Freitag, 29 Mai 2026
Sulgen. Trotz budgetiertem Millionen-Minus überrascht die VSG Sulgen mit einem starken Abschluss. An der Versammlung vom 1. Juni präsentiert Präsidentin Andrea Müller weit mehr als nur eine solide Jahresrechnung 2025.
Wenn Andrea Müller am Montagabend, 1. Juni, im Auholzsaal vor die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger tritt, hat sie eine Botschaft im Gepäck, die aufhorchen lässt. Wo man im Vorfeld mit Sorgenfalten und einem Defizit von fast einer Million Franken rechnete, herrscht nun eine erstaunliche Erleichterung: Die Jahresrechnung 2025 schliesst mit einem Minus von lediglich 184 000 Franken ab. Ein finanzielles Husarenstück, das vor allem den sprudelnden Steuereinnahmen zu verdanken ist, die mit rund 900 000 Franken massiv über den Erwartungen lagen. Zwar drückten tiefere Grundstückgewinnsteuern das Ergebnis leicht, doch eine umsichtige Ausgabenpolitik der Behörde half dabei, das Defizit im Zaum zu halten.
Gemeinsam unterwegs
Neben den Finanzen wird ein zweites Thema die Versammlung prägen: Die neue Vision der VSG Region Sulgen unter dem Motto «Gemeinsam unterwegs». Dieser Slogan ist weit mehr als nur eine hohle Phrase auf einem Flyer. Laut Andrea Müller ist diese Vision ein Abbild dessen, was im Schulalltag bereits gelebt wird. Ziel sei es, Jugendliche «anschlussfähig» für die Gesellschaft zu machen und für jedes Kind eine Lösung zu finden, die seinem Naturell entspricht. Dabei setzt Müller stark auf die Kooperation mit der Elternschaft: «Gegenseitiges Vertrauen ist der Schlüssel. Kinder müssen spüren, dass Schule und Eltern an demselben Strick ziehen.» Man wolle die Zusammenarbeit festigen, damit alle Kinder erfolgreich und selbstständig durch die Schulzeit gehen können.
Ein spannender Aspekt der neuen Ausrichtung betrifft den Umgang mit modernen Medien. Die VSG Region Sulgen will hierbei einen bewussten Gegenakzent zur totalen Digitalisierung setzen. Man habe früh hingeschaut und setze digitale Mittel dort ein, wo sie wirklich sinnvoll seien. Besonders in der Primarschule soll vermehrt «draussen» unterrichtet werden. «Wir wollen die Kinder animieren, draussen Erfahrungen zu sammeln und nicht nur im digitalen Raum», erklärt Müller den Ansatz. Verschiedene Schulbereiche und Projekte wie die «Projektwoche Zirkus» sollen dabei helfen, echte Erlebnisse in den Mittelpunkt zu rücken.
Schule als Ankerpunkt
«Schule muss heute mehr denn je ein Ort der Stabilität sein», betont die Präsidentin. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen und Unsicherheit den Alltag vieler Familien prägt, versteht sich die VSG Sulgen als Ankerpunkt. Das Beziehungsdreieck Kind–Eltern–Schule steht dabei im Zentrum. Es ist ein emotionales Versprechen: Niemand ist auf diesem Weg allein. Diese Haltung spiegelt sich auch in der tiefen Personalfluktuation von nur 5,2 Prozent wider – ein Wert, der in Zeiten des Lehrermangels fast schon an ein kleines Wunder grenzt und von einer hohen internen Zufriedenheit zeugt. Trotz der guten Stimmung bleibt der Druck auf die Infrastruktur hoch. Die Schülerzahlen steigen, besonders im beschaulichen Kradolf. Hier wird die Planung konkret: Der Planungskredit für den Erweiterungsbau ist bereits bewilligt, und das Siegerprojekt verspricht eine moderne Lernumgebung, die den pädagogischen Anforderungen der Zukunft gerecht wird. Es ist eine Investition in die nächste Generation, über die im November 2026 final abgestimmt wird.
Finanziell steht die Gemeinde auf einem soliden Fundament, auch wenn die Kantonsbeiträge deutlich tiefer ausfielen als geplant. Die gestiegene Steuerkraft pro Einwohner ist ein Indiz für die Attraktivität der Region, bringt aber auch Verantwortung mit sich. Der Steuerfuss bleibt für das kommende Jahr stabil bei 93 Prozent, ein wichtiges Signal an die Steuerzahler. Doch Müller weiss: Finanzielle Gesundheit ist Mittel zum Zweck. Das Ziel ist eine Schule, die Mut macht, sei es durch die Förderung digitaler Kompetenzen oder durch praxisnahe Schlussprojekte der Sekundarschüler, die den Übergang in die Berufswelt ebnen.
Benjamin Schmid
