25. September 2026
Sulgen. Der Jodelclub Klein Rigi feiert im Oktober sein 75-jähriges Bestehen mit einem grossen Jubiläumsabend im Auholzsaal in Sulgen. Der traditionsreiche Verein blickt auf eine bewegte Geschichte und eine aktuelle Erfolgswelle zurück.
Ein Dreivierteljahrhundert Vereinsgeschichte entsteht nicht von heute auf morgen. Hinter den Kulissen des Jubiläumsjahres steckt ein grosser organisatorischer Aufwand, der von den Mitgliedern viel Zeit, Freude und Engagement fordert. Besonders das siebenköpfige Organisationskomitee arbeitet intensiv daran, dass der anstehende Festakt für alle Beteiligten zu einem würdigen Erlebnis wird. Gleichzeitig ist das Jubiläum ein Projekt des gesamten Vereins, bei dem der Chor und zahlreiche freiwillige Helfer gemeinsam anpacken. «Diese Zusammenarbeit bei der Planung, dem Programm und der Dekoration zeigt, wie stark der Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft ist», erklärt Uschi Kessler, Erste Jodlerin und Ehrenmitglied.
Wurzeln in Dorfgemeinschaft
Am 24. Oktober lädt der Jodelclub zum grossen Jubiläumsevent nach Sulgen ein. Das Publikum erwartet ein abwechslungsreicher Abend, der ganz im Zeichen von Jodelgesang, Volksbrauchtum und gemütlichem Beisammensein steht. Neben den eigenen Liedern bereichert das Jodelchörli Gais das Programm mit Zäuerli, Schellenschötte und Talerschwingen. Durch den Abend führt Christoph Sutter als poetischer Autor und Unterhalter. Neben dem Publikum werden auch Behördenmitglieder, Ehrengäste sowie viele ehemalige Vereinsmitglieder erwartet, die persönlich eingeladen wurden. Für den Verein ist es eine grosse Freude, diesen Anlass mit Menschen zu teilen, die die Tradition unterstützen. «Wir sind gespannt, welche Erinnerungen wir mit unserem Repertoire auslösen und ob das eine oder andere Lied von unseren Ehemaligen mitgesungen werden kann», erklärt Kessler.
Die Geschichte des Clubs begann am 5. Mai 1951, als die Initianten Ruedi Gerber, Walter Gsell und Alfred Müller zusammenkamen. Obwohl heute keine Gründungsmitglieder mehr aktiv im Verein singen, ist der Geist der Gründerväter bis heute spürbar geblieben. Die Freude am Jodelgesang, die Pflege des Brauchtums und die grosse Kameradschaft zwischen Jung und Alt bilden das Fundament. Die historische Geburtsstätte, das Hotel-Restaurant Klein Rigi in Schönenberg, diente damals als erstes Übungslokal. Früher gelangten die Jodler am Stall vorbei in die Gaststube, wo nicht nur gesungen, sondern auch gejasst und politisiert wurde. Heute präsentiert sich das Lokal modern und unterstützt den Verein weiterhin als einer von vier Hauptsponsoren.
Erfolge auf der Bühne
Rechtzeitig zum Jubiläum verzeichnet der Verein, der aktuell 24 aktive Mitglieder zählt, bedeutende musikalische Erfolge. Beim Nordostschweizerischen Jodlerfest in Altstätten erreichte der Chor mit dem Lied «Es schöns Daheim» die Bestnote 1. Dieser Erfolg gab dem gesamten Jubiläumsjahr zusätzlichen Schwung. Auch beim Eidgenössischen Jodlerfest in Basel überzeugte die Formation mit dem Lied «Johr y, Johr us» von Mathias Zogg und erhielt trotz grosser Hitze die Note «Gut». Einen wichtigen Anteil an diesem Aufschwung hat die junge Chorleiterin Anita Sturzenegger. «Ihre klare musikalische Führung und ihre Begeisterung spornen den Chor an, konzentriert zu proben und auf Details zu achten», führt Kessler aus. Beim Naturjodeln läuft auf der Bühne vieles über Blickkontakt und blindes Verständnis, da kein Dirigent vor dem Chor steht, der die Einsätze vorgibt. Die Sängerinnen und Sänger müssen sich während des Vortrags anschauen, genau aufeinander hören und einander vertrauen. Da der Jodelclub traditionell auswendig und ohne Noten singt, erfordert diese Form des Vortrags viel Übung.
Brücke in die Zukunft
«Das Konzept der Veranstaltungen wurde über die Jahre hinweg immer wieder angepasst, um für das Publikum attraktiv zu bleiben», erklärt die Jodlerin. Während in den Anfangsjahren ein klassisches Theaterstück fest zur Abendunterhaltung gehörte, etablierte sich später ein Raclette-Plausch, der ursprünglich aus einer Notsituation heraus entstand. Um der Überalterung entgegenzuwirken, setzt der Verein auf zeitgemässe Strukturen und eine enge Zusammenarbeit mit den Thurgauer Jodelspatzen. Wenn junge Sänger dort mit 16 Jahren ausscheiden, bietet der Jodelclub eine direkte Anschlussmöglichkeit. Die Dirigentin Anita Sturzenegger leitet beide Formationen und schlägt so eine Brücke zwischen der Nachwuchsarbeit und dem Erwachsenenchor. «Für uns zeigt dieses Jubiläum, dass das Jodeln in der Region nach wie vor einen wichtigen Stellenwert hat», betont Uschi Kessler. Das langfristige Ziel für die nächsten 25 Jahre bleibt das Bestehen des Vereins, um schliesslich das 100-jährige Bestehen feiern zu können.
Benjamin Schmid
