Freitag, 21. August 2026
Buch. Zu jeder Jahreszeit und gemeinsam mit Tieren im Wald: das bietet die Spielgruppe Waldponyzauber in Buch.
Nur Wald machen könne jeder, «aber wir haben noch die Tiere», sagt Sabrina Müller, die schon seit vielen Jahren Spielgruppen leitet und eine Weiterbildung im Bereich Waldspielgruppe mitbringt. Bianca Künzler ist vierfache Mutter sowie Pony- und Hundebesitzerin. Eines Tages kam den beiden Freundinnen die Idee, ihre Berufungen miteinander zu kombinieren. Was dabei rauskam, ist die Spielgruppe «Waldponyzauber» in Buch bei Kümmertshausen. Diese Idee kam ihnen im April 2024. Nach den Sommerferien im selben Jahr starteten sie schon mit ihrer Waldspielgruppe für Kinder ab drei Jahren. «Unser Ziel waren fünf Kinder und das haben wir erreicht, indem wir Flyer verteilt und via Facebook auf uns aufmerksam gemacht haben», sagt Sabrina Müller. Das Besondere an dieser Waldspielgruppe sind die Tiere: das Shetlandpony Madita sowie die beiden Isländer Pá und Tigull, und nicht zu vergessen die sanfte, kontaktfreudige Hündin Leira.
Fuchs begrüsst alle Kinder
An einem Parkplatz am Wald ist morgens um 8.45 Uhr oder im zweiten Halbjahr 8.30 Uhr Treffpunkt. Dort verabschieden sich die Kinder von ihren Eltern und ziehen mit Sabrina Müller, Bianca Künzler sowie den Tieren und dem Bollerwagen mit Material in ein Waldstück, das ihnen ein benachbarter Bauer zur Verfügung stellt. Für den kleinen Marsch wird jeden Morgen aufgeteilt, wer ein Pony führen möchte oder die Hündin oder beim Bollerwagen mithilft. Im Wald angekommen, dienen Holzrugel als Bänkli. Eine Handpuppe, der Fuchs, begrüsst jedes einzelne Kind, und die Kinder begrüssen ihn und den Wald. «Der Fuchs freut sich, wenn die Kinder kommen. Er dient uns als Bindeglied, wenn es darum geht zu erklären, wie wir umsichtig mit der Natur umgehen oder welche Pflanzen giftig sind», sagt Sabrina Müller. Vom Fuchs nähmen sie solche Erinnerungen und Hinweise besser auf, als wenn sie von einem Erwachsenen kämen. Der Grossteil der insgesamt drei Stunden besteht aus freiem Spiel. Dabei wissen alle Kinder, dass sie stets in Sichtweite bleiben müssen und nicht allein zum Bach laufen dürfen. «Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wie so kleine Kinder die Regeln befolgen und sich auch gegenseitig korrigieren», sagt Bianca Künzler, die selbst Kinder im Alter zwischen knapp vier und 15 Jahren hat.
Kinder lieben die Tiere
Aber welche Funktion haben die Ponys in der Spielgruppe? «Die Ponys und die Hunde sind immer dabei. Die Kinder müssen nicht, aber dürfen sich mit ihnen beschäftigen», erklärt Bianca Künzler. Die meisten Kinder lieben es, die Ponys zu striegeln oder Hufe auszukratzen – aus Sicherheitsgründen nur an den Vorderhufen. «Anderen genügt es, in der Nähe der Tiere zu sein oder sie mal zu führen.» Die Tiere könnten Türöffner sein, um Beziehungen zu knüpfen, sagt Sabrina Müller. Während Bianca Künzler eher nach den Ponys schaut, kümmert sich Sabrina Müller um das Feuer, das es eigentlich immer gibt, um damit das Znüni zuzubereiten oder sich an kühlen Tagen daran zu wärmen. Denn die Kinder gehen bei jedem Wetter in den Wald, es sei denn, es windet stark oder ist sehr kalt. «An solchen Tagen gehen wir dann zu uns auf den Hof», sagt Bianca Künzler. Dort können die Kinder im grossen Garten spielen, Stall ausmisten helfen und sehen, wo die Ponys eigentlich leben.
Zurück zum Feuer, das aktuell wegen Trockenheit ausbleiben muss: Auf dem Feuer wurde schon viel gegrillt und experimentiert. «Wir haben schon Setzlinge gemacht, Brennesselchips oder natürlich wie fast immer Bratwürste darauf zubereitet», erzählt Sabrina Müller. Die Brennesselchips sind sehr beliebt und die Kinder lernen so, dass Brennesseln nicht nur «blöd», sondern auch sehr lecker sein können. «Auch Bärlauchbutter haben wir schon aus selbst geschlagener Butter gemacht oder Holunderblütensirup. Die Kinder lernen dabei viel über die Pflanzen im Wald», sagt Bianca Künzler.
Gebastelt wird auch im Wald, aber dazu bleibe meist zu wenig Zeit, weil Versteckis, Fangis, mit Laubhaufen bauen so viel Spass macht oder kleine Tierchen wie Kellerasseln oder Tigerschlegel unter Holzrugel warten, entdeckt zu werden. «Im zweiten Halbjahr erzähle ich immer noch eine Geschichte zum Znüni», sagt Sabrina Müller. Das lieben die Kinder sehr und fordern die Geschichte auch ein.
Aber in der Waldspielgruppe steht der Schwerpunkt auf Bewegung. Zu besonderen Gegebenheiten, also vor den Ferien oder am Geburtstag, dürfen die Ponys auch mal geritten werden. «Ich finde es immer wieder schön zu sehen, wie die Kinder mit der Natur und den Tieren umgehen. Auch den Ekel vor Tierchen, der anfangs noch bei manchen bestand, bauen sie ab», sagt Bianca Künzler und ihre Kollegin ergänzt: «Die Kinder erleben hier die Jahreszeiten hautnah. Sie beobachten, wie der Bach zu viel oder zu wenig Wasser hat, welche Kräuter hier wachsen und lernen aus diesen Beobachtungen.»
Judith Schuck
Im Jahr 2025 nahmen 12 Kinder am Waldponyzauber teil, was die Obergrenze war. Für dieses Schuljahr gibt es noch ein paar freie Plätze. Ein Jahr kostet 1050 Franken. Kontakt per Mail an fjarki@hotmail.com oder Telefon 078 788 87 91.
