Freitag, 7 August 2026
Kradolf-Schönenberg. Kradolf-Schönenberg feierte am 1. August nicht nur den Geburtstag der Schweiz, sondern auch das eigene 30-Jahr-Jubiläum. Neben Bundesrätin Karin Keller-Sutter sorgten Kamele, ein Schirm und Komödiant Kiko für Furore.
Wenn in Kradolf-Schönenberg zur Bundesfeier geladen wird, dann schlägt das Herz der Gemeinde höher – und das in diesem Jahr ganz besonders. Schliesslich gab es gleich zwei Geburtstage zu zelebrieren: die Wiege der Eidgenossenschaft und das 30-jährige Bestehen der Gemeinde. Die Festivitäten wurden fulminant durch den Musikverein sowie den Jodelclub Klein Rigi eingeläutet.
Nach diesem musikalischen Auftakt betrat Gemeindepräsident Heinz Keller die Bühne. In seiner Rede ging er sichtlich stolz auf die rund 30-jährige Geschichte der Gemeindebildung ein und erinnerte an die Gründungswehen vor drei Jahrzehnten, als am 1. Januar 1996 der erste Gemeindeammann Jakob Stark die Arbeit aufnahm. In einer humorvollen Zeitreise blickte der Gemeindepräsident zurück auf das Jahr 1996 – eine Ära, in der Deutschland noch Fussball-Europameister werden konnte, ein Liter Benzin unschlagbare 1.20 Franken kostete und Nokia gerade Motorola als Marktführer bei den Mobiltelefonen ablöste.
Hymnenstreit und Politik
Direkt im Anschluss gehörte die Bühne dem Ehrengast aus der Schweizer Regierung. In ihrer Festansprache schlug Bundesrätin Karin Keller-Sutter gekonnt den Bogen zwischen dem lokalen Jubiläum und der grossen Weltpolitik. Anhand der Entstehungsgeschichte der Schweizer Nationalhymne zeigte sie auf, dass das Land oft einen langen Atem braucht, um zu verlässlichen Lösungen zu gelangen. Der Schweizerpsalm existierte schliesslich schon seit 1841, wurde aber erst 140 Jahre später, im Jahr 1981, offiziell dekretiert. Der Bundesrat habe sich schlichtweg nie als «oberste Gesangsbehörde» aufspielen wollen. Für einen handfesten Lacher im Publikum sorgte die Bundesrätin, als sie aus den historischen Protokollen von 1975 zitierte. Damals hatten vier Kantone den Schweizerpsalm ausdrücklich als ungeeignet abgelehnt. «Sie können dreimal raten, wer zu diesen vier Kantonen gehört hat: der Kanton Thurgau», verriet Keller-Sutter amüsiert und drohte augenzwinkernd, nachher ein ernstes Wörtchen mit dem anwesenden Ständerat reden zu müssen. Sie betonte, dass der Föderalismus und die direkte Demokratie die zentralen Pfeiler der Schweiz sind, weil der Bund wichtige Fragen weder über die Kantone noch über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entscheiden kann. Angesichts globaler Krisen blicke sie dennoch zuversichtlich in die Zukunft: «Wir haben in der heutigen Weltlage einen grossen Trumpf: unsere Stabilität.»
Beschirmt durchs Jubiläum
Doch eine Frage liess die Bundesrätin während ihrer Rede noch offen. Sie hatte sich zur Einstimmung Bürgerfotos aus der Gemeinde angeschaut und entdeckte neben der Thur oder der Ruine Last prompt das Bild eines Kamels. «Das müssen Sie mir dann nachher noch erklären!», forderte sie schmunzelnd.
Nach ihrer Ansprache ergriff daher Heinz Keller nochmals das Wort, um das tierische Mysterium galant zu lüften: Auf dem Weg Richtung Wil existiert in Olmerswil schlichtweg ein Kamelhof mit 12 bis 15 Tieren. Mit einem Augenzwinkern fügte er an, dass dies aber keineswegs die einzigen Kamele seien, die in der Gemeinde herumlaufen.
Gleich darauf ging es an die traditionelle Bescherung für den prominenten Gast. Keller überreichte der Bundesrätin einen Genossenschaftsanteilsschein der Ruinen Kradolf-Schönenberg, verbunden mit einer Einladung zur Einweihung der aktuell aufgegleisten Sanierung der Ruine Heuberg. Damit die Magistratin bei der hiesigen Naherholung künftig trocken bleibt, folgte die feierliche Übergabe eines exklusiven Jubiläums-Schirms der Gemeinde. Keller hielt dabei fest, dass die Natur zwar dringend Regen brauche, das Präsent die Bundesrätin aber hoffentlich «nicht im Regen stehen lässt». Für den süssen Hunger gab es zudem «Schönenbergerli» und für die Bundespolitik einen mit Logo versehenen Stress-Ball. Angesichts der aktuellen Weltlage scherzte Keller jedoch direkt, dass sie wohl eher «einen ganzen Sack voll mit solchen Bällen» gebrauchen könne und überreichte ihr einen ganzen Sack davon.
Humorvolles Finale mit Kiko
Nach diesem offiziellen Austausch stimmte die gesamte Festgesellschaft gemeinsam mit dem Musikverein den Schweizerpsalm und das Thurgauer Lied an. Die Melodien hallten feierlich durch das Zelt, bevor das Programm in die finale Phase überging. Den grandiosen Schlusspunkt setzte schliesslich der bekannte Komödiant Kiko. Mit seinem unnachahmlichen Humor und seinem pointierten Programm strapazierte er die Lachmuskeln des Publikums ordentlich und bewies, dass die dörfliche Gemeinschaft in Kradolf-Schönenberg vor allem eines geblieben ist: herrlich lebendig.
Benjamin Schmid
