30. Oktober 2026
Sulgen/Hessenreuti. Der 27-jährige Lukas Harder aus Hessenreuti kandidiert am 29. November für den Sulger Gemeinderat. Der Betriebswirtschafter mit eigenem Treuhandbüro möchte die Anliegen der jungen Generation einbringen und sich für mehr Freizeitangebote und Begegnungsorte einsetzen.
Im Gespräch erzählt der SVP-Kandidat, weshalb ihm Mitmachen wichtiger ist als zu Hause darüber zu sprechen – und warum er auch in der Eishockeykabine gerne seinen Senf dazugibt.
Herr Harder, auf dem Eis wollen Sie als Stürmer Tore erzielen. Was möchten Sie im Sulger Gemeinderat ins Rollen bringen?
Ich möchte frischen Wind und Dynamik in den Gemeinderat bringen. Mit meinen 27 Jahren möchte ich insbesondere die Jungen vertreten. Ich komme aus der Gemeinde und möchte dazu beitragen, dass sie sich weiterentwickelt.
Welche Anliegen Ihrer Generation kommen in der Sulger Gemeinde-politik aus Ihrer Sicht bisher zu kurz?
In Gesprächen mit Leuten aus meinem Umfeld höre ich immer wieder, dass sie nach Weinfelden oder Amriswil ziehen, weil ihnen in Sulgen zu wenig läuft. Mir selbst gefällt es hier. Deshalb ist es mir wichtig, die Freizeitangebote weiterzuentwickeln und damit einen Beitrag zu leisten, dass junge Menschen bleiben möchten. Eine Gemeinde lebt davon, dass sich alle Generationen wohlfühlen. Wenn die Jungen bleiben, ist das auch für die Zukunft der Gemeinde und als Steuerzahler von Bedeutung.
Sie treffen in Hessenreuti jemanden, der Sie schon lange, seit Ihrer Kindheit kennt. Er fragt sie spontan: «Lukas, was zieht dich denn plötzlich ins Gemeindehaus?» Was antworten Sie ihm?
Ich finde, man sollte sich nicht nur über Dinge aufregen und darüber diskutieren, sondern sich auch selbst beteiligen. Wer mitreden möchte, sollte bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Grundsätzlich gefällt mir vieles in unserer Gemeinde. Meine Kandidatur ist deshalb keine Reaktion auf grosse Unzufriedenheit. Politik hat mich schon immer interessiert, auch wenn ich bisher wenig damit zu tun hatte. Jetzt möchte ich mich selbst einbringen.
Sie sind in Hessenreuti aufgewachsen und leben noch heute dort. Was soll in Ihrer Gemeinde unbedingt erhalten bleiben – und was dürfte sich verändern?
Das kleine Eisfeld im Winter sollte unbedingt erhalten bleiben, wenn es das Wetter zulässt. Es ist ein schöner Treffpunkt, an dem ich auch ehemalige Kollegen wiedersehe. Generell wünsche ich mir mehr Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung. Eine Outdoor-Crossfit-Anlage wäre beispielsweise eine Idee. Auch die Gastronomie könnte dazu beitragen, dass in Sulgen mehr läuft und zusätzliche Treffpunkte entstehen. Dafür würde ich gerne Impulse geben.
Als Betriebswirtschafter führen Sie ein Treuhandbüro. Welche Erfahrung aus Ihrem Berufsalltag würde Ihnen im Gemeinderat besonders helfen?
Das hängt auch davon ab, welches Ressort ich im Fall einer Wahl übernehmen würde. Im Bereich Finanzen könnte ich mein berufliches Wissen unmittelbar einbringen, etwa bei der Beurteilung von Anschaffungen und deren finanziellen Auswirkungen. In andere Themen würde ich mich einarbeiten. Ich experimentiere nicht einfach drauflos. Wenn ich aber eine Chance erkenne, habe ich den Mut, sie zu nutzen. Als Unternehmer braucht es diese Bereitschaft.
Sie kandidieren für die SVP, müssten im Gemeinderat aber die gesamte Bevölkerung vertreten. Wie würden Sie mit einem Anliegen umgehen, das Sie persönlich überzeugt, Ihre Partei jedoch ablehnt?
Ich bin seit rund zehn Jahren Mitglied der SVP und fühle mich ihr verbunden. Trotzdem gibt es in jeder Partei Positionen, die man stärker oder weniger stark teilt. Ich mache mir gerne ein eigenes Bild. Wenn ich hinter einem Anliegen stehen kann, ist für mich nicht allein entscheidend, ob es der Haltung der SVP entspricht.
Ein eigenes Unternehmen, Sport und künftig vielleicht ein politisches Amt: Wie schaffen Sie Platz für diese Aufgaben?
Ich studiere zudem Betriebsökonomie an der ZHAW und spiele neben dem Eishockey auch Golf. Ich habe gerne etwas zu tun, mir wird schnell langweilig. Die Kandidatur wäre aber kein Thema gewesen, wenn ich dafür keinen Platz hätte. Als Selbstständiger kann ich meine Tage flexibel gestalten. Abschalten bedeutet für mich nicht unbedingt, nichts zu tun. Oft hilft mir gerade der Wechsel zu einer anderen Tätigkeit, Abstand vom Berufsalltag zu gewinnen.
Wenn wir Ihre Freunde fragen würden, wer Lukas Harder abseits von Beruf und Politik ist: Was würden sie erzählen, das in keiner Wahlbroschüre steht?
Wahrscheinlich würden sie sagen, dass ich gerne meinen Senf dazugebe. Wenn wir beispielsweise in der Eishockeykabine über etwas abstimmen, beteilige ich mich an der Diskussion. Ich finde es spannend, unterschiedliche Meinungen auszutauschen.
Ausserdem bin ich ein offener Typ und probiere gerne Neues aus. Innovation interessiert mich. Und wenn etwas einmal nicht funktioniert, ist das auch in Ordnung.
Interview: Manuela Bruhin
