Freitag, 10. April 2026

Erlen. Pfarrer David Lerch und seine Frau Edith sind Ende März nach Erlen gezügelt. Am kommenden Sonntag findet sein Installationsgottesdienst statt. Im Interview stellt sich der studierte Theologe vor.

Die Kirchgemeinde Andwil-Erlen hat ihren neuen Pfarrer herzlich empfangen. Für David Lerch beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Bisher pendelte er von seinem früheren Arbeitsort Eschlikon, was viel Zeit und Energie kostete. Diese kann er nun in produktivere Dinge investieren. Zudem ist er näher bei den Leuten.

Herr Lerch, die Gemeindemitglieder hatten schon Gelegenheit, Sie kennenzulernen. Gibt es trotzdem noch etwas, mit dem sie diese überraschen könnten?

Da gibt es sicher noch einiges. Ich bin ein vielseitiger Mensch Aber wenn ich es jetzt verraten würde, wäre es keine Überraschung mehr. Ich finde es viel schöner, wenn mich die Leute im persönlichen Gespräch kennenlernen, sei es nach einem Gottesdienst oder bei einem Besuch.

Wie würden Sie Ihre Berufung als Pfarrer bezeichnen?

Ich sehe meine Berufung darin, Menschen zu motivieren und anzuleiten, Gott zu vertrauen und Jesus Christus nachzufolgen. Das ist eine enorm vielseitige Aufgabe. Als Grundlage dazu dient mir die Heilige Schrift, die Bibel. Sie ist so ein reichhaltiges Buch, die Auseinandersetzung mit ihr kann nie aufhören. Ich darf sie immer wieder neu lesen und erforschen. Das liebe ich. Genauso gerne lerne ich Menschen kennen, jüngere und ältere, höre, was sie erleben, und teile meine Erkenntnisse und Erfahrungen im Glauben mit ihnen. Zum Pfarramt gehören aber auch Leitungs- und Verwaltungsaufgaben. Alles zusammen macht meinen Beruf sehr abwechslungsreich und lebendig.

Was gibt Ihnen in schwierigen Momenten Halt?

Halt gewinne ich aus der Erfahrung, dass Gott mich hält und nicht fallen lässt. Ich bin in meinem Leben dreimal durch existenzielle Krisen gegangen. Die erste Krise war für mich am schwierigsten auszuhalten, denn ich wusste zwar, dass Gott seine Kinder trägt und schützt, aber ich hatte die Erfahrung selbst noch nicht gemacht. Bei der zweiten Krise war das anders; da brauchte ich vor allem Zeit, um zu akzeptieren, dass Gott zulässt, dass ich noch einmal so herausgefordert werde. Die dritte Krise war auch hart, aber nun hatte ich von Anfang an Halt und konnte sie viel besser bewältigen.

Wie definieren Sie Glauben?

Glauben bedeutet für mich darauf vertrauen, was Gott mir sagt und für mich tut – und aus diesem Vertrauen heraus handeln. Dazu muss ich erst wissen, was Gott tut und verstehen, was er sagt. Darum ist die Bibel so wichtig für uns, denn sie gibt uns darüber Auskunft. Der Apos­tel Paulus hat es einmal so gesagt: «Der Glaube kommt aus der Verkündigung; die Verkündigung aber durch Gottes Wort.» Dabei ging er davon aus, dass Gott uns sein Wort im Alten und Neuen Testament gegeben hat.

Wie begegnen Sie den steigenden Austrittszahlen, mit denen viele Gemeinden zu kämpfen haben?

Mit sehr gemischten Gefühlen. Zum einen schmerzt es jedes Mal, wenn jemand austritt. Da frage ich mich oft, ob wir als Kirche etwas versäumt haben. Dann muss ich mir aber auch wieder sagen, dass es eigentlich normal ist, wenn bei uns Menschen aus der Kirche austreten. Denn Christ werden und als Christ leben muss man wollen. In den ersten Jahrhunderten war es so, dass die Menschen, die das wollten, der Kirche beitraten. Dann wurde das Christentum Staatsreligion. Nun gehörten alle automatisch dazu. Heute fragen sich viele, ob sie das wollen. Wenn sie zum Schluss kommen, dass sie nicht als Christen leben wollen, ist es nur konsequent, wenn sie die Kirche verlassen. Als Kirche mögen wir das bedauern, aber das gilt es zu respektieren. Nicht nachvollziehen kann ich hingegen, wenn jemand sagt, sie oder er könne auch ohne Kirche als Christ leben. Dazu haben Jesus und seine Nachfolger meines Erachtens viel zu viel Wert auf eine verbindliche Gemeinschaft der Gläubigen gesetzt.

Wie gelingt es Ihnen, kirchliche Werte in einer zunehmend säkularen Gesellschaft zu vermitteln?

Das kommt darauf an, was für Menschen ich vor mir habe. Es gibt nach wie vor viele Leute, die offen sind, einfach einmal zuzuhören, wenn ich aus der Bibel erzähle und ihnen zeige, was das mit uns heute zu tun hat. Auch wenn die Bibel ein altes Buch ist – wir Menschen haben immer noch dieselben menschlichen Wünsche und Sorgen. Darum lässt sich vieles, was in der Bibel steht, gut in unsere Zeit übertragen, wenn man offen ist für den Glauben an Gott. Anders ist es mit den Leuten, die sich unter Gott nicht viel vorstellen können oder ihn ablehnen. Da gehe ich andere Wege und versuche, sie zum Nachdenken zu bringen, zum Beispiel indem ich scheinbare Selbstverständlichkeiten hinterfrage.

Was macht einen guten Gottesdienst aus?

Ein guter Gottesdienst ist einer, den die Leute nicht bloss besuchen, sondern an dem sie teilnehmen. Teilnehmen heisst, bewusst mit Gottes Gegenwart rechnen, zu seiner Ehre singen und musizieren, mit ihm reden beim Beten, auf sein Wort hören in der Predigt, seinen Segen empfangen. Anders gesagt: In einem guten Gottesdienst tritt die Gemeinde in Beziehung zu Gott als ihrem Schöpfer, Herrn und Erlöser.

Wie kann man das Gemeindeleben möglichst attraktiv und vielseitig gestalten?

Mit ganz vielen Freiwilligen! Das war das, was mich bei der Bewerbung in Erlen beeindruckt hat. Etwa jedes zehnte erwachsene Mitglied der Evangelischen Kirche Andwil-Erlen engagiert sich irgendwo freiwillig in der Kirchgemeinde. Das spüre ich im Alltag. Die Freiwilligen helfen mit, gestalten Angebote für Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer, Senioren. Sie bringen ihre Anliegen und Ideen ein, werfen Fragen auf. Im Miteinander erweitern wir unsere Horizonte und schleifen unsere Charaktere.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Kirchgemeinde?

Dass unsere aktiven Mitglieder ihre Freude am Glauben und an ihren Diensten behalten und sich noch viele davon anstecken lassen.

Der Installationsgottesdienst findet am kommenden Sonntag, 12. April, um 10 Uhr in der Kirche Erlen statt

Interview: Stefan Böker