Freitag, 26. Juni 2026
Hohentannen. Haupttraktandum an der Gemeindeversammlung der Politischen Gemeinde Hohentannen war die Jahresrechnung. Gemeindepräsident Lukas Hoffmann verwendete aber auch viel Zeit für eine «Chropfleerete». Die forcierte Digitalisierung und die Erschwernisse im Rahmen der Ortsplanung bereiten ihm Sorgen.
Wenn es stimmen sollte, dass nur tote Fische mit dem Strom schwimmen, dann sind die Politische Gemeinde Hohentannen und – an vorderster Front – ihr Präsident, Lukas Hoffmann, quicklebendig. Bedingungs- und gedankenlos wie Lemminge dem Mainstream zu folgen, das kommt auf dem Hochplateau nicht gut an. Hoffmann eröffnete die von 59 Stimmberechtigten (12 Prozent) besuchte Gemeindeversammlung in der Hirschenschür am 17. Juni mit einer wahren Philippika, deren Adressat der Kanton Thurgau war.
Kritik an Digitalisierung
Hart in der Sache, aber moderat im Ton, kritisierte Hoffmann die von kantonaler Seite in vielen Bereichen forcierte Digitalisierung. Die Gemeinden könnten dadurch «wahnsinnig unter Druck» gesetzt und letztlich zu Fusionen genötigt werden. Hoffmann nannte diverse Beispiele wie eBau, eTG oder Steueranwendungen, wo der Kanton auf digitale Lösungen setzt. Der Gemeindepräsident gab zu bedenken, dass die behördliche Digitalisierung einen immer grösseren Aufwand, mehr Schulungen und damit eine massive Kostensteigerung zur Folge habe – und all dies «ohne ersichtlichen Mehrwert». Hoffmann gab unmissverständlich zu verstehen, dass die Digitalisierung kein Selbstzweck sein darf, sondern den Bürgerinnen und Bürgern dienen muss.
Der Gemeindepräsident äusserte die Befürchtung, dass infolge der fortschreitenden Digitalisierung nicht nur die kommunale Selbständigkeit, sondern à la longue auch die Demokratie «scheibchenweise sterben» werde. «Unsere Autonomie wird durch eine IT überrollt, die keinen Mehrwert bringt», erklärte Hoffmann. Er werde die Diskussion darüber mit dem Kanton weiterführen und für seinen Standpunkt eintreten, kündigte Hoffmann an.
Die beiden traktandierten Jahresrechnungen vermochten niemanden zu einer Wortmeldung zu animieren. Die mit einem Aufwandüberschuss von 42 065 Franken abschliessende Erfolgsrechnung der Gemeinde wurde einstimmig genehmigt. Dem Eigenkapital kann trotz dieses Verlusts ein Betrag von rund 58 000 Franken gutgeschrieben werden. Das ist dem Umstand geschuldet, dass die Umstellung des Rechnungsmodells auf HRM2 eine jährliche Neubewertung der Vermögenswerte um 100 000 Franken erlaubt, was zu einem positiven Jahresergebnis führt. Anders als die Erfolgsrechnung weist die Bilanz per 31. Dezember 2025 somit ein Plus auf. Ein ungewöhnliches Bild bietet die Investitionsrechnung. Weil der Ertrag höher ist als der Aufwand, resultieren sogenannte «Netto-Desinvestitionen» in Höhe von 45 388 Franken. Ebenfalls einstimmig Ja sagte die Versammlung zur Rechnung des Einwohnerfonds. Sie schliesst statt des budgetierten Gewinns von 5200 Franken mit einem Verlust von 11 313 Franken ab.
Sitz im Gemeinderat wird frei
Die Versammlung bot auch Gelegenheit, Marianne Thürlemann gebührend zu verabschieden. Sie bezeichnete die sechs Jahre als Gemeindeschreiberin als «sehr spannende, manchmal auch intensive Zeit». Die vermehrte Freizeit wolle sie vor allem für Reisen nutzen, verriet Thürlemann. Vom Gemeindepräsidenten geehrt wurde auch Käthi Hertach für ihr 25-Jahr-Arbeitsjubiläum in der Hohentanner Gemeindeverwaltung. Im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen der Behörde am 29. November kündigte Hoffmann den Rücktritt von Gemeinderat Roger Boxler an. Die anderen bisherigen Gemeinderäte und der seit 2019 amtierende Gemeindepräsident werden erneut
kandieren.
Die Versammlung endete so, wie sie begonnen hatte: mit einem Statement von Lukas Hoffmann. Der Gemeindepräsident äusserte sich zur Revision der Ortsplanung und sparte auch hier nicht mit Kritik. Er wies auf die Schwierigkeit hin, in Hohentannen überhaupt noch Land umzonen zu können. Das Ziel der Gemeinde und die Vorgabe des Kantons seien nicht identisch. Hoffmann bezeichnete den Umstand, dass früheres Bauland inzwischen nicht mehr als solches eingetragen ist, de facto als Enteignung. Der Gemeinderat habe daher beschlossen, einen Fonds ins Leben zu rufen, um Personen zu entschädigen, die aufgrund kantonaler Verordnungen Boden verloren haben.
Die Strategie des Gemeinderates im Rahmen der Ortsplanungsrevision sieht laut Hoffmann bis 2040 «ein massvolles Wachstum» vor mit dem Ziel, die Lebensqualität zu schützen, eine finanzielle Stabilität zu erreichen und die Eigenständigkeit zu bewahren. Derzeit befinde man sich im Stadium der Bereinigung und Lösungsfindung. Er hoffe, dass die zuständigen Leute beim Kanton pragmatische Lösungen suchen und nicht ausschliesslich nach dem Buchstaben des Gesetzes entscheiden werden, sagte Hoffmann. Die Bevölkerung lud er zu einem Info-Anlass am 19. August ein, der dem Thema «Ortsplanung» gewidmet sein wird.
Georg Stelzner
