Freitag, 22 Mai 2026

Sulgen. Die Peregrina-Stiftung eröffnet an der Waldstrasse 5 ein neues Schulzentrum für Asylsuchende. Diese erhalten dort Deutsch­unterricht und Integrationslektionen. Neuigkeiten gibt es zudem von der Asylunterkunft des Bundes. Erstmals seit Ende 2020 sind in Sulgen vorübergehend keine Asylsuchenden mehr untergebracht.

Nach den Sommerferien, spätestens aber im Herbst, soll das neue Schulzentrum der Peregrina-Stiftung den Betrieb aufnehmen. Bis dahin sollten alle baulichen Massnahmen sowie die interne Planung abgeschlossen sein. «Wir haben gezielt nach geeigneten Immobilien gesucht», sagt Geschäftsführer Eberhard Wörwag. Denn die Peregrina-Stiftung möchte ihr Schulungsangebot an zwei Standorten im Thurgau zentralisieren. Bislang findet der Unterricht direkt an den jeweiligen Betreuungsstandorten statt, beispielsweise im Durchgangsheim in Kradolf. Von der Zentralisierung verspricht man sich effizienteren und qualitativ besseren Unterricht. Mit den leer stehenden Büros an der Waldstrasse 5, in denen sich während vieler Jahre ein Architekturbüro befand, habe man bezüglich Grösse, Raumaufteilung, Lage und Anbindung an den ÖV das passende Gebäude gefunden, so Wörwag.

Drei Schulklassen

Gegen das Baugesuch zur Umnutzung von Büros zu Schulungsräumen ist keine Einsprache eingegangen. Der Umbau sieht leichte Anpassungen vor: zusätzliche Wände in Leichtbauweise, neue Türen und Toiletten sowie Brandschutzmassnahmen. Unterrichtet werden Personen mit zugesprochenem Bleiberecht. «Der Fokus liegt auf Erwachsenen», sagt Eberhard Wörwag. Die Teilnehmenden reisen von ihren Betreuungs­standorten an und kehren nach dem Unterricht wieder dorthin zurück. Je nach Status besuchen sie den Unterricht zwei- bis fünfmal pro Woche. Dabei lernen sie Deutsch und erhalten Integrationslektionen, die wichtige Informationen über das Leben in der Schweiz, kulturelle Aspekte und rechtliche Rahmenbedingungen umfassen. Geplant sind drei Klassen mit bis zu zwölf Personen. «Voraussichtlich werden inklusive Mitarbeitender rund 50 Personen vor Ort sein», sagt der Geschäftsführer.

Klare Hausordnung

Für die Nachbarschaft fand bereits eine Informationsveranstaltung statt. Ab dem  Schulbeginn können sich die Nachbarinnen und Nachbarn auch direkt an die Verantwortlichen vor Ort wenden. Die Peregrina-Stiftung will durch klare Hausordnungen, Verhaltensregeln und definierte Abläufe einen geordneten Betrieb sicherstellen, so Wörwag.

Grosse Bedeutung

Der Sulger Gemeinderat misst der neuen Schule grosse Bedeutung zu. «Für die Asylsuchenden, die von der Peregrina-Stiftung im Auftrag des Kantons betreut werden, ist dies ein wichtiges Projekt zum raschen Erlernen der deutschen Sprache und zur Integration in unserem Land», erklärt der Sulger Gemeindepräsident Andreas Opprecht. Dennoch sei es auch für den Gemeinderat wichtig, dass um das Areal Ordnung herrsche und keine Lärmbelästigung für die Nachbarschaft entsteht, so Opprecht. In Zukunft werde ein halbjährlicher Austausch zwischen den verantwortlichen Personen vom Schulzentrum und der Gemeinde Sulgen stattfinden.

Wie Eberhard Wörwag ergänzt, passen die Lehrpersonen den Stundenplan an die ÖV-Verbindungen an. Da die Anreise ausschliesslich mit dem ÖV und zu Fuss erfolgt, sei keine zusätzliche Verkehrsbelastung zu erwarten. Das Konzept der Schulstandorte befinde sich zwar noch in einer Testphase. «Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Standort für mehrere Jahre betrieben wird», kündigt er an.

Temporäre Schliessung

Die neue Peregrina-Schule wird nur wenige Meter entfernt von der Truppenunterkunft (ALST) eröffnen, die sich gegenüber des Auholzsaals befindet. Diese Unterkunft nutzt das Staatssekretariat für Migration (SEM) seit Herbst 2015 für Asylsuchende. In den vergangenen Jahren waren dort zwischen 50 und 100 Personen untergebracht. Aktuell sind die Asylgesuchszahlen jedoch gesunken. Darum wird die Unterkunft in der ALST seit Mitte Mai nicht mehr benötigt.

Wie ein Mediensprecher des SEM mitteilt, ist die Sulger Asylunterkunft seit Ende 2020 durchgehend in Betrieb gewesen. Normalerweise wären die Bewohnerinnen und Bewohner Mitte Mai in die Zivilschutzanlage unter dem Sekundarschulhaus Befang gezügelt. So war es bis anhin üblich, wenn das Militär die Truppenunterkunft belegte. Aufgrund der tiefen Belegung habe das SEM aber davon abgesehen und die Asylsuchenden in andere Bundesasylzentren verlegt, so der Sprecher. Die Schliessung sei temporär, stellt er klar: «Sobald der Kapazitätsbedarf wieder gegeben ist und die Armee die ALST nicht mehr nutzt, nimmt das SEM diese wieder in Betrieb.» Wie jedes Jahr werde das SEM den Kapazitätsbedarf bis zum Herbst abwägen und dann entscheiden, ob es den jährlichen Vertrag mit der Gemeinde Sulgen erneuern will. Aktuell betreibt das SEM schweizweit über 30 Unterkünfte mit rund 7000 Plätzen.

Stefan Böker