Freitag, 7. August 2026
Hohentannen. In Hohentannen hat die Gemeinde zusammen mit dem Dorfverein und vielen Helferinnen und Helfern eine Feier auf die Beine gestellt, die sehr gut bei der Bevölkerung ankam: Die Stimmung war lauschig, die Reden gewürzt mit Humor und Nachdenklichem, und das Tüpfelchen auf dem i bildeten die musikalische Unterhaltung und das feine Essen.
Dieses Jahr konnte die Gemeinde Hohentannen den Geburtstag der Schweiz wieder im Freien feiern. Im Schatten der grossen Linde auf dem Hirschenplatz stellten die Helferinnen und Helfer Biertische auf, und zusätzlich geschützt durch Sonnenschirme verbrachten über 100 Personen vergnügliche Stunden bei guten Gesprächen und viel Gelächter.
Offen und ehrlich
Traditionsgemäss war der gesamte Gemeinderat im Einsatz und gegen Ende der Festreden wehte der Duft von feinen Steaks und Würsten über den Hof. Bevor er wieder zurück an den Grill eilte – denn in Hohentannen tischt der Chef noch selbst auf –, begrüsste Gemeindepräsident Lukas Hoffmann die «Eidgenossinnen und Eidgenossen» des Hochplateaus mit einer launigen Ansprache. In seiner Rede verband Lukas Hoffmann Kritik an den Coronamassnahmen und Seitenhiebe gegen Auswüchse der politischen Korrektheit mit einem Plädoyer für offene und ehrliche Kommunikation.
Er begann seine Rede mit einer Entschuldigung: «Ich habe mitgemacht.» Denn er habe Coronamassnahmen mitgetragen, die er rückblickend als paradox, unlogisch und unglaubwürdig bezeichnet. Damit so etwas nicht noch einmal passiere und um die Demokratie zu stärken, benötige es zukünftig mehr Widerstandskraft, so der Hohentanner Gemeindepräsident. Und dieser Widerstand soll auf offener, ehrlicher Kommunikation basieren, die auch Gefühle beinhalten darf – «ob Lachen oder Weinen», so Hoffmann weiter. «Kriechen wir aus unseren Schutzbunkern und öffnen uns wieder für Neues, Gutes, Lustiges – und Unerfreuliches.» Für ihn jedenfalls stehe fest: «Ich mache nicht mehr mit.» Auch nicht bei Zeiterscheinungen wie der politischen Korrektheit. «Darum gibt es heute Zigeunerschnitzel, Winnetou-Glace und wer Lust hat, darf am Nachmittag Schwarzer Peter spielen.» Er schloss seine Rede mit den Worten: «Bleiben Sie kritisch – und fröhlich. Wir haben es gut.»
Lustig und treffsicher
Als 1.-August-Rednerin hatte die Gemeinde die bekannte Journalistin, Sprecherin und Eventmoderatorin Robin Fritschi eingeladen. Ihr aktuelles Mandat ist Kommunikationsleiterin des Thurgauer Amts für Wirtschaft und Arbeit. Passend dazu sprach sie über Kommunikation und stellte den Rütlischwur als gelungenes Beispiel in den Mittelpunkt. Dabei band sie das Publikum immer wieder gekonnt in ihren Vortrag ein und erntete für ihre anschaulichen und lustigen Ausführungen etliche Lacher.
Sie zeichnete die drei Eidgenossen als eigenwillige Charakterköpfe mit vielen Unterschieden, die sich trotzdem gegenseitig überzeugen konnten – unter anderem, weil sie ihre Anliegen überzeugend schildern konnten. Gute Geschichten seien in Vorträgen oft hilfreicher als die Zuhörer mit Fakten und Zahlen zu erschlagen, argumentierte sie. Die drei Eidgenossen hätten zudem etwas Entscheidendes verstanden: «Man muss nicht immer gleicher Meinung sein – aber man muss miteinander reden und zuhören können.»
Für die Gegenwart wünsche sie sich mehr Gelassenheit. Man müsse nicht jede Meinung sofort skandalisieren, nicht jede Differenz dramatisieren. «Man muss nicht möglichst laut sein», sagte sie mit Blick auf die sozialen Medien. «Das Ziel eines Gesprächs ist es nicht, recht zu haben, sondern gemeinsam weiterzukommen.»
Aus dem sagenumwobenen Treffen am Anfang des Monats August 1291 ist jedenfalls eine Geschichte entstanden, die bis heute die Identität einer ganzen Nation prägt, und mit der Schwurhand eine der bekanntesten Gesten der Schweizer Geschichte. «Es war eine Kommunikationsleistung», lobte Robin Fritschi. Und darum sei die Schweiz, das «Land der professionellen Meinungsverschiedenheiten», so erfolgreich. «Weil wir seit über 700 Jahren gelernt haben, miteinander zu reden.»
Im Anschluss stimmte die in Hohentannen lebende Sängerin Aura Davis zusammen mit den Gästen die Nationalhymne und das Thurgauerlied Lied an. Ihr Auftritt sorgte für bewegende Momente und begeisterte das Publikum.
Stefan Böker
