Freitag, 8. Mai 2026

Kradolf-Schönenberg. Budgetiert hatte die Politische Gemeinde Kradolf-Schönenberg ein Minus. Stattdessen schliesst die Rechnung 2025 mit einem Überschuss von deutlich mehr als einer halben Million Franken ab. Das liegt unter anderem an unerwarteten Steuereinnahmen. Trotzdem bleibt die Steuerkraft im kantonalen Vergleich schwach.

Der Finanzausgleich im Kanton Thurgau sorgt dafür, dass die Gemeinden finanziell nicht zu weit auseinanderdriften. Gemeinden mit hohen Steuereinnahmen beziehungsweise hoher Steuerkraft zahlen Geld in einen gemeinsamen Topf ein. Gemeinden mit weniger Einnahmen erhalten daraus Unterstützung. So soll sichergestellt werden, dass alle Gemeinden ihre Aufgaben erfüllen und eine ähnliche Grundversorgung anbieten können. Entscheidend ist dabei vor allem die Steuerkraft, also wie viel Geld eine Gemeinde im Verhältnis zur Einwohnerzahl, verglichen mit den anderen Gemeinden, einnehmen kann.

Hoher Finanzausgleich

«Kradolf-Schönenberg hat in vergangenen Jahren mal mehr, mal weniger vom Steuerausgleich profitiert», erklärte Gemeindepräsident Heinz Keller vergangene Woche bei der Präsentation der Rechnung vor den Medien. Im vergangenen Jahr gab es allerdings einen Rekord. Die Gemeinde erhält über 450 000 Franken vom Kanton, was 110 000 Franken mehr als im Vorjahr entspricht. Pro Einwohner beläuft sich der Betrag auf 117 Franken. 2018 waren es 98 Franken pro Kopf, 2023 noch 50 Franken. Mehr gab es in den vergangenen sieben Jahren nie.

Gemeindepräsident Keller wies in diesem Zusammenhang auf Statistiken aus dem kommenden Jahresbericht wie die Bevölkerungsentwicklung hin. 2025 lebten zum Stichtag 3854 Personen in der Gemeinde, 14 weniger als im Vorjahr. Er erwähnte zudem die Einkommensstatistik. In seiner Gemeinde wiesen 2024 45 Prozent der Einwohner ein steuerbares Einkommen von weniger als 40 000 Franken im Jahr aus. 46 Prozent konnten bis zu 100 000 Franken ausweisen. Nur neun Prozent der Steuerpflichtigen kamen auf mehr als 100 000 Franken. Obwohl die Tendenz in den oberen Bereichen leicht steigend ist: «Mehr Einwohner heisst nicht zwingend mehr Steuerkraft», sagt Keller. Aktuell werde viel gebaut, so der Gemeindepräsident weiter. Ein baldiges Bevölkerungswachstum sei wahrscheinlich. In den vergangenen Jahren wuchs die Gemeinde oft schlagartig: Von 2022 bis 2023 beispielsweise gab es einen Anstieg um 85 Personen.

Unerwartete Steuergelder

Und obwohl Kradolf-Schönenberg vom Finanzausgleich profitiert, konnte die Gemeinde gleichzeitig mehr Steuern einnehmen als erwartet. Diese belaufen sich auf rund 350 000 Franken über Budget und 250 000 mehr als im Vorjahr. Diese Erträge liessen sich kaum mehr zuverlässig planen, bemängelt Keller. Genauso wie unerwartete Rückzahlungen im sozialen Bereich, welche zu einem gegenüber Budget um fast 300 000 Franken besseren Ergebnis führten.

Bei den Werken hob er die Rechnung des Elektrizitätswerks hervor, die wie bereits im Vorjahr einen Verlust (Netz und Handel) von deutlich über einer Million Franken auswies. Um diesen Verlust auszugleichen, musste die Gemeinde Schulden aufnehmen. Der Verlust im EW wirkt sich direkt auf die Gesamtverschuldung aus, wodurch sich die Pro-Kopf-Verschuldung auf 963 Franken erhöhte, was weiterhin als geringe Verschuldung bezeichnet werden könne. Eine Auswirkung dieses Resultates in der Elektrizität ist eine Reduktion des Eigenkapitals in der Spezialfinanzierung – diese wirkt sich auf den Bedarf von Fremdkapital aus. Ein Grund für das gegenüber Budget höher ausgefallene Minus sei nebst der Politik, Energiepreise für die Kunden stabil zu halten, die enorme Menge überschüssigen Solarstroms, so Keller. Strom, den die Gemeinde kaufen muss, aber nicht mehr verkaufen kann. «Weil es zu viel davon gibt», sagte er. «Mit jeder zusätzlich eingekauften Kilowattstunde bei starken Sonnentagen entsteht ein Verlust.»

Gesamthaft schliesst die Gemeinderechnung dennoch mit einem Ertragsüberschuss von rund 539 000 Franken ab. Budgetiert war ein Aufwandüberschuss von rund 197 000 Franken. Der Gemeinderat schlägt als Gewinnverwendung vor, die Vorfinanzierung für die Sanierung der Thurbruggstrasse mit 200 000 Franken auf 300 000 Franken zu erhöhen.

Weitere 200 000 Franken sollen dazu dienen, eine Vorfinanzierung für die Sanierung der Mehrzweckhalle Kradolf-Schönenberg zu schaffen. Die restlichen rund 139 000 Franken sollen dem Eigenkapital zugeführt werden.

Die Versammlung findet am Donnerstag, 28. Mai, um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Kradolf statt. Traktandiert ist ausserdem ein Kreditantrag über 330 000 Franken für den Ersatz der Mittelspannung-Schaltanlage MS Buchzelg in Neukirch an der Thur und die Einbürgerung einer Familie aus Nordmazedonien.

Stefan Böker