Dienstag, 29. September 2026

Der leidenschaftliche Lokalhistoriker Guido Stutz lebt in Kradolf sammelt Ostschweizer Mundartausdrücke – damit diese nicht in Vergessenheit geraten.

In den vergangenen Jahren hat sich Guido Stutz intensiv mit der Geschichte verschiedener Dörfer in der Region beschäftigt. Nun richtet der Kradolfer Lokalhistoriker seinen Blick auf ein weiteres Stück regionaler Identität: den Ostschweizer Dialekt. Denn Stutz beobachtet, dass traditionelle Mundartausdrücke zunehmend aus dem alltäglichen Sprachgebrauch verschwinden.

Dass diese Entwicklung nicht ganz neu ist, zeigt ein Blick weit zurück. Bereits um 1900 befürchtete der Sprachwissenschaftler Ernst Tappolet, dass sich die Schriftsprache in der Deutschschweiz immer stärker ausbreiten und die Volksmundarten dabei das Nachsehen haben würden.

Heute sieht Stutz diese Entwicklung nicht nur durch das Schriftdeutsche, sondern zunehmend auch durch das Englische vorangetrieben. Besonders bei jüngeren Menschen stellt er Veränderungen fest. So werde beispielsweise nicht mehr vom Ross, sondern vom Pfärd gesprochen, man gönd go arbeite statt go schaffe. Auch englische Begriffe wie Events oder Locations seien längst selbstverständlich geworden.

Englisch begegnet Stutz aber nicht nur in der Sprache der Jugendlichen. Transporter bei regionalen Reitturnieren seien mit «Horses» beschriftet, und vor einer Milchpulverfabrik weise eine «Truck waiting area» den Chauffeuren den Weg. Für Stutz sind dies Beispiele dafür, wie sich der Sprachgebrauch verändert.

Printmedien, Fernsehen, Radio, Werbung und Internet tragen seiner Ansicht nach ebenso dazu bei wie Tourismus und ausländische Arbeitskräfte. Das traditionelle «Schwyzertütsch» werde dadurch immer weniger verwendet.

Stutz möchte dieser Entwicklung etwas entgegensetzen. «Damit unsere Mundart nicht ganz in Vergessenheit gerät, möchte ich in lockerer Folge an Ostschweizer Mundartausdrücke erinnern, die manchem schon nicht mehr geläufig sind.» Damit verbindet der Lokalhistoriker seine Leidenschaft für die Vergangenheit mit einem Thema, das noch immer zum Alltag in der Region gehört. (red)

Mundartausdrücke von A bis Z

aacho – Feuer fangen, in Brand geraten
abläse – pflücken, abnehmen
Aisse – Eiterbeule, Furunkel
alaari / Balaari – Rausch (nach Alkoholmissbrauch)
amigs – jeweils, jedes Mal, manchmal
Arfle – ein Arm voll, Bündel, etwa Reisig, Stroh oder Heu
atöple – betasten, betatschen, mit Händen unangenehm berühren
Ägeschte – Elstern

bägge – widerliches, lautes Weinen, Heulen (von Kindern), Blöken von Schafen
Benne – Schubkarren (Wanne, meist aus Holz), Garette
Beggeli, Beckeli – kleine Schüssel, Trinkschale, henkellos
Bettmümpfeli – Kleinigkeit, Leckerbissen (meist für Kinder), vor dem Schlafengehen einzunehmen
Bibeli – Hühnchen, Küken, Pickel
bisle, brünzle – urinieren
Bitzgi – Kerngehäuse von Äpfeln oder Birnen
blöd – von Stoff: durchgewetzt; von Speisen: fad
Blotere – Anschwellung der Haut mit oder ohne flüssigem Inhalt, Harnblase bei Tieren («Suublotere»)
Böögg, Fasnachtsbutz – kostümierter Fasnächtler, vermummt, auch Strohpuppe
Bölimaa – Poltergeist, Schreckgespenst für Kinder
Buck – Biegung, Krümmung, Falte, Wölbung, Beule, Hügel («Stählibuck»)
butze, putze – gewinnen

Chabis – Unsinn, Nichts
Cheib – ähnlich wie «Chog», etwa «cheibe schö»
cheibe, hagle – schnell laufen
chide – tönen, klingen
chiflä – gehässig, heftig zanken
chiibe – mit jemandem schimpfen, ihn schelten, keifen
Chlüperli – Wäscheklammern
Chlupere – grosse Waldameisen
Chog – ursprünglich Leiche eines Selbstmörders, verendetes Tier, Aas; auch Schimpfwort für einen gemeinen, boshaften, rohen oder gewalttätigen Menschen
choge – Adjektiv zur Verstärkung, etwa «choge blöd», «choge schö»; auch «verchoge»: verderben, beschädigen
chrome – Dinge für Geschenke einkaufen
chräble – kratzen, mit Fingernägeln, auch von Katzen
chräsle – klettern
Chrüsimüsi – Vermischtes, Durcheinander, krauses Zeug, Mischung
chrömle – kleine Dinge, besonders entbehrliche, einkaufen; Gebäck (bei Kindern gebraucht)
chröpelig – unwohl, von Übelkeit betroffen
chrose – Geräusch beim Brechen oder Dehnen eines harten, spröden Stoffes, zum Beispiel einer Eisfläche bei Belastung
chrosle – herumkriechen, krabbeln (zum Beispiel Ameisen)
Chrungele – Knäuel
chrüple – sich krumm und hart arbeiten, bis zum Krüppel

druss cho – inhaltlich verstehen
dureschtiere – halsstarrig, eigensinnig

Fägnescht – unruhiger Mensch, stets in Bewegung, nicht ruhig sitzend oder liegend
färn – letztes Jahr
feiss – fett, beleibt
Finöggeli – zart gebautes, feingliedriges Kind
fiserle – leicht, fein regnen oder schneien
flattiere – schmeicheln, liebkosen, streicheln, sich einschmeicheln
folge – gehorchen
Fötzel – schlechter Mensch
fuere – satt machen, nahrhaft sein
fuggse (fuxe) – hänseln, necken, bereuen

gaaggele – schaukeln (mit dem Stuhl), hin- und herwippen
gäch – steil
Gaggelaari / Gwaggli – närrischer Mensch, Tölpel
gäll – nicht wahr?
gfitzt – schlau
Gfrörlig – kälteempfindlicher Mensch
gheie – fallen; «abegheie», «furtgheie» (wegwerfen), «inegheie» (auf einen Betrug hereinfallen)
gigele – kichern, einfältig lachen, ohne eigentliche Ursache, wegen einer Kleinigkeit (von Kindern)
Gingg – Fusstritt
Gireizi – Schaukel, an Seilen hängend
Glünggi – Halunke, Schurke
gmögig – sympathisch
Gnuusch – Wirrwarr, Unordnung, Durcheinander
Goofe – Kinder (häufig abschätzig gemeint)
goope – spielend herumbalgen, vor allem von Tieren
Göppel – altes Fahrrad, Motorrad in schlechtem Zustand
Gschiss – grosses Getue um Unwichtiges
Gufe – Stecknadel
Guggumere – Gurke
Güsel – leichte Abfälle, Rückstand von Stroh, Heu, Hanf, Kehricht, Schutt
gumpe – springen, hüpfen («jump»)
Gunte – Lache, Pfütze
gvätterle – spielen mit Gegenständen (von Kindern), nichts Produktives leisten

Hebi – Handgriff
Hick – Kerbe
Hoger – Höcker, Unebenheit am Körper oder des Bodens, kleine Anhöhe, Hügel
huure – kauern, gehockt sitzen; «abehuure»: sich niederkauern

Laferi – Dummschwätzer
Lismer – Pullover

Mose – Fleck (in Kleidern, auf der Haut)
mösch – trockenfaul, von Obst; «teig», mürb, morsch, schwammig

naime – irgendwo
Nidel – Rahm, Schlagrahm
nüme – nicht mehr
Nüschel – Kopf (grob, abschätzig)

Pfämmet – mit Pfennig ausgedrückter Gegenwert, pflichtiger Anteil, Pensum, Beitrag («jede mue sin Pfämmet leischte»)
Pfläre – am Körper: offene Wunde, Narbe, Fleck; grosser Klecks (Schmutz, Tinte)
Pfnüsel – Schnupfen
Pfüderi – kleiner Bub, Knirps
plagiere – prahlen, «Plagöri»
plampe – baumeln, schlaff hängen
Plunder – (verächtlich) wertloses Zeug, Gerümpel
putzt – «s hätt öppis putzt»: Etwas ist kaputtgegangen, defekt, tot (grob)

Ribiise – streitsüchtiger Mensch (Frau), «giftig, bissig»
Ruech – ungehobelter Mann, roh, gefühllos

Scheese – dumme Frau, boshaft
Scheiche – Beine (grob)
Schelfere – abgeschälte Fruchthaut
Schlegel / Guttere – Flasche
Schlaufe – Schleife, Schlinge, Schal
Schlick – Schlaufe, Knoten, Masche
Schlötterlig – Schimpfname
Schluderi – Pfuscher
Schlufi / Schlunggi – unzuverlässige, betrügerische Person
Schmarre(n) – Wunde, Narbe im Gesicht; «schöne Schmarre» (schöne Bescherung, negativ); wertloses Geistesprodukt, Unsinn, Prahlerei
Schnuderi – frecher, unerfahrener Junge, Lümmel
schneugge – eigentlich schnuppern, schnobern von Tieren; herumstöbern; oberflächlich in einem Buch lesen; aus Speisen wählerisch das Beste heraussuchen
Schranz – Riss (im Kleid)
Schträhl – Kamm
Schütti – Lagerort für Korn, heute Estrich, oberster Boden im (bäuerlichen) Haus
schitter – bedenklich, schlecht, baufällig, ärmlich
schlipfe – ausrutschen
Schlipf – kleiner Erdrutsch, Stelle, wo ein solcher stattgefunden hat; Schneerutsch
Schwemmi – Schwemme (Rossbad)
stuch – verwirrt, überwältigt von einem starken Eindruck, starr geworden; oder «stuche bleich»

Tolgge – Tintenfleck, Makel
Torebueb – dummer Kerl, gedankenlos, einfältig, Lümmel, Schnuderi
Totsch – einfältige, dumme Frau
Totz – Holzklotz, Hackblock
Trämel – gefällter, entasteter, dicker Baumstamm
Trom – Ende, Stück, Trümmer; kurzes Stück Holz; Ende oder Anfangsstücke eines Fadens oder einer Schnur
trole – sich rollend, fallend bewegen, sich wälzen, fallen («umetrole»)
Trucke – viereckiger, meist mit Deckel versehener Behälter aus verschiedenen Materialien (zum Beispiel «Guetzlitrucke»)
trümlig – schwindlig
Tscholi – Naivling, sehr gutmütiger, beschränkter Mensch
Tschugger – abschätzig für Polizist
täubele – wütend sein, sich wütend geben, durch Wüten etwas erzwingen
tifig – geschwind, geschickt, fleissig
Tüle – Kuchen mit niederem Rand, tellerartig ausgewallt (Früchte, Käse)
tuuch – verängstigt, niedergeschlagen, betrübt, bedrückt

Ugfell – Unglück, Pech
usplampe – langsam zu Ende gehen

verheie – zerbrechen, verderben
verplämperle – die Zeit mit unnützen Tätigkeiten vergeuden

Wurmbasle – Ameise

Zottle – Fransen
Züche – Zieh-, Schublade