6. November 2026
Sulgen. Herzhaft gelacht hat das Publikum am vergangenen Samstag im Auholzsaal an der Aufführung des Theaterstücks «… und dann kam Dolly!». Die Laienschauspielerinnen und -schauspieler der Theatergruppe AachThurLand gaben den Rollen einen persönlichen Charakter – echt und unterhaltend.
Ein junger Mann in den vordersten Rängen meinte zur Leistung der sechs Laienschauspielerinnen und -spieler, als der Vorhang nach dem ersten Akt gezogen wurde: «Sackstark.» Das Publikum hatte viel zu lachen, vor allem über die Verwechslungen und über die Eigenheiten der dargestellten Personen.
Ein ertappter Liebhaber
Die Reihe der Verwechslungen beginnt, als der ertappte Liebhaber und Psychiater Ferdinand (Thomas Reif) dem durch die Affäre seiner Frau Rita (Lilo Städeli) gehörnten Ehemann Peter (Lucas Schweiss) erklärt, er sei der Freund seiner Tochter Gabi (Alina Birkhofer). «I ha dim Maa steihart is Gsicht gloge», gesteht Ferdinand seiner One-Night-Geliebten Rita, worauf sie ihm entgegnet: «Wännt em d’Wahrheit gseit hettsch, würdisch nüme läbe …»
Lüge hat zu kurze Beine
Mit dieser Lüge nimmt die Geschichte Fahrt auf und spitzt sich dramatisch zu. Zunächst geht der betrogene Ehemann und Hausherr Peter davon aus, dass seine Frau eine Affäre mit dem Freund seiner Tochter Gabi hatte. Weil Gabi ihren Freund ihren Eltern noch nicht vorgestellt hat, hat die Lüge des Liebhabers noch etwas Bestand. Doch – wie es kommen musste – sie hat kurze Beine. Als sich Gabi und der Liebhaber ihrer Mutter begegnen, stellt Gabi klar: «Da isch nöd min Fründ» und schiebt gleich noch eine Bemerkung zum Aussehen des enttarnten Liebhabers hinterher – das Gelächter und der Applaus des Publikums sind ihr dabei sicher.
Eine unerwartete Wendung
Als für alle Beteiligten klar ist, dass Ehefrau und Mutter Rita eine Affäre mit Psychiater Ferdinand hatte, nimmt die Geschichte im zweiten Akt eine unerwartete Wendung: Hausherr Peter sieht plötzlich ein junges, bildhübsches Mädchen mit dem Namen Dolly und treibt damit alle Beteiligten in den Wahnsinn. Den dramatischen Höhepunkt erreicht die Geschichte um Dolly, die nur vom Hausherrn wahrgenommen werden kann, als Dolly – weil sie sich angeblich an einem Stück Schokoladekuchen verschluckt hat – auf den Boden gelegt und reanimiert werden muss.
Die Sorge um die geistige Gesundheit des Hausherrn führt alle zusammen. Als Peter schliesslich eingesteht, dass die Geschichte mit Dolly nur ein «Theater» gewesen sei, findet die Geschichte ein Happy End. Die untreue Ehefrau bittet um Verzeihung und ihr Ehemann freut sich schelmisch darüber, dass das Theater um Dolly gewirkt hat: Die beiden sind wieder ein Paar.
Den Rollen eigenen Charakter verliehen
Die beiden Männer und die vier Frauen haben ihre Rollen gut gespielt und ihrer Person einen eigenen Charakter verliehen. Wenn Liebhaber und Psychiater Ferdinand mit den Worten «psychologisch gseh» zu einer fachmännischen Analyse ansetzte, konnte er sicher sein, dass das Publikum lachte. So auch, als er auf dem Höhepunkt der Ereignisse für den gehörnten Ehemann Peter – seiner Geliebten gegenüber – die Diagnose stellte: «Ich glaub, din Maa isch langsam uf em abstiigende Ascht.» Einen Einblick in ihre Gemütsverfassung gab auch Anita (Sonja Bisignano), die Schwester des hart geprüften Hausherrn Peter. Sie wurde von ihrem Ehemann verlassen und klagte ihr Schicksal, wobei nicht immer klar war, ob es um ihren untreuen Ehemann Albin oder um ihren Hund Bello ging. Die jeweiligen Nachfragen sorgten beim Publikum für Gelächter.
Mit dem einzigen Ereignis, das wohl nicht im Manuskript des Stücks stand, ging die wackere Theatergruppe souverän um: Als der Kleiderständer, der in der Wohnstube als Garderobe diente, umstürzte, wurde er unaufgeregt wieder aufgestellt, als ob das auch zum Stück gehört hätte …
Ernst Ritzi
