Freitag, 4. September

Erlen. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben sich an einer ­ausserordentlichen Gemeindeversammlung geschlossen für den Umbau mit Sanierung des Gemeindehauses Erlen ausgesprochen.

Der Altbau aus dem Jahr 1969 ist in die Jahre gekommen, der Anbau stammt aus dem Jahr 1998. «2020 haben wir die Fassade auffrischen lassen, denn das Gebäude hat äusserlich schon ziemlich verwittert ausgesehen», sagte Gemeindepräsident Thomas Bosshard an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 27. August in der Mehrzweckhalle in Erlen. Um das Gemeindehaus für die Zukunft zu rüsten, sei aber eine gründliche Sanierung nötig. Eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2023 habe ergeben, dass sich die Gebäudesubstanz für einen Umbau eigne, sagte Bosshard.

Pläne vorgestellt

Ideen, wie an den Dienstleistungsschaltern mehr Diskretion geschaffen werden kann, gab es schon im Jahr 2015. «Das haben wir in den Unterlagen unserer Vorgänger gefunden», berichtete der Gemeindepräsident vor den 85 Anwesenden, die sich an diesem Abend über das Bauvorhaben informierten und abstimmen wollten. Dass der Umbau jetzt umgesetzt werden soll, ist auch dem für die Politische Gemeinde glücklichen Umstand geschuldet, dass der Jugendtreff aus dem Erdgeschoss des Gebäudes durch die Schulhauserweiterung aufs Schulgelände zügeln kann. Neu ist für das EG ein zentraler Empfangsschalter, ein Lift im Bereich des bestehenden Treppenhauses, drei Diskretionsschalter für die Fachbereiche Einwohnerdienste, Steuern und Soziale Dienste sowie ein neuer Aufenthaltsbereich mit Aussenterrasse, der auch als Sitzungszimmer genutzt werden kann, geplant.

Um den heutigen Sicherheitsvorschriften bezüglich Fluchtmöglichkeiten und Brandschutz gerecht zu werden, wird ein separater Korridor mit Ausgang geschaffen. Auf eine Garage wird künftig verzichtet – der ältere, kostspieligere Entwurf hatte noch eine Tiefgarage vorgesehen. Im Obergeschoss bleiben die Raumstrukturen erhalten, lediglich die Toiletten werden zentralisiert. Im Erdgeschoss werden Einwohnerdienste, Soziale Dienste und Steuern angesiedelt. Im Untergeschoss wird zusätzlicher Archivraum erschlossen. «Die Fassade gegen Süd-Osten wird im EG an die Fassadenstruktur vom OG angepasst», erläuterte Bosshard. Dies und eine verglaste Erweiterung seien die einzigen von aussen sichtbaren Eingriffe am Gebäude. Das Dach wird komplett erneuert, ebenso wie die Haustechnik. Das steht im Zusammenhang mit energetischen Sanierungen wie der Installation einer Wärmepumpe und der vorgeschriebenen Trennung von Abwasser und Meteorwasser, was heute noch als Mischwassersystem betrieben wird.

4,1 Millionen Gesamtkosten

Bei der Gemeindeversammlung im April 2026 betrug der Kostenvoranschlag für die Baukosten noch 4,5 Millionen Franken. «Das war auch der Grund, warum wir den Antrag des Baukredits verschoben haben», rechtfertigte Bosshard die Verzögerung. «Wir haben uns noch mal die Zeit nehmen wollen, das gesamte Projekt seriös zu prüfen.» Beteiligt an der Überarbeitung waren in erster Linie die beauftragten Architekten Michael Helbling und Andreas Beerli von der Innoraum AG. Neu beträgt der Baukredit knapp 3,5 Millionen Franken, bereits abgezogen ist der im 2024 bewilligte Planungskredit von 606 000 Franken. Die Gesamtkosten für das Projekt werden mit 4,1 Millionen Franken veranschlagt.

Die Anwesenden stimmten dem Baukredit einstimmig zu. Nach der positiven Abstimmung startet das Projekt direkt mit dem Aufbau der Visiere. Am 15. September zügelt die Gemeinde ins Provisorium in der Lista, im Ostturm im 3.  Stock, wo ab dem 21. September die Gemeinde wie gewohnt geöffnet sein soll. Ende 2027 soll das sanierte Gemeindehaus wieder bezogen werden. Die Frage eines Anwesenden bezog sich auf mögliche Photovoltaikanlagen auf dem Dach. Die Gemeinde habe aktuell keinen Bedarf an Solarstrom, müsse aber auf dem neuen Dach Vorrichtungen für künftige PV-Anlagen anbringen, antwortete Thomas Bosshard. Die Frage, ob die Kosten für das Gemeindehaus Einfluss auf den Steuerfuss haben werden, verneinte der Gemeindepräsident: «Weil die Vorfinanzierung schon da ist, haben wir keinen Zusatzaufwand für die Abschreibung.»

Des Weiteren informierte Thomas Bosshard über die Auffrischung der Gemeinde-Website und die neuen Stromtarife. Genaue Aufgleisungen der Haushaltstarife sind ab dem 31. August auf der Homepage der Gemeinde zu finden.

Umfrage zu Flüchtlingen

Mit einer konsultativen Abstimmung wollte der Gemeindepräsident ausserdem ein Stimmungsbild bei der Bevölkerung einholen, was diese von einer Umsiedelung der Flüchtlingsunterkunft in die Industriezone hält. Wegen des steigenden Platzbedarfs sucht die Gemeinde nach einer Lösung. Eine Idee wäre, eine Containerlösung in der Industriezone zu errichten, wofür sich die Gemeinde selbst eine Ausnahmebewilligung für Wohnen in der Industriezone erteilen müsste. «Die Lösung wäre günstiger, erweiterungsfähiger, flexibler und nicht im Baugebiet», sagte Thomas Bosshard. «Wir haben aber noch nichts detailliert abgeklärt, weil wir zuerst von Ihnen wissen wollten, was Sie davon halten würden.» Die Mehrheit der Hände ging hoch bei vielen Enthaltungen – es gab allerdings auch Gegenwind.

Judith Schuck