25. September 2026

Leimbach. Ein Haus, in dem Menschen zusammenleben, teilen und füreinander da sind: Diesen Traum hegten die Eltern von Simon Schneider schon lange. Gemeinsam mit drei Freunden und zahlreichen Helfern hat ihr Sohn diese Idee nun mit Leben gefüllt. Im historischen Schweizerhaus gibt es nun eine Backstube, ein Café und ein kleines «Lädeli».

Simon Schneider ist in dem über 300 Jahre alten Bauernhaus an der Andwilerstrasse 23 aufgewachsen. Als der junge Mann gläubig und Teil einer weltweit vernetzten christlichen Gemeinschaft wurde, nahm die Vorstellung Seiner Eltern konkrete Formen an. Sie stellten dafür ihr Haus zur Verfügung und Simon kehrte gemeinsam mit drei Freunden in die Schweiz zurück.

Mit Orangen fing es an

In der Region bekannt wurde die Freundesgruppe zunächst durch ihren Orangenverkauf. Sie boten die selbst importierten Früchte an Ständen und vor Ort in Leimbach an (der Neue Anzeiger berichtete). Doch die Orangen waren lediglich der Anfang. Denn ihr gemeinschaftliches Leben orientiert sich an den Beschreibungen der ersten christlichen Gemeinden in der Apostelgeschichte der Bibel. Helferinnen und Helfer aus nächstgelegenen Communities kamen dazu, um mit anzupacken und ihren Teil beizutragen. Nach fast einjähriger Umbauphase kann sich das Ergebnis wirklich sehen lassen.

Das Café ist hell und freundlich und mit vielen Holzelementen gestaltet. Teilweise sind an den Regalbrettern noch die natürlichen Baumkanten erhalten, was dem Interieur einen besonderen Charakter verleiht. In den Regalen finden sich Bio-Lebensmittel wie Säfte, Tees, Öle und Mehl sowie natürliche Körperpflegeprodukte. Sitzen kann man im «Lädeli» oder draussen im wunderschönen Garten.

An diesem Morgen frühstücken drei Frauen unter dem Dach der mächtigen Linde. «Meine Mutter und ich sind zu Besuch bei meiner Schwester», erzählt Sophie. «Sie hat uns begeistert vom neuen Café erzählt. Ich finde es toll hier. Das ist ein grosser Gewinn fürs Dorf.» Ein Mann fährt mit dem Fahrrad vorbei und bestellt Backwaren vor. Später kommen zwei Freunde aus Brasilien mit ihrem VW-Bus zum Kaffeetrinken. Sie sind auf einer Europatour und haben in der Nähe auf einem Bauernhof campiert.

Das positive Feedback der Gäste spornt die Betreiber an. «Es kommen ganz unterschiedliche Menschen – aus dem Dorf, aber auch von ausserhalb», freut sich Benedikt Lauer. Er hat an diesem Tag schon in aller Früh mit dem Backen begonnen. Das Herzstück des Projekts ist die offene Backstube. Die Augen des Bäckers leuchten, wenn er die Geräte erklärt: «Der Teigmischer beispielsweise ist ein historisches Gerät von unglaublicher Qualität, das wir mit Hilfe eines befreundeten Mechanikers restaurieren konnten. Und das Beste: Er hat keinen Touchscreen», sagt er grinsend. Auch die grossen Backöfen kommen ohne Hightech aus und wurden als Occasion erstanden.

Mit viel Liebe gebacken

Die Auswahl an Backwaren ist vielfältig: Es gibt Brötchen, Brezeln und Seelen sowie verschiedene Brotspezialitäten, etwa ein Sauerteigbrot mit Walnüssen und Oliven. Und natürlich viel Süsses wie die beliebten Zimtschnecken und Kuchen. «Wir backen ausschliesslich mit Bio-Dinkelmehl», ergänzt Simon Schneider. Wer es herzhaft mag, findet kleine Snacks. An diesem Tag sind Käsecracker, Sandwiches und Focaccia im Angebot.

Dass ausgerechnet im Schweizerhaus wieder gebacken wird, ist kein Zufall. Die namensgebende Familie Schweizer führte hier früher eine Bäckerei mit Wirtshaus. «Diese ursprüngliche Nutzung wollten wir wieder aufleben lassen», sagt Simon Schneider. Dafür bauten sie den ehemaligen Stall zu einem Café um. So mussten etwa 35 Tonnen Boden ausgehoben werden, um dem Raum die nötige Höhe zu geben. «Wir versuchten, so viel wie möglich vom alten Stil zu erhalten. Die Deckenbalken mussten wir jedoch ersetzen, weil der Holzwurm allzu stark daran genagt hat» Auch Strom-, Wasser- und Heizungsleitungen wurden neu verlegt. Dabei unterstützten uns lokale Firmen: «Der Elektro Etter+Livet AG und der Näf Installationen AG möchten wir herzlich für ihre hervorragende Arbeit und ihre Unterstützung danken.» Auch die Fassade, die Terrasse, der Zaun und die Parkplätze wurden erneuert. «Für die Unterstützung während der gesamten Umbauphase sind wir besonders der Schnelli Bau GmbH dankbar.»

Zeitzeugin erzählt

Seit der Eröffnung im August durften die Freunde schon viele schöne Begegnungen erleben. Eine aber ist den beiden in besonderer Erinnerung geblieben. Die Tochter des letzten Wirts und Bäckers, die bis 1966 in Leimbach lebte, habe durch einen Bericht im Neuen Anzeiger vom Projekt erfahren. «Daraufhin hat sie uns besucht und viel erzählt», sagt Lauer. Wie sich herausstellte, gab es im Schweizerhaus das erste Telefon des Ortes. Wenn jemand angerufen wurde, informierten die Kinder des Hauses die entsprechende Person, die dann zum Schweizerhaus kam und dort auf den Rückruf wartete. «So haben sich die Kinder ein Sackgeld verdient.» Auch Brote habe die Familie Schweizer früher ausgefahren. Mit der Pferdekutsche ging es in die Dörfer, wo die Kinder die weitere Verteilung mit ­ihren Velos übernahmen. «Sogar ihren Mann hat sie hier in der Wirtschaft kennengelernt», erzählt Lauer. «Heute lebt das Paar in Thun und ist immer noch verheiratet.»

Aus dem Dorfarchiv haben die Freunde historische Aufnahmen bekommen, die nun die Wand des Cafés zieren. Auf einer davon ist eine grosse Feier zu sehen. «Wahrscheinlich war das eine 1.-August-Feier», mutmasst Simon Schneider, dessen Familie das Haus in den 1970er-Jahren kaufte. «Wahnsinn, was da los war.» Es sei beeindruckend, an einem Ort mit so viel Geschichte zu leben und jemanden zu treffen, der persönlich davon erzählen könne. «Sie hat sich auch sehr gefreut, dass wir die Bäckertradition weiterführen.»

Der Traum von Simons Eltern ist somit Realität geworden: ein Ort der Begegnung und ein Zuhause, wo Gemeinschaft Tag für Tag gelebt wird. Dank viel Freundschaft und Nächstenliebe.

zum-schweizerhaus.ch

Stefan Böker