Freitag, 12. Dezember 2025
Schönenberg. Im Grünauquartier von Schönenberg leuchtet ein besonderer Adventszauber: Markus Bernhardsgrütter hat auch dieses Jahr seinen «kleinsten Weihnachtsmarkt» geöffnet. Zwischen Holzengeln, Sternen und warmem Werkstattduft finden Besucherinnen und Besucher nicht nur Geschenke, sondern echte Begegnungen und ein Stück Adventsruhe.
Wer an einem frostigen Adventsabend durch Schönenberg spaziert, entdeckt auf dem Vorplatz sanftes Licht. Auf einem liebevoll gestalteten Aussenstand reihen sich hölzerne Sterne, Engel und andere Unikate aneinander. Jedes Stück ein kleines Kunstwerk. Dahinter steckt Markus Bernhardsgrütter, Jahrgang 1956, wohnhaft an der Grünaustrasse. Von Beruf Schreiner, lebt er seit 2006 unter dem Namen «ächthölzig» sein intensives Hobby: Kunsthandwerk aus Holz.
Die Idee zum «kleinsten Weihnachtsmarkt» entstand aus der Corona-Not: «Als alle Ausstellungen abgesagt wurden, kam mir die Idee der Selbstbedienung», erzählt Bernhardsgrütter. «Die Umstände haben vieles geprägt, besonders in der dunklen Jahreszeit waren uns Engel und Sterne wieder näher.» Der Markt funktioniert seither ganz unkompliziert: Man stöbert, kombiniert, nimmt mit und bezahlt per Twint oder bar in die Kasse. Und tatsächlich: Die Atmosphäre wirkt wie ein kleiner Ruhepol im Advents-Trubel. Ein Schild lädt freundlich ein, zu verweilen. Der Holzduft und das warme Licht; alles wirkt unaufgeregt und wohltuend. «Klein, aber fein – natürlich, schlicht und einfach», fasst der Kunsthandwerker sein Konzept zusammen.
Jedes Stück ein Unikat
Was den Weihnachtsmarkt so einzigartig macht, ist die Liebe zum Material. Für Bernhardsgrütter ist Holz nicht nur ein genialer Werkstoff, sondern ein Geschenk der Natur. «In meiner geheizten Werkstatt vermittelt der Duft von Holz in der wohligen Wärme nicht nur Ideen für kreatives Schaffen, sondern auch ein gutes heimeliges Gefühl», sagt er und ergänzt mit einem Lächeln: «Fast himmlisch.» Nachhaltigkeit ist ihm dabei wichtig: «Kurz und bündig: Ja, ich verwende heimisches Holz.» Seine Lieferanten sind Bauern, Gartenbesitzer oder die Forstbetriebe in der Region. Selbst die Energie kommt von der Solaranlage auf dem Dach.
Die Herstellung bleibt echte Handarbeit. «Der Prozess beginnt mit der Kettensäge», erklärt er. Danach lagert das Holz manchmal jahrelang. Erst später wird es in der Werkstatt zum Unikat: kleine Sterne und Herzen werden gesägt, dekorative Engel aus Edelhölzern oder grosse Schalen, Vasen und auch Kugeln auf der Drechselbank gefertigt. «Hier lasse ich mich vom Holz leiten: Das Holz sagt mir, was es werden will.»
Besonders stolz ist er auf seine Engel: «Die rustikal-eleganten Engel aus heimischen Edelhölzern sind eine meiner Lieblingskreationen.» Die Mischung aus strukturierter Oberfläche und fein gedrechseltem Köpfchen sorgt dafür, dass jedes Stück Charakter hat.
Begegnungen, die bleiben
Der Markt ist mehr als ein Verkaufsstand. Er ist ein Ort der Begegnung. Den Schreiner berühren vor allem die Rückmeldungen: «Besucherinnen und Besucher sagen oft: ‹Mer müend halt jedesmol e chli go guune und stuune, öpps wieder öppis Neus hät.›» Und wenn Kinder einen kleinen Holzstern geschenkt bekommen und ihre Augen plötzlich leuchten, spürt man, dass Weihnachten manchmal ganz einfach sein darf.
Auch für die Zukunft hat Bernhardsgrütter klare Vorstellungen: keine Hektik, kein Druck. «Mein Glück ist, dass ich keinen Zeitdruck habe, nicht muss, sondern darf. Das ist die beste Voraussetzung, weiterhin kreativ zu sein.» Nächstes Jahr feiert «ächthölzig» sein 20-Jahr-Jubiläum. Vielleicht wird es dann wieder etwas Neues geben, vielleicht auch nicht. So wie das Holz entscheidet, entscheidet auch der Moment. Zum Schluss hat er noch einen Wunsch: «Ich wünsche mir für meine Besucherinnen und Besucher eine ruhige Vorweihnachtszeit ohne allzu viel Stress», sagt er. Und ergänzt augenzwinkernd: «Vielleicht singt dann ein Engel auf einem Stern – wie im hölzigen Himmel – ein kleines Halleluja in ihrer Stube.»
Der kleinste Weihnachtsmarkt von Schönenberg hat täglich bis am 24. Dezember geöffnet.
Benjamin Schmid
