Freitag, 11. September 2026

Region. In Sulgen und Kradolf-Schönenberg wird der Strom günstiger, in Teilen Bürglens steigen die Kosten leicht. Erlen führt zusätzlich einen Leistungspreis ein – damit entscheidet künftig auch der gleichzeitige Betrieb mehrerer Geräte über die Höhe der Rechnung.

Gute Nachrichten aus Sulgen: In der Gemeinde sinkt der Strompreis per 1. Januar 2027 für alle Kundengruppen leicht. Möglich machen dies die günstigeren Bedingungen an den Energiemärkten. Zudem hatte das Elektrizitätswerk Sulgen frühzeitig Strom in mehreren Tranchen eingekauft und sich dadurch tiefere Einkaufspreise gesichert.

Gleichzeitig stellt Sulgen auf Saisontarife um. Von April bis Oktober ist der Strom an Werktagen tagsüber günstiger als nachts. Zudem wird der Niedertarif auf das gesamte Wochenende ausgeweitet. Damit soll ein Anreiz geschaffen werden, Strom möglichst dann zu verbrauchen, wenn viel Solarenergie produziert wird. So lassen sich Kosten für den Ausgleich zwischen Produktion und Verbrauch reduzieren. «Mit der generellen Senkung des Strompreises und der Ausweitung des Niedertarifs auf das gesamte Wochenende profitieren alle», sagt Gemeindepräsident Andreas Opprecht. Das Preisniveau von vor 2022 dürfte aus seiner Sicht allerdings kaum mehr erreicht werden.

Kradolf-Schönenberg senkt Kosten

Auch in Kradolf-Schönenberg wird der Strom 2027 etwas günstiger. Für einen gewöhnlichen Haushalt reduziert sich der Preis um rund 0,7 Rappen pro Kilowattstunde. Bei einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden entspricht dies einer Ersparnis von ungefähr 40 Franken pro Jahr.

Ausschlaggebend sind vor allem tiefere Energiebeschaffungskosten. Auch einzelne Kosten, die von übergeordneten Stellen weiterverrechnet werden, gehen zurück. Gleichzeitig steigen die Aufwendungen für die Nutzung und den Unterhalt des Stromnetzes. Insgesamt überwiegen jedoch die entlastenden Faktoren. «Erfreulicherweise können wir die Strompreise in Kradolf-Schönenberg per 1. Januar 2027 nochmals leicht senken», sagt Gemeinderat Roman Gnägi, zuständig für die Werkbetriebe.

Am bestehenden Tarifsystem ändert sich nichts Grundlegendes, auch die Gemeindeabgabe bleibt unverändert. Die Gemeinde wolle weiterhin dort ansetzen, wo sie selbst Einfluss nehmen könne: bei der Energiebeschaffung, der Investitionsplanung und einem wirtschaftlichen Betrieb des Stromnetzes.

Bürglen ist zweigeteilt

In der Politischen Gemeinde Bürglen gelten je nach Ortsteil unterschiedliche Zuständigkeiten. Bürglen und Istighofen werden direkt von den St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerken, kurz SAK, versorgt. Die Gemeinde hat auf die dortige Tarifgestaltung keinen Einfluss. Für SAK-Kundinnen und -Kunden in Bürglen und Istighofen bleiben die Stromkosten 2027 nahezu stabil: Ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt bezahlt rund 17 Franken oder 1,29 Prozent mehr pro Jahr. Der leicht tiefere Energiepreis wird durch höhere Kosten für Netznutzung und Messung mehr als ausgeglichen.

In Opfershofen und Leimbach tritt die Politische Gemeinde Bürglen selbst als Energieversorgerin auf. Dort steigt der Gesamtpreis inklusive Mehrwertsteuer von 30,57 Rappen pro Kilowattstunde im Jahr 2026 auf 30,86 Rappen im Jahr 2027. Für eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden bedeutet dies Mehrkosten von 13.05 Franken pro Jahr. Ohne Mehrwertsteuer erhöht sich der Preis von 28,28 auf 28,55 Rappen pro Kilowattstunde.

Die Energie stammt von der Strombörse und von lokalen Solarstromproduzen-ten. Insgesamt sind die Beschaffungskosten um drei Prozent gestiegen. Darin enthalten sind auch Deckungsdifferenzen aus früheren Tarifperioden. Gleichzeitig sinkt die Vergütung für den ökologischen Mehrwert von Photovoltaikanlagen von zwei auf einen Rappen pro Kilowattstunde. «Eine genaue Prognose ist derzeit anspruchsvoll», erklärt Gemeindepräsident Kilian Germann. Entscheidend seien der Ausbau der Solaranlagen, die Investitionen ins Verteilnetz und die Entwicklung an den Energiebörsen.

Erlen führt Leistungspreis ein

In Erlen sinkt der Arbeitspreis für Haushalte um 3,4 Prozent: von 31,33 auf 30,25 Rappen pro Kilowattstunde. Die Preise verstehen sich ohne Mehrwertsteuer und enthalten weder die monatlichen Mess- und Systemgebühren noch die neue Leistungskomponente. Während der Energiepreis um 9,7 Prozent sinkt, steigen die Netznutzungspreise um 6,4 Prozent. Der monatliche Messtarif erhöht sich von 8.50 auf 9.50 Franken, die gesetzlichen Abgaben gehen von 3,83 auf 3,65 Rappen pro Kilowattstunde zurück.

Neu bezahlen Haushalte einen Leistungspreis von zwei Franken pro Kilowatt und Monat. Massgebend ist die höchste Leistung, die innerhalb eines Monats gleichzeitig aus dem Netz bezogen wird. Damit hängt die Rechnung künftig auch davon ab, wie viele leistungsstarke Geräte gleichzeitig laufen. «Wer grössere Elektrogeräte – zum Beispiel das Elektroauto, den Backofen oder die Waschmaschine – möglichst nacheinander statt gleichzeitig nutzt, kann hohe Leistungsspitzen vermeiden», schreiben die Technischen Betriebe Erlen. Dies könne die Stromrechnung und zugleich das Netz entlasten.

Für die Netznutzung gilt derselbe Tarif, unabhängig von der Tageszeit. Ob ein Haushalt entlastet oder zusätzlich belastet wird, hängt deshalb stärker vom Verbrauchsverhalten und den monatlichen Leistungsspitzen ab.

Auch Birwinken senkt Tarife

«Für das kommende Jahr sinkt der Strompreis um fast zwei Rappen pro Kilowattstunde», teilen die Technischen Werke Birwinken mit. Für einen typischen Haushalt mit 4500 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutet dies eine Entlastung von rund sieben Franken pro Monat; ausschlaggebend sind vor allem die tiefere Netznutzung und sinkende Bundesabgaben.

Hohentannen setzt auf Solarstrom

Hohentannen führt als eine der ersten Gemeinden wieder einen Hoch- und Niedertarif ein. «Wir möchten Anreize schaffen, während der Produktionszeiten der Photovoltaikanlagen energieintensive Geräte zu verwenden», erklärt Gemeindepräsident Lukas Hoffmann. Der Niedertarif gilt täglich von 10 bis 19 Uhr; Haushalte mit 4500 Kilowattstunden Jahresverbrauch bezahlen je nach Verbrauchsprofil dennoch rund zwei bis sieben Franken mehr pro Monat.

Manuela Bruhin