzheitlichen Gesundheitszentrums sei grundsätzlich wertvoll, sagte er. «So ein me­dizinisches Konzept spricht aber leider zu wenig potenzielle Ärztinnen und Ärzte an.» Was sich viele Fachpersonen wünschen, seien «klare Strukturen, professionelle Rahmenbedingungen und eine Ausrichtung, die sich an den etablierten Stan­dards der Schulmedizin orientiert». Oder – zusammenfassend ausgedrückt: «Wir wollen eine normale Hausarztpraxis.»

Zu Wort meldete sich auch Ludwig Oberholzer. Oberholzer war ebenfalls Verwaltungsrat der Q-Med an der Thur AG. Ausserdem gründete er zusammen mit Walter Arnold und Benno Andermatt die Waloba AG, die Mutterfirma der Q-Med an der Thur AG. Aus beiden Unternehmen ist Ludwig Oberholzer ausgetreten. Bisher hiess es diplomatisch: «Aus persönlichen Gründen.» Heute sagt Ludwig Oberholzer: «Ich war frustriert.» Es sei nicht mehr möglich gewesen, mit Benno Andermatt auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Einer der Hauptgründe auch für ihn: die holistische Ausrichtung des Ganzen. «Das schreckt viele Ärztinnen und Ärzte ab.»

«Er soll zurücktreten»

Walter Arnold und Ludwig Oberholzer sehen keine Zukunft mehr in der Zusammenarbeit mit Benno Andermatt. Sie bedauern, ihn als Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident eingesetzt zu haben. Gemeinsam fordern sie: «Er soll ­zurücktreten.» Das würde den Weg frei machen für neue Lösungen – und neue Köpfe an der Spitze. «Wenn Benno zurücktritt, gehen wir auch», versichern sie.

Zu Benno Andermatts Aufgaben gehörte es eigentlich, geeignete Ärztinnen und Ärzte für eine Hausarztpraxis zu finden. Für die Suche gründete Andermatt sogar eine eigene Firma, die Thur-Praxis AG. Wahrscheinlich wird diese Firma demnächst gelöscht und Andermatts Geschäftspartner bereuen, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Es sei ein Fehler gewesen, ihm so viel Freiheit zu gewähren. Dies auch, weil Benno Andermatt anscheinend jegliche Auskunft verweigerte und sich auf den Datenschutz berief. So kennen sie weder die Namen interessierter Personen noch Details über angeblich stattgefundene Bewerbungsgespräche. «Auch darum ist ein Neuanfang nötig», bekräftigen Walter Arnold und Ludwig Oberholzer.

Geduldsprobe für Gemeinde

An der Pressekonferenz waren mit dem Kradolf-Schönenberger Gemeindepräsidenten Heinz Keller und Gemeinderat Dominik Bosshart auch Vertreter der Gemeinde anwesend. Heinz Keller sprach angesichts der neuesten Entwicklungen von einer «Geduldsprobe» und kritisierte ebenfalls die schlechte Kommunikation vonseiten Benno Andermatt. Der Gemeindepräsident sagt weiterhin volle Unterstützung zu: «Wir werden uns dafür einsetzen, zeitnah geeignete medizinische Fachpersonen zu finden.» Auch vonseiten der Gemeinde wünscht man sich eine neue konzeptionelle Ausrichtung.

Walter Arnold fasste die Haltung der Beteiligten abschliessend zusammen: Da weniger als zehn Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte in der Schweiz holistisch arbeiten, müsse die Praxis für ein breiteres Spektrum geöffnet werden. Nur so lasse sich eine stabile und nachhaltige medizinische Versorgung in der Gemeinde sicherstellen. Für entsprechende Angebote bleibe man dennoch offen.

Stefan Böker