Freitag, 27. März 2026
Kradolf. Rund 100 Besucherinnen und Besucher erlebten im Kultur- und Kirchenzentrum Steinacker einen Abend voller Humor, Tiefgang und herzhaftem Gelächter. Comedian Cenk Korkmaz präsentierte sein Programm «Ratlos» – und verwandelte den Frühlingsanfang in ein kleines Glücksfest.
Bereits im Vorfeld stimmte Willi Benz, Co-Präsident des Kulturvereins Steinacker, das Publikum mit einem Augenzwinkern ein: Am Frühlingsanfang und am internationalen Tag des Glücks stehe die Schweiz aktuell auf Rang zehn der glücklichsten Länder. «Nach diesem Abend», so seine Hoffnung, «könnte es vielleicht noch weiter nach oben gehen.»
Heimspiel im AachThurLand
Als Cenk Korkmaz die Bühne betrat, tat er das mit einer Ruhe, die sofort Vertrauen schaffte. Der 38-Jährige, in Winterthur aufgewachsen, fühlte sich im AachThurLand sichtlich wohl, fast wie an einem Heimspiel, wie er sagte. Integration sei ihm schon immer wichtig gewesen, weshalb er bereits als Fünfjähriger «ziemlich gut albanisch verstanden» habe. Ein Satz, der das Publikum sofort zum Lachen brachte und den Ton für den Abend setzte: warmherzig, selbstironisch, nahbar.
Schon die ersten Pointen lösten herzhaftes Gelächter aus. Und dieses Lachen blieb zwei Stunden lang, mal leise glucksend, mal laut herausplatzend. Cenk mischte Familiengeschichten mit Alltagsbeobachtungen, gesellschaftlichen Absurditäten und philosophischen Gedankensprüngen. Er hinterfragte Redewendungen wie «Hals- und Beinbruch» («Warum wünscht man nach einem tödlichen Halsbruch auch noch einen Beinbruch?») oder die vermeintliche Verbindung zwischen Mut und «grossen Eiern». Seine Analysen waren messerscharf, aber nie verletzend – eher liebevoll entlarvend.
Im Zentrum seines Programms standen Familiengeschichten: die Hochzeit einer Cousine, die Verkündung einer Schwangerschaft, Gender-Reveal- und Babyshower-Partys. Cenk erzählte von einem Familienuniversum, das vielen im Saal nur allzu vertraut vorkam.
Dazwischen driftete er ab in die Welt der Märchen, mokierte sich über die Logik von Aschenputtel, Rotkäppchen oder Schneewittchen. Auch scheinbar banale Begriffe wie «Angstbisi» nahm er unter die Lupe und stellte sie in einen evolutionären Kontext. Seine Schlussfolgerung: Im Angesicht eines Säbelzahntigers wären Flucht oder Kampf wohl sinnvoller gewesen als sich in die Hosen zu machen. Immer wieder schweifte Korkmaz in philosophische oder absurde Gefilde ab, nur um kurz darauf elegant zur Ausgangsgeschichte zurückzukehren. Diese Rückgriffe – sogenannte «Backflashes» – sorgten für zusätzliche Lacher und gaben dem Programm Struktur.
Humor mit Tiefgang
Cenk brauchte keine Requisiten, keine Effekte, keine lauten Gesten. Sein Werkzeug ist seine ruhige Art, sein schelmisches Lächeln und die Fähigkeit, alltägliche Situationen so zu sezieren, dass man sich selbst darin wiedererkennt. Er spielte mit Klischees, Geschlechterrollen und kulturellen Unterschieden, ohne je belehrend zu wirken. «Das Leben schenkt uns keine Zitronen», sagte er an einer Stelle, «viele unserer Probleme machen wir uns selbst.» Ein Satz, der hängen blieb und dennoch leichtfüssig daherkam. Auch sprachlich nahm er das Publikum mit auf eine Reise: vom Traum eines Fussball-Länderspiels Schweiz–Türkei über die Frage, wie Männer und Frauen eine offene Chipstüte unterschiedlich verräumen, bis hin zu absurden Werbeslogans. Alles wirkte spontan, aber präzise gesetzt.
Die Reaktionen nach der Show sprechen für sich. «Mega lässig», sagte ein Paar, «Cenk verbindet Alltagscomedy mit tiefgründigen Lebensweisheiten; wir fühlten uns bestens unterhalten.» Andere nannten seinen Humor «arschgeil» und lobten seine analytische Art, die sie «voll in den Bann gezogen» habe. Auch jüngere Besucherinnen zeigten sich begeistert. Eine 20-Jährige sagte, sie werde den Auftritt ihren Freundinnen weiterempfehlen, und selbst wenn sie nicht alle Anspielungen gekannt habe, hätten die Pointen gezündet.
Mehrere Gäste betonten, dass sie Cenk bereits aus dem Fernsehen kannten, live sei er aber «noch viel präsenter und lustiger». Und ein älterer Herr fasste es treffend zusammen: «Er beschreibt Alltagssituationen wie kein anderer: humorvoll, ohne Grenzen zu überschreiten. Ein sympathischer Geschichtenerzähler, der ohne Effekthascherei ein ganzes Haus zum Lachen bringt.»
Abend, der glücklich macht
Am Ende verliess ein sichtlich zufriedenes Publikum den Saal. Vielleicht hatte Willi Benz recht behalten: Wenn Glück messbar wäre, hätte Kradolf an diesem Abend definitiv ein paar Punkte gutgemacht. Cenk Korkmaz hat gezeigt, dass man auch dann lachen kann, wenn man – wie er selbst – manchmal «ratlos» ist. Und vielleicht liegt genau darin das Geheimnis eines richtig guten Comedy-Abends.
Benjamin Schmid
