Donnerstag, 2. April 2026

Bürglen. An der Rechnungsversammlung der Evangelischen Kirchgemeinde Bürglen standen weniger die roten Zahlen als vielmehr drei wichtige Investitionsprojekte im Zentrum: neue Parkplätze, die Sanierung zweier Kirchenglocken sowie die dringend nötige Erneuerung der Aussenhülle von Kirche und Turm.

Die Evangelische Kirchgemeinde Bürglen blickt finanziell erneut auf ein anspruchsvolles Jahr zurück – doch auf der Traktandenliste der Rechnungsversammlung prägen vor allem drei Investitionen das Bild. Während die Rechnung 2025 mit einem Verlust von 62 335 Franken abschliesst und auch das Budget 2026 ein Minus von 28 295 Franken vorsieht, waren es die baulichen Massnahmen, die das Interesse der Anwesenden fesselten. Allesamt wurden sie mit deutlichen Mehrheiten gutgeheissen.

Signal für die Zukunft

Die Kirchgemeinde besitzt bis heute keine eigenen Parkplätze und ist bei Anlässen auf die Flächen der Schule angewiesen. Mit dem Bau des neuen Schulhauses wird die Situation künftig noch enger. Ein Grund, weshalb die Kirchenvorsteherschaft die Schaffung von sechs Parkplätzen auf dem eigenen Areal beantragte. Die Kosten belaufen sich auf 62 000 Franken, wobei sich die Schule an den Baukosten beteiligt, da sie die Plätze während der Unterrichtszeiten nutzen darf. Die Baubewilligung liegt vor, und die Umsetzung soll bis Schulbeginn im August erfolgen. Ein eigenes Benutzungsreglement wurde bereits erarbeitet.

Auch die beiden ältesten Kirchenglocken rücken in den Mittelpunkt der Investitionen. Die Glocken aus dem Jahr 1865 gelten als besonders schützenswert und sind sichtbar in die Jahre gekommen. Die Kirche plant nun eine umfassende Sanierung im Umfang von 53 000 Franken. Ein Grossteil entfällt auf die Totalsanierung der Holzjoche (35 000 Franken), die deutliche Risse aufweisen. Lager und Metallteile müssen revidiert, Bänder gängig gemacht und die gesamte Konstruktion für die nächsten Jahrzehnte stabilisiert werden. Weitere 18 000 Franken werden für den Ersatz der Klöppel und Kehreisen benötigt. Durch die neue Aufhängung soll die Belastung deutlich sinken – die Abnützung lässt sich gemäss Fachleuten um den Faktor 3 verringern, was wiederum die Lebensdauer der historischen Glocken schützt.

Der grösste Brocken ist die Sanierung der gesamten Aussenhülle der Kirche und des Turms, für die die Gemeinde einen Kredit von 250 000 Franken bewilligte. Die letzte umfassende Renovation datiert aus dem Jahr 1971. Inzwischen zeigen sich deutliche Schäden, besonders im Sockelbereich. Die Grundmauern bestehen aus Sandstein, der viel Feuchtigkeit aufnimmt – ein Umstand, der über Jahre dazu geführt hat, dass sich Putzschichten ablösen. Die geplante Sockelsanierung allein wird ungefähr 70 000 Franken in Anspruch nehmen.

Auch die Elemente des Kirchturms sind erkennbar gealtert. Die Zifferblätter, die Turmspitze mit Kugel sowie Teile des Übertragungsmechanismus der Turmuhr müssen dringend erneuert werden. Dafür sind rund 50 000 Franken einkalkuliert. Weitere Arbeiten betreffen die Fassadenflächen, deren Zustand sich in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert hat. Die Kirchenvorsteherschaft betonte, dass die Aussenrenovation nicht nur eine optische Verbesserung darstellt, sondern ein langfristiger Schutz für die Bausubstanz ist. Das Gebäude zählt zu den identitätsstiftenden Elementen des Dorfes.

Bewusste Investitionen

Dass gleich drei Investitionsvorhaben in einem Jahr gesprochen werden, obwohl die Jahresrechnung negativ ausfällt, mag auf den ersten Blick erstaunen. Doch die Finanzkommission zeigte auf, dass die Projekte sorgfältig geprüft und priorisiert wurden. Zudem bleibt die finanzielle Stabilität der Kirchgemeinde intakt. Die Verantwortlichen betonten, dass Investitionen in bestehende Infrastruktur langfristig günstiger seien als spätere Notfallmassnahmen. Gleichzeitig soll die Kirchgemeinde offen und einladend bleiben – baulich wie inhaltlich. Die klare Zustimmung zu allen drei Krediten zeigt: Die Bürgler Kirchgemeinde blickt trotz finanzieller Herausforderungen mit Zuversicht nach vorne.

Benjamin Schmid