Sulgen/Kradolf-Schönenberg. Seit diesem Schuljahr können Kinder vor dem Schuleintritt das kostenlose Frühförderungsprogramm «Gemeinsam stark vor 4» besuchen. Die ersten Rückmeldungen seien überwiegend positiv, sagt die Kradolf-Schönenberger Gemeinderätin Karin Brühlmann.

Der Integrationsgedanke ist ein Hauptanliegen für das neue Frühförderprogramm. Es gehe nicht nur um die sprachliche Förderung, sondern um das gemeinsame Lernen und Spielen in einer Gruppe aus deutschsprachigen Kindern und Kindern mit einem anderen sprachlichen und kulturellen Hintergrund. «Eine einheitliche Bildung ist unserer Ansicht nach die beste Förderung, sprachlich und sozial auf spielerischer Ebene», sagt Urs Hartmann, Gemeinderat in Sulgen im Ressort Jugend und Familie.

Gleiche Bedingungen für alle Familien

Seit 2024 gibt es im Thurgau das selektive Obligatorium vorschulische Sprachförderung (SOV), ein kantonales Programm zur Frühförderung. Laut Kanton verfügten im Thurgau rund ein Viertel der Kinder im Vorschulalter nicht über ausreichende Sprachkenntnisse der Schulsprache Deutsch. Für diese Kinder wird durch das SOV die Sprachförderung kantonal finanziert. Für Sulgen und Kradolf-Schönenberg möchte der Verein «Gemeinsam stark vor 4» allen Kindern eine kostenlose Kita-Betreuung mit zweimal wöchentlich bis zu 2,5 Stunden Betreuungszeit ermöglichen. Um die 90 Kinder hätten in den beiden Gemeinden dieses Angebot ab dem Sommer in Anspruch nehmen können; etwa 60 Kinder im Vorschulalter sind aktuell in der Kita. Davon wird die Hälfte der Kinder durch das SOV vom Kanton finanziert, ein Fünftel sind Selbstzahlende und der Rest Kinder, die durch «Gemeinsam stark vor 4» finanziert werden. Was Urs Hartmann überrascht, ist, dass einige auch nur einmal wöchentlich die Kita besuchen.

Vielleicht müssten Eltern erst einmal auf das Angebot aufmerksam werden oder stiegen wegen des Abnabelungsprozesses zunächst nur einmal pro Woche ein. Die ersten Wochen fasst er wie folgt zusammen: «Der Start ist eher verhalten, aber es läuft an.» Auch Karin Brühlmann hatte mit mehr Anmeldungen gerechnet. Aber es gebe ab nun auf jeden Fall keinen Grund mehr, das Kind aus finanziellen Gründen nicht in die Kita zu schicken. Vielleicht müsse das Angebot einfach noch bekannter werden, vermuten sie. In «Gemeinsam stark vor 4» sollen die Eltern miteinbezogen werden. Es gehe auch um die Integration von Erwachsenen, sagt Urs Hartmann. Dazu gehören zwei verpflichtende Elternabende, damit sich die Eltern kennenlernen, sowie freiwillige Bildungsangebote, die jeweils in einem Elternpass dokumentiert werden können. «Die drei freiwilligen Anlässe umfassen bestimmte Themen, die für Kinder in diesem Alter relevant sind», ergänzt Karin Brühlmann.

Finanziell wären 90 Kinder stemmbar

Würden alle Kinder, die für «Gemeinsam stark vor 4» infrage gekommen wären, das Programm besuchen, wäre die Kapazität der Spielgruppen an ihre Grenzen gekommen. Finanziell wären 90 Kinder aber stemmbar: «Wir haben das Budget für die frühe Förderung und da das Murmelhaus geschlossen ist, fallen die Gelder dafür weg», gibt Karin Brühlmann zu bedenken.

Im Murmelhaus in Sulgen nahmen bisher bis zu zwölf Kinder auf spielerische Weise an der frühen Sprachförderung teil. Getragen wird «Gemeinsam stark vor 4» für die SOV-Kinder vom Kanton, für alle anderen von den Gemeinden Kradolf-Schönenberg und Sulgen, der VSG Region Sulgen und durch Vereinsbeiträge.

Judith Schuck