Freitag, 19. Dezember 2025

Sulgen. Das im Januar eröffnete Ärztezentrum AachThurLand blickt auf das erste Betriebsjahr zurück. Die vorläufige Bilanz fällt positiv aus. Die Einrichtung zur medizinischen Grundversorgung der Gemeinden Erlen und Sulgen ist auf Kurs.

Es ist eine Entwicklung, die in vielen Landgemeinden Kopfzerbrechen bereitet: Alteingesessene Hausärzte gehen ohne geregelte Nachfolge in Pension, ratlose Patientinnen und Patienten bleiben zurück. Damit es in ihren Gemeinden nicht so weit kommt und die medizinische Grundversorgung langfristig sichergestellt werden kann, haben die Gemeinde-
räte von Erlen und Sulgen die Initiative ergriffen und die Errichtung eines Ärztezentrums in die Wege geleitet. In einer der Migros gehörenden Liegenschaft an der Hauptstrasse 3 in Sulgen konnte das Projekt realisiert werden. Am 13. Januar 2025 nahm das Ärztezentrum Aach-ThurLand den Betrieb auf. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen.

Erwartungen übertrofen

Würde die Einrichtung von der Bevölkerung akzeptiert? Das war – neben dem finanziellen Aspekt – eine zentrale Frage. Die Hoffnungen und Erwartungen waren gross, und im Grunde sprach auch nichts gegen einen Erfolg. Doch würde die erfolgversprechende Theorie in der Praxis ihren Niederschlag finden? «Unsere Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sie wurden sogar übertroffen», sagt Thomas Bosshard, Erler Gemeindepräsident und Verwaltungsratspräsident der Ärztezentrum AachThurLand AG. Die Rekrutierung des Personals habe weniger Probleme bereitet als erwartet und bezüglich der Kosten sehe es ebenfalls gut aus.

«Der Innenausbau und die Einrichtung der Praxis kosteten insgesamt rund 1,7 Millionen Franken», sagt Bosshard. Projektänderungen wie zum Beispiel der zusätzliche Anbau (Pavillon für das Wartezimmer und ein Mehrzweck-Sprechzimmer) und der Kauf (statt Leasing) des Medikamenten-Roboters hätten durch diverse Einsparungen bei anderen ursprünglich geplanten Ausgaben kompensiert werden können. Das leichte Plus bei den Baukosten in Höhe von rund 10 000 Franken ist laut Bosshard mit der Erfolgsrechnung der Aktiengesellschaft «abgefangen» worden. Seitens der beiden Gemeinden seien somit keine Zuschüsse notwendig. Der Verwaltungsratspräsident geht davon aus, dass der Businessplan per Ende 2025 eingehalten wird und anstelle des geplanten Minus vielleicht sogar eine «schwarze Null» resultieren könnte.

Gute Konstellation

Andreas Opprecht, Sulger Gemeindepräsident und Vizepräsident der Ärztezentrum AachThurLand AG, ist erfreut über die zahlreichen positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung. «Der Standort ist ideal und findet unter den Einwohnerinnen und Einwohnern beider Gemeinden breite Zustimmung», sagt Opprecht, wobei er auf die Möglich-
keiten verweist, einen Arztbesuch mit dem Einkaufen zu verbinden – eine überaus vorteilhafte Konstellation also. In die Zukunft blickend, nennt Opprecht ein wichtiges Ziel: «Wir müssen darauf achten, dass das Ärztezentrum jederzeit über das nötige Fachpersonal verfügt.» Wenn Hausärzte aufhörten oder wegzögen, müssten die erforderlichen Kapazitäten, primär für Personen aus Erlen und Sulgen, vorhanden sein.

Erfreulich sei, so Bosshard, dass immer wieder Mediziner Interesse an einer Anstellung im Ärztezentrum AachThurLand bekundeten. Dies sei insofern von Bedeutung, als sich Dr. Beat Grossenbacher mittelfristig zur Ruhe setzen werde und Dr. Babett Csoka-Ngo die Einrichtung in Sulgen auf Ende Jahr verlassen werde. Die mit einem 50 Prozent Pensum angestellte Ärztin wird nach den Worten Bosshards künftig an einem anderen Ort die leitende Funktion übernehmen. Mit einer Anpassung der übrigen Anstellungspensen werde man diesen Abgang aber ausgleichen können, ist Bosshard zuversichtlich.

In den ersten zehn Monaten gab es im Ärztezentrum insgesamt 8368 Behandlungen. Die Mitarbeitenden leisteten in dieser Zeit 18 741 Arbeitsstunden. Bis Ende Oktober konnten 481 Patientinnen und Patienten neu aufgenommen werden. Im nächsten Jahr wird es möglich sein, zur bereits bestehenden Lehrstelle eine weitere anzubieten. Ebenfalls erfreulich: Auf Google erhielt das Ärztezentrum AachThurLand vier von fünf möglichen Sternen. Der Mietvertrag mit der Migros für die rund 300 Quadratmeter umfassenden Räumlichkeiten läuft bis Ende 2034; es gibt die Option, die Nutzungsdauer anschliessend jeweils um zweimal fünf Jahre zu verlängern.

Ein gutes Team

Im Ärztezentrum AachThurLand sind derzeit drei Ärzte und zwei Ärztinnen (total: 330 Prozent), zehn Medizinische Praxisangestellte (612,5 Prozent) und eine als Medizinische Praxisangestellte auszubildende junge Frau tätig. Andere Teilzeit-Mitarbeitende sind für die administrative Leitung (eine Person) und die Reinigung (drei Personen) zuständig. Als leitender Arzt fungiert Dr. Daniel Mock.

Georg Stelzner