Freitag, 6. März 2026
Leimbach/Sulgen. Mehr Fair Trade geht gar nicht: Die Orangen, die ein Kollektiv aus Leimbach in der Winterzeit unter anderem am Sulger Kreisel verkauft, stammen von befreundeten Bauern in Alicante und werden eigenhändig importiert.
Wer diesen Winter häufig am Sulger Kreisel vorbeigefahren ist, dem fiel der Stand mit dem selbst gebastelten Orangen-Schild sicher schon auf. Bei Wind und Wetter stehen die Verkäufer dort und bringen ihren Kundinnen und Kunden etwas Sommergefühl mit saftig-süssen, unbehandelten Orangen aus Spanien. «Das erste Mal haben wir es an Heiligabend versucht», erzählen Simon Schneider und Benedikt Lauer. Das Wetter war zwar eisig kalt. Aber das positive Feedback der Kundinnen und Kunden hat den zwei Standbetreibern das Herz gewärmt. Schon vom ersten Tag an bekamen sie nur Gutes zu hören. «Es lief besser als erwartet», sagen sie zufrieden.
Kollektiv aus Leimbach
Die beiden jungen Männer gehören zu einer vierköpfigen Gruppe von Freunden, die an der Andwilerstrasse 23 in Leimbach wohnen und arbeiten. Simon Schneider ist dort aufgewachsen; die anderen der Gruppe sind Auswärtige. Das Haus, ein langgestreckter Fachwerkbau, ist über 300 Jahre alt und wurde bis in die Siebziger hinein als «Wirtschaft und Bäckerei zum Schweizerhaus» genutzt. weiss er. «Diese Idee wollen wir wiederbeleben und eine Bäckerei mit Laden und vielleicht sogar ein kleines Café eröffnen.»
Zum Gebäude gehört ein grosser Garten und eine Scheune, in der das zukünftige Lädeli sein wird. Bis es so weit ist, wird jedoch noch viel Arbeit nötig sein – bei der die Gruppe gern selbst anpackt. «Wir sind breit aufgestellt», beschreibt Benedikt Lauer die vielseitigen Talente der Gruppe. Für das Unterfangen haben sie eine Kollektivgesellschaft gegründet, die «Back und Bau KLG». Die Baugenehmigungen wurden kürzlich erteilt und die Bauherren können es kaum erwarten, endlich loszulegen.
Das Projekt haben die Freunde den Einwohnerinnen und Einwohnern von Leimbach bereits vorgestellt. Dabei machten sie auch Werbung für ihr neuestes Baby, den Orangenverkauf. Mit Flyern wiesen sie auf den Strassenstand sowie den «Hinterhof-Verkauf» hin. Denn man kann die Orangen auch vor Ort in Leimbach kaufen, jeden Tag von 8 bis 18.30 Uhr – ausser Samstag.. Zudem sind Zitronen im Angebot.
Süsse Versuchung
Die Freunde haben bereits Erfahrung mit dem Verkauf auf der Strasse und auf Märkten gesammelt. «Kollegen von uns produzieren in Vermont Ahornsirup», erzählt Benedikt Lauer. Flugs produzierten sie Dinkelwaffeln mit dem Öko- Dicksaft aus den USA und versüssten an ihrem kleinen Stand vielen Besucherinnen und Besuchern diverser Märkte in der Region den Tag. Der Ahornsirup kommt auch aktuell zum Einsatz: Mit dieser Zutat haben die Do-it-Yourself-Bäcker Zimtschnecken und Guetzli gesüsst – ein kleiner Vorgeschmack auf das Angebot ihres zukünftigen Lädelis. Noch ist nichts in Stein gemeisselt. Der Plan ist, das Sortiment aus selbst hergestellten Waren durch exklusive und lokal hergestellte Produkte zu ergänzen.
«Die Idee mit den Orangen kam auf, um den Winter zu überbrücken», erzählen die beiden. Die Bauern in Alicante kennen sie persönlich. «Ich war im letzten Frühling zu Besuch auf der Plantage», berichtet Simon Schneider. Auf neun Hektaren werden dort Orangen und Mandarinen angebaut, rund 70 Tonnen Orangen pro Ernte. Die Früchte werden reif gepflückt und sind nicht gespritzt. Der Preis ist etwas höher als im Supermarkt. Dafür kann man sicher sein, dass der Erlös beim Hersteller landet und keine Migranten für Anbau und Ernte ausgebeutet werden. Das Kollektiv importiert die Früchte sogar mit eigenen Händen. Benedikt Lauer zeigt auf den blauen Mercedes-Bus, der hinter dem Stand parkt: «Wir treffen uns mit den Bauern auf halbem Weg in Frankreich.» Bis jetzt fanden sieben solcher Fahrten statt.
Bis Ende Monat werden die Freunde wohl noch ein oder zwei Mal losfahren. Denn bei den Orangen handelt sich um eine späte Sorte, die wahrscheinlich noch bis Anfang April erhältlich ist. Also zugreifen! Denn wer hier einkauft, tut das fair und unterstützt zugleich einen zukünftigen Dorfladen mit Café in Leimbach.
Stefan Böker
