Freitag, 20. Februar 2026
Bürglen. Zwischen Paletten voller Süssigkeiten, Getränke und Spezialitäten aus aller Welt öffnete ein Bürgler Betrieb seine Türen: Beim Anlass «Gwerbler zeiged sich» gewährte die Pala Food GmbH Einblick in ihren Alltag. Ein Rundgang zwischen Risiko, Familienarbeit und schnelllebigen Food-Trends.
Schon beim Öffnen der Lagertür liegt ein süsslicher Duft in der Luft. Kartonschachteln, säuberlich gestapelt bis unter die Decke, Palettenreihen wie Gänge in einem übergrossen Kiosk. Bunte Verpackungen, Chips, Getränke, Süsswaren aus aller Welt. Hier, an der Wydenstrasse 25, hat die Pala Food GmbH ihren Sitz – Ziel des jüngsten Anlasses «Gwerbler zeiged sich».
Ein gutes Dutzend Mitglieder des Gewerbevereins Bürglen versammelt sich um 18 Uhr vor dem Gebäude. Aktuarin Angela Dünner begrüsst die Gäste mit einem Schmunzeln: Viele seien hier schon vorbeigefahren und hätten sich gefragt, was sich hinter der gepflegten Aussenansicht verberge, heute gebe es Antworten. Dann übernimmt Geschäftsführer Mustafa Ali Pala und führt direkt hinein ins Herz seines Betriebs.
Mit Risiko zum Erfolg
Zwischen Süssigkeitenkartons und Getränkekisten erzählt Pala seine Geschichte ohne Pathos, aber mit spürbarem Stolz. Er kam 1974 in die Schweiz. Der Schritt in die Selbstständigkeit erfolgte 2006 – nicht aus Komfort, sondern aus einer Notlage heraus. Arbeitslosigkeit war der Auslöser. Er sagt: «Und heute, 20 Jahre später, kann ich mit Stolz sagen: Obwohl es hart war, hat es sich gelohnt.» Der Aufbau erfolgte Schritt für Schritt. Angefangen habe alles mit Gummibärchen einer anderen Marke – nicht die bekannten Klassiker – für türkische Läden in der Schweiz. Daraus entstand über die Jahre ein breit aufgestelltes Sortiment. Heute umfasst es rund 70 Artikel, mehrheitlich im Foodbereich, zunehmend aber auch Non-Food-Produkte. Der Betrieb ist ein Familienunternehmen geblieben. Zwei seiner fünf Kinder arbeiten inzwischen mit. Der Einsatz ist hoch. Pala sagt dazu trocken: «Selbst und ständig.»
Zwischen Hype und Nachfrage
Der Rundgang führt vorbei an Chips-Bergen, Getränke-Paletten und Importware aus Deutschland, Spanien, Mexiko, den USA, der Türkei und aus dem asiatischen Raum. Geliefert wird in die ganze Deutschschweiz – von Chur bis Freiburg, von Basel bis Luzern. Zu den Kunden zählen Süssigkeitenläden, Kioske und Grossisten.
Ein Bestseller sind Patos Chips. Die Mengen beeindrucken: Bis zu vier Lastwagen pro Monat verlassen damit das Lager. Ein Lastwagen fasst 33 Paletten mit je 32 Kartons und jeweils 24 Chips-Packungen. Der Markt sei gross, aber schnelllebig. Trends entstehen heute oft über soziale Medien. Pala beobachtet diese Entwicklungen aufmerksam, ohne jedem Hype nachzurennen. Über Influencer und Netzwerke erkenne man aber durchaus, was gefragt sei. Das Sortiment werde entsprechend der Nachfrage und den Kundenwünschen angepasst. Testverkäufe laufen teilweise im «House of Sweets» in Weinfelden, das von seinem Sohn geführt wird.
Blick hinter die Kulissen
Während des Rundgangs stellen die Gewerbler viele Detailfragen: zu Lagerung, Haltbarkeit, Zahlungsbedingungen und Sortimentspflege. Pala bleibt pragmatisch, auch bei der eigenen Produktnutzung. Er sagt schmunzelnd: «Ich habe nicht alle Produkte getestet. Das wäre für meine Figur nicht dienlich.» Und er stellt klar: «Wir sind nicht darauf aus, gesunde und nachhaltige Lebensmittel zu verkaufen – hier geht es um süsse Versuchungen.»
Auch der Umgang mit überschüssiger oder abgelaufener Ware wird thematisiert. Produkte, die nicht mehr verkauft werden können, landen nicht einfach im Abfall. Palettenweise gehen Waren an soziale Organisationen wie «Tischlein deck dich». Ein Teil wird zudem an den Adra Shop in Sulgen weitergegeben.
Zwischen den Regalreihen wird deutlich: «Gwerbler zeiged sich» ist mehr als ein Firmenbesuch. Der Anlass, der drei- bis viermal jährlich stattfindet, macht Unternehmertum greifbar. Man sieht, wo gearbeitet, riskiert, gerechnet und getragen wird – oft über Jahre hinweg. Als sich die Gruppe nach gut zwei Stunden wieder beim Ausgang sammelt, ist der Blick ein anderer als beim Eintreffen: Hinter der ordentlichen Fassade steckt kein geheimnisvolles Lager, sondern eine gewachsene Unternehmergeschichte, viel Familienarbeit und ein Gespür für einen Markt, der sich ständig neu erfindet.
Benjamin Schmid
